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Schlagwort "Witziges"

Neuer Trend bei Garantiebestimmungen ehrt den ersten Wochentag


Da ist Cowon aber knausrig bei seinem neuen Mediaplayer. Kann man das Produkt dann im Falle eines Defekts nur an einem der zwölf Montage reklamieren? Vielleicht handelt es sich um eine besonders originelle Ausdrucksweise für "12 Wochen" oder "bis zum zwölften Montag nach Kauf".
Der Schlüssel zum Verständnis könnte genauso gut in der Trennung der Wörter "Hersteller" und "Garantie" bestehen: Eventuell handelt es sich sogar um eine symbolische Trennung dieser Begriffe, um Cowons neue Linie einzuläuten: "keine Garantie mehr vom Hersteller!"
Oder vielleicht meint man ja auch das französischstämmige Wort Montage - also mit stimmhaftem postalveolarem Frikativ? Aber dann wird es ja eigentlich nur noch konfuser...

Übrigens bemerkenswert sind auch die "100% Zufriedenheitsgarantie". Hier sind 80 oder 90 Prozent nicht genug - nein, 100 Prozent müssen es sein. Das ist aber ganz richtig so: Was soll ich nämlich mit einem Produkt, bei dem nur 32,48 Prozent Zufriedenheit garantiert werden.

Nicht nur Cowon bietet diesen neuartigen Service. Wir finden ihn auch beispielsweise bei Produkten von Roba - etwa bei einer praktischen Bade-Wickel-Kombi [1] oder einem Laufgitter [2]. Auch Beurer springt mit auf diesen Zug und fügt seinen Inhalatoren die 12 Montage bei [3]. Sogar das niederländische Traditionsunternehmen Philips widmet seine Garantie dem ersten Wochentag [4] und Sony [5] oder Canon [6] kann man unter diesem Stichwort ebenso finden.

Eventuell könnte man sogar die gewagte Vermutung aufstellen, dass sich hier der Fehlerteufel bei der deutschen Amazon-Webseite eingeschlichen hat. Aber wer kann schon ausschließen, dass es reiner Zufall ist, dass die "12 Montage Hersteller Garantie" nur auf den Webseiten des großen Internet-Versandhändlers auftauchen?

Rückkopplung bei der Gema-Zensur auf YouTube

Wer in Deutschland Musik, Filme, Bücher oder alle anderen Arten von urheberrechtlich geschütztem Material produziert, muss zunächst selbst darauf aufpassen, dass sein Urheberrecht nicht verletzt wird. Wenn jemand also ein Lied schreibt und ein anderer es hinter dessen Rücken zu Geld macht, geht das so lange gut, bis der Songwriter selbst auf die Idee kommt, von seinem Urheberrecht Gebrauch zu machen.

Weil es natürlich für einen einzelnen ziemlich schwer ist, jeden zu erwischen, der sein Urheberrecht missachtet, steht es jedem Urheber frei, Mitglied bei der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) zu werden. Die GEMA passt dann für ihn darauf auf, dass seine Urheberrechte gewahrt bleiben.
Die GEMA wird weithin als ziemlich lästig empfunden. Sie ist in den meisten Fällen schuld, wenn ein Video auf YouTube "in deinem Land nicht verfügbar" ist. Außerdem ist sie es, die die Tonspur bei meinem Video, das aus einem Schulprojekt im Fach Latein [1] entstanden ist, radikal entfernt hat, obwohl diese Tonspur aus einer harmlosen Collage von Schnipseln aus mehr oder weniger bekannten Liedern besteht.

Dass dieses radikale Entfernen unzähliger, teilweise harmloser, Videos bei YouTube irgendwann eskalieren würde, war abzusehen. Ein nettes Beispiel ist ein aktueller Werbespot zu Sonys LCD-Fernseher "Bravia" [2]. Man beachte dabei, dass dieser Werbesport sowohl mit "offiziell" betitelt ist, als auch auf einem offiziellen Channel von Sony Deutschland erschienen ist, also nicht mal von einem ausländischen Standort von Sony aus hochgeladen wurde.
Dennoch wird der Besucher des "Bravia in Motion DE"-Channels mit dem folgenden Schriftzug empfangen:

Viele YouTube-Besucher machen sich über Sony lustig. Und obwohl diesen Witzbolden zu Recht vorgeworfen wird, Sony sei es ja überhaupt nicht selbst, das die Löschung veranlasst hätte, ist es doch skurril und ich muss den Kommentaren im Wesentlichen beipflichten: Es ist offensichtlich, dass hier die Schwachstelle der radikalen Säuberungsstrategie der GEMA unerwünschte Folgen verursacht. Das erinnert an jemanden, der sein Haus mit einer Bombe von Mottenbefall befreien will.
Man denke sich also einen Songwriter, der bei der GEMA angemeldet ist und eines Tages selbst dafür Strafe zahlen muss, dass er stolz seinen neuesten Song in einer Kneipe um die Ecke vor öffentlicher Audienz vorgesungen hat.

Jumbo nimmt die falsche Leiter

Unter der Marke "Jumbo Spiele" verkauft der niederländische Spieleverlag Hausemann & Hötte den "Rubik's Cube" in Deutschland. Das bunte, würfelförmige Puzzle-Spiel, meist nach seinem ungarischen Erfinder (bisweilen aber auch "Zauberwürfel") benannt, ist deswegen besonders schwer lösbar, weil es so unvorstellbar viele falsche, aber nur eine richtige Stellung gibt.

Der Hersteller wollte sein Produkt damit natürlich eindrucksvoll anpreisen. Das Ergebnis seiner Bemühungen findet sich mit einem Klick aufs Artikelbild. Anscheinend dachte man, die Deutschen seien schwerer zu beeindrucken und schrieb bei ihnen einfach mal eine größere Zahl an Kombinationsmöglichkeiten hin: 43 Quintillionen. Auf Französisch und Niederländisch sind es dagegen nur 43 Trillionen Möglichkeiten.

Wikipedia löst die Konfusion auf: Es gibt "nur" 43 Trillionen Möglichkeiten [1]. Der Übersetzungsfehler ist an dieser Stelle besonders ungewöhnlich, weil er gewöhnlich nur bei Übersetzungen aus dem Englischen auftritt. Die Amerikaner (bisweilen auch die Briten) benutzen nämlich die sogenannte "kurze Leiter" [2]. Das heißt, sie nennen die Zahlen nach dem Prinzip "Million, Billion, Trillion, Quadrillion, ...", wohingegen man in allen übrigen Sprachen der Welt jeweils die "-arden" einfügt ("lange Leiter"). Das Englische "billion" heißt in der Regel also "Milliarden". Und "quintillion" heißt entsprechend "Trillion". Wer mehr über diese Verwirrung erfahren möchte, sollte sich den Telepolis-Artikel vom 03.09.2002 zu Gemüte führen [3].

Warum Jumbo Spiele, eine niederländische Marke, diesen Übersetzungsfehler ausgerechnet bei der Übersetzung ins Deutsche macht, ist rätselhaft. Zum Schluss gibt es zur Verdeutlichung des Irrtums nochmal die beiden Zahlen im Dezimalsystem:

Trillion:
1.000.000.000.000.000.000

Quintillion:
1.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000

[1] de.wikipedia.org/wiki/Zauberwürfel
[2] miakinen.net/vrac/nombres#lettres_zillions
[3] heise.de/tp/r4/artikel/13/13184/1.html

    Humor in der Altenheimromantik

    Am vergangenen Mittwoch, 3. Februar, wurde auf ARD eine TV-Filmkomödie mit dem Titel "Die Spätzünder" [1] ausgestrahlt. Es geht darin um den Gitarrenspieler Rocco, Anfang 40, der seinen Lebensunterhalt als Pflegekraft in einem kleinen privaten Wohnheim für alte Damen und Herren verdient. Als er eines Tages aus seiner Band geworfen wird, greift er den Vorschlag einer Freundin auf, mit den Bewohnern des Pflegeheims eine neue Band zu gründen. Leider findet die unsympathische Heimleiterin die Idee überhaupt nicht gut und feuert ihn sofort. Die alten Leute vermissen Rocco und richten sich deshalb in einem benachbarten Schuppen ein, in dem sie nachts heimlich mit ihm proben können. Ihr Ziel ist ein großer nationaler Bandcontest. Beim Dreh des Bewerbungsvideos werden sie von der Heimleitung erwischt und die zeigt Rocco diesmal sogar bei der Polizei an. Das Video gerät auf Umwege tatsächlich ins Internet und die Band wird berühmt. Den Bandwettbewerb gewinnen "Rocco und die Herzschrittmacher" natürlich auch und am Ende ist alles Friede, Freude, Eierkuchen, als die Rentner mit ihrem hippen Gitarristen im Tourbus von dannen fahren.

    Der erste Gedanke, der mir angesichts dieser Handlung kam, war: Da hat Rocco aber ziemlich Glück mit seinen alten Freunden gehabt. Nach meinem Pflegepraktikum in einem Fuldaer Altenwohnheim hatte ich einen ganz anderen Eindruck von der Atmosphäre in einer solchen Wohnstätte. Aufständisch oder derart aktiv waren da nur wenige und einen "Drachen" wie die Heimleitung im Film bekam ich auch nicht zu Gesicht.

    Die Konstellation von dieser "Altenheimromantik", unterdrückt von einer gnadenlosen Heimleitung scheint schon älter zu sein. Ich kam zum Beispiel bei der Lektüre von "Cloud Atlas" [2] mit ihr in Berührung. Dort war die Thematik aber weitaus ironischer behandelt worden und schien daher gewollt unrealistisch zu sein.

    Ebenso humorvoll wurde das Thema Altenheim schon mehrfach in den Simpsons behandelt. Insbesondere in der Folge vom 31. Januar (Erstausstrahlung USA) aus der 21. Staffel gelingt es Lisa, die Stimmung in Grampas Wohnheim durch den Kauf einer "Funtendo Zii" zu heben. Die Heimleitung beseitigt das Gerät aber schon bald wieder, als sie merkt, dass die alten Leute plötzlich vor Lebensenergie sprühen und daher viel schwieriger unter Kontrolle zu halten sind.

    Im ARD-Programm wirkt der Film, als habe man versucht, das große Rentnerpublikum mit den jüngeren Zuschauern auf einen Nenner zu bringen. Entstanden ist dabei ein sehr verklärter, kitschiger, aber doch eigentlich unterhaltsamer TV-Film - das muss man den "Spätzündern" einräumen. Allerdings kann das Filmchen in der Umsetzung dieser schon viel verwendeten Idee bei weitem nicht mit anderen Ansätzen (wie denen in Cloud Atlas und in den Simpsons) Schritt halten.

    [1] imdb.de/title/tt1450151
    [2] tovotu.de/archiv/420-Tol...pt-mit-kritikwrdigem-Thema
    [3] en.wikipedia.org/wiki/Million_Dollar_Maybe

      Brain Jogging 2008

      Kein Wunder, dass nicht nur das Fernsehen [1] verblödet:

      [1] youtube.com/watch?v=KWuinyJgKew

        14.10.2008 12:18 - Tags: Witziges

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