Das US-amerikanische Unternehmen Amazon betreibt seinen deutschen Online-Shop unter der bekannten Adresse amazon.de nun schon seit 1998 mit großem Erfolg. Kein anderer deutscher Online-Händler hat eine dermaßen breite Produktpalette (das Auktionshaus Ebay wird in eine andere Kategorie eingeordnet). Es ist längst Zeit, ein paar Tipps und Infos über den Versandriesen zusammenzustellen.
Seit Amazon den Vertrieb von Artikeln durch Dritte
über den Amazon-Marketplace verstärkt fördert,
werden Amazon-Suchergebnisse immer unübersichtlicher.
Es gibt keine (bzw. keine verlässliche) Möglichkeit
auf der Amazon-Webseite, die Suche auf Artikel, die von
Amazon versandt werden, zu beschränken. Das ist
mindestens darum ärgerlich, weil man beim Kauf über
einen Marketplace-Anbieter nicht von den besonderen
Versandbedingungen von Amazon profitieren kann.
Eine Artikel-Suche, die Angebote der
Marketplace-Anbieter ausblendet, verspricht die
Webseite NoMarketPlace.com [1]. Zwar wird man
tatsächlich nur in besonders ungünstigen Fällen mal
mit einem Artikel konfrontiert, der nicht mehr von
Amazon.de angeboten wird. Aber die Suchalgorithmen von
NoMarketPlace.com sind im Allgemeinen spürbar
schlechter als die auf der offiziellen
Amazon-Webseite.
Auch die Suche auf Amapsys [2] blendet Ergebnisse vom
Amazon-Marketplace aus. Sucht man hier von Anfang an in
der richtigen Kategorie, bekommt man meiner Erfahrung
nach sogar bessere Ergebnisse als auf
NoMarketPlace.com.
Der eigentliche Sinn der Webseite Amapsys ist
allerdings die Überwachung und Beobachtung der
Preise von Amazon-Artikeln. Wer häufig bei Amazon
einkauft und einen Artikel auch schonmal mehrere Wochen
im Einkaufwagen hat liegen lassen, wird bemerkt haben,
dass einige Amazon-Artikel starken Preisschwankungen
unterworfen sind. Hat man es mit dem Kauf eines
bestimmten Produktes nicht eilig, kann es sich
auszahlen, diese Schwankungen zu überwachen und erst
bei einem Preistief zuzugreifen. Amapsys überwacht die
Preise sämtlicher Amazon-Artikel und informiert
Benutzer per Email darüber, falls ein beobachteter
Artikel eine vorher definierte Schranke
unterschreitet.
Den gleichen Service wie Amapsys bietet die Webseite
Mein-Wunschpreis.com [3], die aber nur durch ihr
ansprechenderes Design punkten kann. In Sachen
Verlässlichkeit und Funktionalität ist Amapsys
erfahrungsgemäß überlegen.
Was Amazon-Käufer auch regelmäßig beschäftigt, ist
die Frage, wie man am günstigsten um die
Versandkosten herumkommt: Bekanntermaßen entfallen
die Versandgebühren ab einem Bestellwert von 20 Euro.
Es gibt nun aber zwei Szenarien, in denen das eine
ärgerliche Einschränkung darstellt: Zum einen trifft
man auf Amazon häufig auch auf Artikel weit unter der
20-Euro-Marke, die man nicht eben im Geschäft um die
Ecke kaufen kann, weil das Amazon-Sortiment einfach
konkurrenzlos riesig ist. Im anderen Fall liegen im
Warenkorb zufällig gerade Artikel mit einem Wert
zwischen 19 und 20 Euro.
Die schon anfangs erwähnte Webseite NoMarketPlace.com
bietet für den zweiten Fall den "20€-Auffüller" [4]. Leider
wirft diese Suche nach günstigen Artikeln, die die 20
Euro vollmachen sollen, oft Artikel aus, die in
Wirklichkeit bereits aus dem Amazon-Sortiment entfernt
wurden. Vorzuziehen ist daher vielleicht die Webseite
VersandAffe [5], die den gleichen
Service etwas verlässlicher erfüllt.
Bei VersandAffe findet man auch eine Lösung für das
erste Szenario (Artikel mit Wert weit unter 20 Euro):
Hier werden immer die günstigsten Bücher im
Amazon-Sortiment gelistet, denn es gilt: Egal, wie
gering der Wert der Bestellung (bestehend aus Musik,
DVD, VHS, Games und Software) ist - wenn ein Buch
darunter ist, entfallen die Versandgebühren. Und
Bücher gibt es schon für Preise um einen Euro [6] und man
darf ja nicht vergessen, dass man sie auch lesen
kann.
Die Versandkosten sparen sich auch Kunden von
AmazonPrime [7]: Für 29 Euro kann hier
ein ganzes Jahr lang Gratis-Express-Versand genutzt
werden. Das beinhaltet insbesondere den Entfall der
Versandkosten auch unter 20 Euro und den garantierten
Versand zum nächsten Werktag.
Tatsächlich dauert auch der Standardversand von
Amazon-Produkten innerhalb Deutschlands nur in
Ausnahmefällen mal länger als einen Tag. Nutzt man
außerdem den Trick mit dem 1-Euro-Buch für
kostenlosen Versand muss man mindestens 30 Bestellungen
für unter 20 Euro im Verlaufe eines Jahres tätigen,
damit sich AmazonPrime auszahlt. Tatsächlich gibt es
natürlich Kunden, die dieses Pensum erreichen, aber in
der Regel sollte man sich gut überlegen, ob sich die
AmazonPrime-Mitgliedschaft wirklich lohnt.
Zuletzt noch interessantes Wissen über Amazon: Die
deutsche Amazon-Webseite wird über Amazon EU S.a.r.l.
betrieben - ein Unternehmen mit Sitz in
Luxemburg! In Deutschland direkt stehen nur die
Versand- und Rücksendezentren (z.B. Bad Hersfeld).
Obwohl sich Amazon in der Öffentlichkeit immer einen
ziemlich guten Ruf sichern konnte, hat es keine ganz
weiße Weste: Verbraucherschützer kritisierten die
Durchführung des so genannten Cyber Monday im
vergangenen November [8]. Netzaktivisten sahen
es nicht gerne, dass Amazon seinen Cloud-Service im
Dezember für WikiLeaks sperrte [9]. Und im Januar wurde
bekannt, dass eine Sicherheitslücke den unbefugten
Zugriff auf Kundenkonten mit einem falschen Passwort
ermöglichte [10]. Außerdem gab es
schon 2004 Beschwerden deutscher Buchverleger, als
Amazon seine Stärke auf dem Markt ausnutzte [11].
Neben dem Versandhandel ist Amazon seit einigen
Jahren auch sehr aktiv im neuen Markt des Cloud
Computing tätig [12]. Außerdem gehört die
große Filmdatenbank "IMDb" [13] zu Amazon. Passend zum
Namen Amazon, der an den großen südamerikanischen
Fluss Amazonas erinnert, gibt es seit kurzem den
Online-Shop Javari.de [14] (benannt nach dem
Nebenfluss des Amazonas), der von Amazon betrieben
wird, sich auf Schuhe und Handtaschen beschränkt und
mit kostenlosem Versand und 365 Tagen Rückgaberecht
wirbt.
Zuletzt will ich darauf hinweisen, dass es auf tovotu
schonmal einen Artikel zum Thema Amazon gab [15].
Außerdem ist tovotu Teilnehmer am
Amazon-Partnerprogramm und verdient unter Umständen
Geld, falls Besucher über einen Link auf dieser
Webseite auf Amazon.de gelangen und dort einen Einkauf
tätigen.
In zahlreichen deutschen
Lichtspielhäusern gibt es jede Woche eine so genannte
Sneak Preview. Dabei handelt es sich um die Vorführung
eines Films, der erst einige Tage später offiziell
erscheinen wird. Weil der Film natürlich vorher nicht
offiziell bekannt gegeben wird, spricht man auch vom
"Überraschungsfilm".
Diese Sneak Previews fallen zwar mit Eintrittspreisen
von 3,50 bis 4,50 Euro in der Regel sehr günstig aus.
Man will aber trotzdem vielleicht nicht unbedingt
völlig ahnungslos die Katze im Sack kaufen. Außerdem
gibt es in vielen Kinos eine Verlosung unter allen, die
den Film vor der Vorstellung richtig geraten haben.
Weil die Kinos oft zu großen Ketten gehören und
gewisse Filme sich aus marketing-strategischen Gründen
einfach anbieten, ist das Repertoire an Filmen, die in
den deutschen Lichtspielhäusern zur Sneak laufen, sehr
begrenzt. Entsprechend ist die Prognose, welcher
Überraschungsfilm gezeigt wird, leichter, als man
zunächst denkt.
Zum einen hilfreich ist da, dass auf sneak.de [1] alle Filme mit Sternchen markiert werden, die bereits auf deutscher Leinwand ausgestrahlt wurden. Noch ausgefeilter ist der Service von Score11 [2]. Benutzer berichten hier freiwillig, welche Filme sie in welcher Stadt bereits in einer Sneak Preview gesehen haben. Aus den Statistiken darüber, wann und wie oft der Film zuletzt als Überraschungsfilm lief und wann er erscheinen wird, ergibt sich eine Prognose. Diese kann sogar für jede Stadt und jedes Kino einzeln erstellt werden.
Am vergangenen Donnerstag hat sich die Prognose von Score11 für die Bonner Stern-Lichtspiele (ein CineStar) bewahrheitet: "Four Lions" wurde gezeigt. Ich bin gespannt, ob es zu den kommenden SneakPreviews ähnlich akkurate Prognosen geben wird.
Bei Bestellungen auf
der deutschen Webseite des Mobilfunk-Providers Vodafone
erhalten Kunden ganz besondere Unterstützung.
Kürzlich wollte ich mich über einen Mobilfunkvertrag
von Vodafone informieren. Ich führte daher probeweise
die Schritte für die Online-Bestellung durch und sah
mir daraufhin das Ergebnis im Warenkorb an. Zunächst
einmal sei erwähnt, dass Vodafone sehr großzügig
Online-Vorteile gewährt: Versandkosten und
Anschlussgebühren werden erlassen und man erhält
pauschal in den ersten 12 Vertragsmonaten 5 Euro
Rabatt.
Allerdings verwirrte mich zunächst die Kombination dieser und weiterer Sonderangebote, sodass am Ende unklar war, was ich nun eigentlich insgesamt in den 24 Monaten Mindestlaufzeit würde bezahlen müssen. Wie ich also auf die vielen Zahlen im Warenkorb starrte, öffnete sich unvermittelt ein Chat-Fenster und ein Mitarbeiter vom Vodafone-Service-Team fragte mich sehr höflich, ob ich Fragen zu meiner Bestellung hätte.
Das folgende Gespräch verlief glücklicherweise so anonym, wie man es sich unter diesen Umständen wünschen konnte: Der Service-Mitarbeiter erfuhr weder meinen Namen noch andere persönliche Informationen. Er hatte nicht einmal Einsicht in meine Bestellung: Um seine Hilfe in Anspruch nehmen zu können, musste ich ihm also erklären, was ich im Warenkorb hatte.
Ich hatte als Kunde wirklich das Gefühl, sehr gut
beraten zu sein. Die Bemühungen des
Service-Mitarbeiters wirkten dabei nicht aufdringlich,
weil es sich ja nur um ein harmloses Text-Chat-Fenster
handelte, das ich auch sofort hätte schließen
können. Andererseits kann ich mir vorstellen, dass
Vodafone dadurch den ein oder anderen Kunden letztlich
doch noch zu einer Online-Bestellung bewegen kann. Eine
klassische Win-Win-Situation also.
Zuletzt verabschiedete ich mich und verließ die
Webseite, ohne den Vertrag abgeschlossen zu haben. Der
Service-Mitarbeiter hatte damit kein Problem, dankte
für meinen Besuch und bot mir an, bei weiteren Fragen
wieder vorbeizuschauen.
Für den Erhalt von
Werbung Geld kassieren? Die meisten Angebote dieser Art
sind seit geraumer Zeit in der Versenkung verschwunden
[1]. Vor
einigen Jahren klang das noch attraktiv, inzwischen hat
die Erfahrung gezeigt, dass sich so ein
Geschäftsmodell weder für den Anbieter noch für den
Kunden lohnt.
Unter der Schirmherrschaft des Mobilfunk-Giganten O2
Telefónica hält dennoch seit inzwischen fast einem
Jahr der Handy-Prepaid-Anbieter "netzclub" [2] an
diesem Prinzip fest: Für den Erhalt von Werbe-SMS/MMS,
-emails und optional auch -post steht dem Kunden hier
zusätzlich zu den üblichen Prepaid-Konditionen ein
kostenfreies "Sponsored"-Paket zur Verfügung. Bei der
Registrierung legt sich der Kunde auf eines von drei
möglichen Paketen fest und nur, wer seine
Mobilfunknummer von einem anderen Anbieter übernimmt,
darf den Tarif auch später noch wechseln.
Besonders attraktiv erscheint dabei das Paket
"Sponsored Surf". Immer mehr Handys werden mit
Smartphone-Optionen ausgerüstet, die zu nutzen mit
einem herkömmlichen Prepaid-Tarif ein teurer Spaß zu
werden droht, da sie eine (ständige)
Internetverbindung erfordern. Bei Netzclub gibt es den
Internetzugang völlig kostenfrei. 200 MB bezieht man
dabei monatlich über eine schnelle HSDPA-Verbindung,
danach gibt es nur noch langsames GPRS.
Im zweiten Paket erhält man 100 Freiminuten in alle
Mobilfunknetze und ins Festnetz. 30 Freiminuten, 30
Freisms und 30 MB Datenvolumen wurden zu einem dritten
Paket kombiniert. Über die Freiminuten und -sms hinaus
bezahlt man unabhängig vom gewählten Paket 11 Cent
pro SMS und Gesprächsminute (60/60). Daten werden in
10 KB-Taktung mit 24 Cent pro Megabyte abgerechnet,
wenn man nicht das Surf-Paket oder Freivolumen hat.
Jeder, der bei netzclub angemeldet ist, erhält ab und
an Werbenachrichten per SMS, MMS, Email und wahlweise
per Post. Die Anzahl der Werbenachrichten ist dabei
insgesamt auf 30 pro Monat beschränkt. In
Internetforen berichten die meisten Benutzer allerdings
von zwei bis fünf Nachrichten pro Monat [3], an
einer Stelle heißt es sogar, man habe noch gar keine
Werbung erhalten [4].
Die drei oben aufgeführten Pakete darf nur nutzen, wer
mindestens einmal pro Monat auf eine Werbung
"reagiert". So eine Reaktion besteht aus dem
unverbindlichen Anklicken eines Links oder der Antwort
auf eine SMS an eine kostenfreie Nummer. Wenn einen
Monat lang gar keine Werbung kommen sollte, wird man
von dieser Pflicht natürlich befreit.
Sollte man seine Pflicht einen Monat lang nicht
erfüllen, wird einem das Gratispaket gestrichen. Man
kann die SIM-Karte allerdings trotzdem zu den üblichen
Prepaid-Tarifen weiternutzen. Wem die Werbung
irgendwann zu sehr auf die Nerven gehen sollte, dem
bleibt nichts anderes übrig, als die Nutzung des
netzclubs komplett zu beenden.
Anziehend an netzclub ist auf jeden Fall auch, dass es nicht nur keine laufenden Kosten gibt, sondern dass auch die Registrierung völlig kostenfrei ist. Wer sich also unsicher ist, ob ihm die Idee gefällt, kann sich einfach mal registrieren und ausprobieren. Seine alte Rufnummer kann man auch viel später erst übernehmen, wenn man das möchte.
Es bleibt die Frage offen, ob sich dieses Geschäftsmodell rentieren wird. Glücklicherweise hat netzclub einigen Rückhalt, da es ein direktes Tochterunternehmen von O2 ist. Dass Windows Live, Wilkinson Sword und Paramount Pictures Werbepartner von netzclub sind, macht zusätzlich Hoffnung. Angeblich werden keine persönlichen Daten an die Werbepartner übermittelt. Auch Handynummer, Emailadresse und Anschrift nicht - der Versand der Werbenachrichten geschieht komplett über netzclub und nicht direkt von den Werbetreibenden aus.
Ich selbst bin noch kein Kunde bei netzclub, überlege
aber, mich in nächster Zeit mal probeweise zu
registrieren. Sollte ich dann besonders positive oder
negative Erfahrungen mit diesem Konzept machen, werde
ich auf jeden Fall Bericht erstatten.
Als der netzclub vor einem Jahr gestartet wurde, stand
eine PR-Mitarbeiterin interessierten Kunden in einigen
Internetforen Antwort. In den Threads von damals findet
man Antworten auf viele Fragen [5][6]. Viele
Erfahrungsberichte finden sich in den Kommentaren zu
einem Blogeintrag bei parkrocker.com [7].
Es ist schon seit
geraumer Zeit ein höchst brisantes Thema: Facebook und
sein Gründer Mark Zuckerberg. Man kann aber auch nicht
leugnen, dass sich in diesem Zusammenhang ständig
Dinge ereignen, die entweder so noch gar nicht
vorgekommen sind oder zumindest sehr kurios wirken.
Man beachte bereits den Film "The Social Network", wo
Mark Zuckerberg wirklich nicht gut wegkommt. Bereits
vorher hieß es, aus Chatprotokollen sei
rekonstruierbar, der Facebook-Gründer habe einst
Harvard-Studenten, die ihm unter anderem ihre
Kontaktdaten anvertraut hatten, als "dumb fucks" (etwa
"Vollidioten") bezeichnet [1]. Darüber hinaus hat er
in einem Interview im Januar 2010 angedeutet, die
Bereitschaft seitens der Internetbenutzer, immer mehr
persönliche Daten ins Internet zu stellen, mache
deutlich, dass Privatsphäre bereits heute ein
überholtes Konzept ist [2]. Dabei berief er sich
auf "soziale Normen", die sich nun mal über die Jahre
änderten; Facebook passe sich lediglich daran an.
An anderer Stelle scheint er sich dann doch wieder
nicht allzu sicher zu sein, wie sensibel er mit den ihm
anvertrauten Nutzerdaten umgehen muss. Er berichtete
Ende November, er mache "so viele Fehler" - Bedauern
darüber äußerte er nicht, er beteuerte aber, er gebe
sein Bestes [3].
Eines ist sicher: So einfach, wie Zuckerberg die
"sozialen Normen" zu durchschauen scheint, ist es
nicht. Es gibt unzählige Hinweise darauf, dass ein
allgemeiner Konsens über Privatsphäre und Datenschutz
einfach nicht besteht: Unzählige Webseiten,
Organisationen, Internetvideos und Aktionen rufen dazu
auf, Facebook-, Twitter- und andere Web-2.0-Accounts zu
löschen (z.B. [4]). Außerdem ist
auffällig, wie wenig wohlwollend die Presselandschaft
über Facebooks Umgang mit Benutzerdaten ausfällt.
Nicht nur Golem, Gulli oder heise, sondern auch
Printmedien wie Die Zeit, die FAZ und andere große
Presseorgane legen regelmäßig einen sehr kritischen
Ton an den Tag, wenn sie von Facebook berichten. Es ist
absurd, anzunehmen, sie würden damit "nur" ihre eigene
Meinung darstellen. Es wäre schließlich fatal für
die Leserquote, wenn an dieser Stelle wirklich
eklatante Meinungsverschiedenheiten bestehen
würden.
Außerdem muss man gestehen, dass sich die unzähligen
Möglichkeiten, die das Internet bietet, anonym und
unverbindlich Informationen auszutauschen, nach wie vor
großer Beliebtheit erfreuen. Prominentes Beispiel
dafür ist die Webseite 4chan, über die kürzlich ein
interessanter Artikel in der amerikanischen Zeitschrift
Technology Review erschienen ist [5].
Wer einräumt, Facebook beruhe nun mal auf dem Prinzip
der Preisgabe persönlicher Daten - es stehe im
Übrigen sogar jedem frei, welche Daten er im Einzelnen
preisgibt -, der hat nicht ganz Unrecht.
Damit ist es aber nicht getan. Ich halte es für sehr
sinnvoll, dass der Rechtsstaat es nicht völlig der
Verantwortung jedes Individuums überlässt, auf seine
Privatsphäre und seine persönlichen Daten
aufzupassen. In der deutschen Rechtssprechung
jedenfalls wird das glücklicherweise so gehandhabt.
Die unzähligen Werbeanrufe, -briefe und -emails, mit
denen man andernfalls zu kämpfen hätte, wären nur
das augenscheinlich unangenehmste. Dazu kommen all die
persönlichen Informationen, die auf irgendwelchen
Servern womöglich ungeschützt herumliegen würden.
Aus Browserverläufen, Nachrichtenprotokollen und
ähnlichen Datensammlungen ließen sich peinliche
Informationen über Erkrankungen, sexuelle Vorlieben,
exzesshafte Partyerlebnisse, politische Ansichten oder
auch nur kleine Lästereien und unvorsichtige
Äußerungen an die Öffentlichkeit bringen.
Wenn der Schutz der Privatsphäre und der persönlichen
Daten wirklich dem einzelnen Individuum überlassen
wäre, könnte diese Katastrophe sicher nur durch einen
unangenehm vorsichtigen und sicherlich die Freiheit
unnötigerweise einschränkenden Lebensstil verhindert
werden.
Um dieses Szenario zu verhindern, gibt es also
verbindliche rechtliche Grenzen, was die Speicherung
und Verwendung von Kundendaten und generell von fremden
Daten angeht. Dazu gehört eben auch, dass ein Kunde
bei der Anmeldung mit seinen persönlichen Daten im
Vorfeld darüber informiert werden muss, was mit seinen
Daten geschieht. Und danach gibt es auch eine
rechtliche Verpflichtung, diese Vereinbarung
einzuhalten. Außerdem besteht Auskunftpflicht
gegenüber dem Kunden, welche Daten genau über ihn
aufgezeichnet worden sind.
Wer genauere Informationen darüber einholen will,
sollte die Stichworte "Bundesdatenschutzgesetz" (BDSG),
"Telemediengesetz" und "Recht auf informationelle
Selbstbestimmung" in Erinnerung behalten.
Im weiteren Sinne gehören zum Komplex Privatsphäre
und Datenschutz übrigens zum Beispiel auch die
Einschränkungen bezüglich der Anfertigung und
Veröffentlichung von Bild- und Tonmaterial. Ein
Anrufer darf ein Telefongespräch mit mir nicht
aufzeichnen, wenn ich dem nicht ausdrücklich im
Vorfeld zugestimmt habe. Niemand darf ohne meine
Zustimmung eine Fotografie veröffentlichen, auf der
ich erkenntlich abgebildet bin.
Dass es in Deutschland und in vielen anderen Ländern
diese rechtlichen Vereinbarungen gibt, sollte aus
diesen meiner Meinung nach einleuchtenden Gründen
jeder zu schätzen wissen. Datenschutz und
Privatsphäre sind hohe Güter und auch Facebook darf
diese Werte nicht auslegen, wie es gerade passt.
Deswegen wurde Facebook übrigens kürzlich von
deutschen Datenschützern verklagt [6].
Das Argument, jeder könne ja selbst entscheiden, ob er
seine Daten bei Facebook preisgeben möchte oder nicht,
ist vor allem deswegen nur mit Vorsicht zu genießen,
weil viele Menschen einfach nicht einschätzen können,
was alles mit ihren Daten passieren kann und welche
Einwilligungen es im Detail sind, die sie bei der
Nutzung der unterschiedlichen Dienste von Facebook
abgeben. Dass die Nutzer von Facebook jede beliebig
komplizierte "privacy policy" durchschauen, kann nicht
von ihnen verlangt werden. Und deswegen muss man auch
Facebook einen - nicht unwesentlichen, doch wenigstens
den rechtlich verbindlichen - Teil der Verantwortung
zuschieben, wenn es um die Wahrung von Privatsphäre
und Datenschutz geht.
Privatsphäre und Datenschutz sind also durchaus nicht
vom Aussterben bedroht. Ich behaupte sogar, dass sie
nie so groß im Kommen waren wie heute. Denn in welchem
Zeitalter wurde so viel um Privatsphäre und
Datenschutz gekämpft wie heute?
Dass im Zusammenhang mit Facebook auch immer wieder von
Offenheit die Rede ist - also von jenem Begriff, dem
ich vor wenigen Tagen erst einen Artikel widmete [7] -,
ändert nichts an der Tatsache, dass Facebook wichtige
gesellschaftliche und ethische Werte gewaltsam
einzustampfen droht. Dieser Entwicklung kann und darf
man nicht gleichgültig zuschauen. Und zum Glück tut
sich auch etwas auf diesem Gebiet. Aber leider stehen
auf der anderen Seite weiterhin viele Menschen dem
Kampf um Privatsphäre und Datenschutz mit
Unverständnis gegenüber. Das ist ein gefährlicher
Trend, zu dessen Eindämmung dieser Artikel hoffentlich
einen Beitrag leisten konnte.
02.12.2010 22:40 - Tags: Meinungen Verbraucher Recht Gesellschaft Computer Internet Multimedia
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