Mein Interesse für
unsere Nachbarn aus dem Norden und ihre Sprache, hatte
ich bereits in einem früheren Artikel geäußert [1].
Seitdem ist ein Jahr vergangen und weder beherrsche ich
die dänische Sprache, noch hat sich eine Gelegenheit
für einen Besuch Dänemarks ergeben. Mein Interesse
hat aber kaum abgenommen.
Jetzt besitze ich ja seit kurzem ein Android-Handy und,
wie ich gestern Abend durch den App-Market stöberte,
stieß ich auf die spottbillige App LingoPal Dänisch
[2]: Ein
sprechender Sprachführer "mit Stil".
Für einen Euro bietet diese App auch nicht viel mehr,
als man für das Geld erwarten würde. Aber immerhin
sind die wichtigsten Redewendungen aus den Kategorien
Konversation/Smalltalk, Flirten, Beschimpfung,
Auskunft/Wegbeschreibung, Reisen, Tage/Uhrzeit und den
anderen Themengebieten, die einen Kurzurlauber
interessieren könnten, enthalten.
Zum Flirten hält die App dabei so nützliche Wendungen
bereit wie "Ich bin Delphintrainer" oder "Ich mag
Hunde, lange Spaziergänge am Strand und französische
Gedichte im Mondlicht lesen". Wenn da mal nicht jedes
dänische "piger" (Mädchen) dahinschmilzt.
Besonders interessant ist, dass Dänen "Hvor gammel er
du?" fragen, wenn sie an dem Alter ihres Gegenüber
interessiert sind. Dass der dänische Begriff für alt
("gammel") mit den deutschen Begriffen "gammelig" oder
"gammeln" zusammenhängen könnte, wirkt eher wie ein
schlechter Witz. Ein Blick in das deutsche Wörterbuch
von WAHRIG lokalisiert diese Begriffe aber tatsächlich
auf Norddeutschland und bei dem Eintrag zu "gammeln"
steht sogar tatsächlich "vielleicht zu dän. gamle".
Dass die Dänen sich gegenseitig fragen, wie gammelig
sie sind, wenn es ums Alter geht, ist schon eine
höchst brisante Annahme. Besonders abwegig ist das
allerdings nicht, wenn man bedenkt, wie nah die
skandinavischen Sprachen sonst dem (Nord-)Deutschen
sind. Ein bisschen verunsichert und auch enttäuscht
wurde ich zuletzt dann doch nach einem Blick ins
Grimmsche Wörterbuch [3]. Hier konzentriert sich
die Analyse des Begriffs auf die Formen "Gammel" und
"gämeln", denen allerdings ganz andere Bedeutungen
zukommen, als man anhand der heutigen Verwendungen von
"gammeln" oder "gammelig" vermuten würde.
Zwar redet das Grimmsche Wörterbuch auch von
fränkischen Wurzeln dieser Begrifflichkeiten. Die
stark abweichenden Bedeutungen lassen aber vermuten,
dass sich derselbe Begriff zu unterschiedlichen Zeiten
in unterschiedlichen Regionen mit verschiedenen
Bedeutungen gebildet haben könnten. Zuletzt sind wir
also kaum schlauer als vorher - auf alle Fälle im
Gedächtnis wird aber die eher wie eine Beleidigung
klingende Frage bleiben: "Hvor gammel er du?".
Wer sich schon immer
gefragt hat, warum man beim partiellen Ableiten nicht
das normale "d", sondern so ein komisches griechisches
δ (delta) verwendet, dem kann ich jetzt sagen: Er hat
sich einfach die falsche Frage gestellt. Was da
verwendet wird, ist zwar auch ein "De", also ein
stimmhafter alveolarer Plosiv, wie die Linguisten so
schön sagen, aber das Zeichen stammt aus der
kyrillischen Schrift.
So machen das die Physiker und Mathematiker also: Wenn
sie gerne einen bestimmten Buchstaben für eine
Variable setzen würden, dieser aber schon vergeben
ist, nehmen sie einfach das phonetische Äquivalent aus
einer anderen Schrift.
Tolle Idee, in diesem Fall hatte man aber das Problem,
dass die kyrillische Schrift keiner kennt. Hätte man
also das "wirkliche" kyrillische д ("De") genommen,
hätte es sich nicht durchgesetzt. Stattdessen nahm man
dann den so genannten kursiven Schnitt dieses Zeichen,
das dann im Grunde so aussieht wie ein griechisches
Delta, aber keines ist:
.
Noch ein "De" haben wir anscheinend beim so genannten
Gradienten. Wie wir eben schon gemerkt haben, gibt es
in der Mathematik wohl offenbar einen großen Bedarf an
diesen "De"s. Als man also aus irgendwelchen Gründen
auch den Gradienten wieder mit so einem "De" bezeichnen
wollte, fehlten die Schriftzeichen und man war
gezwungen, sich etwas neues auszudenken. Weil
Mathematiker im Allgemeinen souveränen Umgang mit
Problemen jeglicher Art vorweisen, war die Lösung
schnell gefunden: Man nahm einfach das große
Griechische Delta und drehte es um: 
Irgendjemand hat dann auch gemerkt, dass es langsam ein
bisschen konfus wird, wenn man über diese Dinge
sprechen will. Denn eine Formel, in der einige
Versionen dieses "De"s vorkommt, ist mündlich
praktisch nicht mehr übermittelbar. Der neue Operator
für den Gradienten sollte also einen neuen Namen
bekommen und tatsächlich kam man nach einiger
Meditation über dieses Symbol zu dem Schluss, es sähe
doch eigentlich einer Harfe recht ähnlich (Fantasie
haben diese Mathematiker ja schon...). Und weil "Harfe"
in einer modernen Sprache nicht international und
wissenschaftlich genug wäre, übersetzte man es
einfach ins Griechische: Nabla. Günstigerweise klingt
das Wort im Lateinischen und Hebräischen auch noch
sehr ähnlich.
Um den Artikel ein bisschen abzurunden, gibt es jetzt noch ein paar an den Alveolaren gebildete, stimmhafte Plosive. Viel Spaß damit!
d,δ,د,D,ד,д,Δ,Д
dreißig jahre ging der krieg,
der zwist von kathol und protestant.
er trug sich zu auf feld und land,
fraglich blieb: wer trug den sieg?
spannend war's gerade nicht.
heil'ges römisches reich, ja, das
der deutschen nation. wer, was?
nachfahren von karl dem wicht.
sie kämpften um die dynastie
um kirche, staat und monarchie
verlierer war die zivili-
sation, nicht dabei demokratie
erst war da böhmen und die pfalz,
die niedersachsen und die dänen,
es floßen schwedische tränen,
dem franzmann ging es an den hals
in hamburg gab's Prälimina-
rien und sechzehnhundertein
und vierzig gab es wein
in äußerst großen volumina
warum? der krieg der war
vorbei. westfälisch sollt
der frieden sein. es grollt
kein kathol dem protestar.
(verfasst von S. und T. in der inspirierenden Muße einer Geschichtsstunde bei Herrn K. Das Gedicht hat weder historischen, noch sprachlichen oder inhaltlichen Anspruch auf Richtigkeit und Qualität.)
Für wenige Stunden nannte ich vor Kurzem den Cowon D2+ mein eigen [1]. Dieser MP3/MP4-Player besitzt neben den üblichen Wiedergabefunktionen auch ein extrem einfaches Malprogramm, das vermutlich zum Verfassen von Notizen gedacht ist.
Als ich als Beifahrer auf einer Autofahrt den D2+ in
Händen hielt, dachte ich, ich probiere mal aus, was
dabei herauskommt, wenn ich den kleinen mitgelieferten
Stylus (Plastikstift) auf die Maloberfläche dieser
Applikation setze und meine Handbewegungen durch die
Autofahrt lenken lasse. Damit ich aber nicht die ganze
Zeit auf den gleich 10x10 Pixeln herummale, setzte ich
auf der linken Seite des Bildschirmes auf und übte
einen sehr langsamen Zug in Richtung rechts aus.
Nachdem ich diese Prozedur weitere zwei Mal mit anderen
Farben durchgeführt hatte, kam das folgende Ergebnis
heraus. Wunderbare Kunst, nicht wahr?

[1] tovotu.de/archiv/403-Sch...Player-mit-unschnen-Krcken
Was ist das denn für eine abgefahrene Idee?
Neutsch: Sei begroßen im Forum der GSV. Hier darf nach Herzenslust publizoren, proklamoren, geloben, kritisoren, gefolsen und diskutoren werden. Unsere Empfahl ist eine Regirst, damit die Natz aller Funkte lustgewohren ist. Wir fröhen uns aber auch, wenn du einfach so püstest.
(aus dem Forum der GSV)
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