Schwimmen zählt schon
seit vielen Jahren zu meinen Hobbys und ist die einzige
Sportart, die ich je über einen längeren Zeitraum
regelmäßig betrieben habe. Daran wird sich auch in
absehbarer Zeit nichts ändern: Schwimmen ist gesund
und erfrischend. Lediglich ein Schwimmbad ist nicht
überall und jederzeit zur Hand und man wird nicht
leugnen können, dass man nicht immer in der Stimmung
ist, bis zu zwei Stunden alleine seine eintönigen
Bahnen zu ziehen. Für die Motivation gelangweilter
Schwimmer führt Speedo, der australische Hersteller
für Schwimmartikel aller Art, seit einiger Zeit einen
wasserdichten MP3-Player, den "Speedo Aquabeat".
Nachdem ich schon seit über einem Jahr immer mal wieder nach diesen Geräten geschielt hatte, kaufte ich mir in einer Spontanaktion vor wenigen Wochen den Aquabeat mit 1GB Speicher [1]. Bei identischer Ausstattung hatte ich die Wahl zwischen grün, pink und schwarz. Wer mit einem MP3-Player schwimmt, wird den ein oder anderen neugierigen Blick nicht verhindern können. Diesem Umstand wollte ich nicht auch noch mit knalligen Signalfarben zuträglich sein und entschied mich für das dezente Schwarz.
Das kleine Gerät macht einen äußerst robusten Eindruck. Dabei ist es sehr leicht, kann aber mit einer gummierten, widerstandsfähigen Oberfläche überzeugen. Das Problem eines störenden Ohrhörerkabels hat man intelligent gelöst: Wie das Kabel an klassischen Telefonhörern ist das Kabel verdrillt und dadurch zugleich platzsparend und bei Bedarf ausreichend dehnbar. Die Erfahrung des Youtube-Nutzers [2], dem die Gummiaufsätze der Ohrhörer im Gehörkanal stecken blieben, teile ich nicht. Bei Bedarf lassen sich die Gummiaufsätze tatsächlich ohne Mühe entfernen (und gegen die mitgelieferten in drei unterschiedlichen Größen austauschen). Die Gefahr, dass sich diese im Ohr lösen, halte ich dennoch für gering.
Die wenigen Tasten
erlauben nicht die Organisation größerer
Musiksammlungen. In der Regel hat man im Wasser sowieso
Besseres zu tun und beschränkt sich hauptsächlich auf
die Lautstärkeregelung, was dank der haptischen
Tastenoberfläche auch wunderbar blind funktioniert,
wenn der Aquabeat an der Schwimmbrille am Hinterkopf
befestigt ist. Die Musiktitel werden über das
mitgelieferte USB-Kabel vom Computer übertragen, auf
dem sich der Aquabeat (auch unter Linux, getestet mit
Fedora 15 und 16) als herkömmlicher Massenspeicher zu
erkennen gibt. Die Titel werden anschließend in der
Reihenfolge abgespielt, in der man sie rübergeladen
hat. Diese Reihenfolge lässt sich nachträglich mit
der mitgelieferten Software verändern. Alternativ kann
man die Software verwenden, die ich in meinem Artikel
zu diesem Thema empfohlen habe [3].
Wie man den Aquabeat an einer Schwimmbrille befestigt und die Ohrhörer anzieht, beschreibt eine YouTube-Nutzerin recht ausführlich [4]. Dem ist allerdings hinzuzufügen, dass die Ohrbügel nicht jedermanns Sache sind. Ich habe sie kurzer Hand entfernt. Wie das dann aussieht, kann man auf meinem zugehörigen Fotoalbum auf Picasaweb beäugen [5].
Hat man sich erstmal bewusst je nach Größe der Ohren für oder gegen die Ohrbügel entschieden, ist der Tragekomfort erstaunlich gut. Eigene Erfahrungen konnte ich zwar nur mit Badekappe machen, weil in dem Schwimmbad, in dem ich trainiere, Badekappenpflicht besteht. Ich habe aber ohnehin das Gefühl, dass die Badekappe den Sitz der Ohrhörer sogar verbessert und effektiv dazu beiträgt, dass kein Wasser in den Gehörgang gerät. Nach spätestens 45 Minuten wird es in der Regel trotzdem vorkommen, dass ein Ohrhörer verrutscht und neu eingesetzt werden muss - ein kaum störender Umstand. Lästiger ist die Tatsache, dass die Ohrhörer, die recht tief im Gehörgang stecken, ziemlich zu drücken beginnen, nachdem man 40-50 Minuten mit ihnen geschwommen ist.
Obwohl Speedo seine Aquabeat-Reihe in Zusammenarbeit mit iRiver, dem Spezialisten für portable Musikspieler, entworfen hat, sollte man von der Tonqualität keine Wunder erwarten. Zum einen stellt das Verschließen gegen eindringendes Wasser begreiflicherweise eine Einschränkung für die Technik der Kopfhörer dar. Zum anderen ist ja ständig das je nach Schwimmart mehr oder weniger dezente Rauschen des Wassers zu hören. Von satten Bässen kann man unter diesen Umständen nur Träumen. Wem Musik so keinen Spaß macht, kann immer noch dem ein oder anderen Hörbuch/Hörspiel lauschen: Eine Folge der "Drei Fragezeichen" beispielsweise passt wunderbar in eine ausgewogene Trainingseinheit.
Für ein paar Euro mehr
bekommt man das Nachfolgemodell mit Namen "Speedo LZR
Racer Aquabeat", das mit einem leicht überholten
Design, neuen Kopfhörern und 2GB Speicher auftrumpft.
[6] Der
Aufpreis ist zwar nur gering, aber es steht in Frage,
ob man wirklich 2GB Speicher braucht, wenn man seine
Titel sowieso ohne Display verwalten muss, von
besonders hoher Aufnahmequalität wenig profitiert und
in der Regel nicht länger als zwei Stunden am Stück
hört. Das Design ist Geschmacksache. Bleiben die
Ohrhörer: Hier scheint das Kabel in die Ohrbügel
integriert worden zu sein. Diese Kabelführung könnte
Kabelbrüche zwar effektiv verhindern. Ob die Ohrbügel
aber unter diesen Umständen noch abnehmbar sind, ist
fraglich.
Ein Hinweis darauf, dass das überarbeitete Kopfhörer-Design des 2GB-Modells sich nicht bewähren konnte, ist, dass es inzwischen den "Aquabeat 2.0" gibt, der wieder mit den alten Kopfhörern ausgestattet wurde. Er versucht mit einem rundum erneuerten Design, 4GB Speicher und einem Display zu überzeugen und bewegt sich preislich noch moderate 20-30 Prozent über seinen Vorgängern.
Doch es gibt auch Alternativen zu Speedo. Deutlich günstigere wasserdichte Musikspieler kommen aus dem weitgehend unbekannten Hause Lavod [7]. Modelle mit Nackenbügel findet man auch, wenn man die Suche auf den internationalen Markt ausweitet. Für Schwimmer, die bereits einen herkömmlichen Musikspieler besitzen, werden auf waterproofmusic.com [8] passende wasserdichte Hüllen und Ohrhörer vertrieben. Und zuletzt gibt es das bemerkenswerte Konzept des etwas teureren "Finis SwiMP3" [9], bei dem der Ton nicht über herkömmliche Ohrhörer ans Trommelfell gelangt. Stattdessen werden die Schallwellen direkt über die Knochen geleitet (so genannter Knochenschall).
Mancheiner mag einen Musikspieler beim Schwimmen als Spielerei bezeichnen und das wird man nur schwerlich bestreiten können. Doch Potenzial, die Motivation für regelmäßiges Schwimmtraining zu erhöhen, hat so ein Spielzeug allemal. Eine gewisse Skepsis gegen dieses Gerät ist allerdings gesund: Ein Schwimmtraining ohne Trainer und Begleitung hat schließlich immer auch etwas Meditatives, das ein Stück weit zwar von der richtigen Musik unterstützt werden kann, in der Regel aber nicht unerheblichen Schaden nimmt. Das einsame Bahnenziehen bietet eine in der heutigen Zeit seltene Gelegenheit, mental zur Ruhe zu kommen, zu sich selbst zu finden. Auch wenn der wasserdichte MP3-Player also eine tolle Unterhaltung bietet, sollte man ihn vielleicht dennoch von Zeit zu Zeit auch mal am Beckenrand liegen lassen.
Als die 22jährige
australische Schwimmerin Susie Maroney am 12. Mai 1997
am Strand von Key West, Florida, aus dem Wasser stieg,
bot sie einen Mitleid erregenden Anblick: Ihr Körper
war sonnenverbrannt, zahlreiche Ausschläge zeugten von
schmerzhaften Bekanntschaften mit den Quallen der
Karibik und salziges Wasser hatte ihre Zunge
anschwellen lassen.
Trotzdem sagte sie im Interview mit den Reportern, die
schon an Land auf sie gewartet hatten, es sei das beste
Gefühl der Welt gewesen, endlich den Sand des
Festlands zu spüren - kein Wunder: Susie Maroney hatte
einen unvergleichlichen Schwimmmarathon hinter sich. Am
Mittag des Vortags hatte sie die kubanische Hauptstadt
Havanna verlassen und schwimmend das offene Meer
angesteuert. [1][2]
Die 180 Kilometer zwischen Kuba und Key West, Florida,
schwimmend und ohne Flossen zurückzulegen war vor
Susie Maroney keinem Menschen gelungen. Sehr beachtlich
ist dabei aber auch, in welcher Zeit die Australierin
diese gigantische Strecke hinter sich brachte: nämlich
in schlappen 24.5 Stunden. Daraus ergibt sich eine
Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp über 2 Metern
pro Sekunde.
Das heißt, dass sie eine Strecke von 100 Metern in
durchschnittlich 49 Sekunden zurücklegte. Wer mit
Schwimmsport wenig am Hut hat, wird diese Zahl kaum
deuten können. Aber Wikipedia enthüllt, dass Britta
Steffen, die momentane Weltrekordhalterin der Frauen
auf 100 Meter Freistil, die gleiche Strecke in 52
Sekunden sprintet.
Dass Susie Maroney die weltbeste Sprinterin selbst im
24h-Dauerschwimmen dermaßen auf der Strecke lässt,
verdankt sie natürlich äußerst günstigen äußeren
Bedingungen: Neben dem höheren Auftrieb in Salzwasser
profitierte sie sicherlich von Meeresströmungen.
Eine Recherche im Internet verrät, dass gewöhnliche
Strömungen (etwa der Golfstrom [3]) locker stellenweise
auf Geschwindigkeiten von über einem Meter pro Sekunde
kommen können. Nimmt man an, dass die Schwimmerin ohne
diese Unterstützung etwa 80 Sekunden pro 100 Meter
benötigt hätte, so wird man die Geschwindigkeit der
Strömung auf immerhin 0.8 Meter pro Sekunde
schätzen.
Susie Maroney, die inzwischen auch die noch längere Strecke zwischen Mexiko und Kuba schwimmend bewältigt hat, verdankt so fast vierzig Prozent ihrer Geschwindigkeit den Strömungen. Dass sie sich aber ansonsten nicht auf die Unterstützung Poseidons verlassen wollte, geht daraus hervor, dass sie nicht ohne den Schutz eines 9 mal 2.5 Meter großen Stahlkäfigs schwamm. Nur so konnte sie sicher gehen, dass sie keinem karibischen Hai in die Fänge geriet.
Da ich nun schon seit
über einer Woche in Bonn wohnhaft bin, kühlen die
organisatorischen Notwendigkeiten gerade
glücklicherweise ein wenig ab. Die entscheidenden
Einrichtungsgegenstände haben ihren Platz in meinem
guten Dutzend Quadratmetern eingenommen, für das
kommende Wintersemester bin ich als Student an der
Universität eingeschrieben, die nächsten
Supermärkte, Banken, Briefkästen und Postfilialen
sind mir bekannt und auch das lokale Bürgeramt kennt
meinen neuen Hauptwohnsitz schon seit einigen
Tagen.
Zur Begrüßung als neuer Einwohner der Bundesstadt Bonn spendierte mir das Bürgeramt ein großzügiges Bündel Gutscheine für viele kulturelle Einrichtungen in und um Bonn. Im nächsten Jahr darf ich damit je eine Veranstaltung in den allermeisten Theatern und sonstigen Veranstaltungsräumen besuchen: Jazz- und Klassikkonzerte, Theateraufführungen, Kabarett- und Comedyabende. Dazu kommen einmalige freie Eintritte in die Museen Bonns - von der Kunsthalle über das Beethovenhaus bis zum Stadtmuseum. Auch Stadtführungen, Fahrten auf einigen Rheinfähren und andere ausgewählte Attraktionen sind enthalten.
Noch am Tage meiner Meldung fand ich Verwendung für
den ersten Gutschein, als ich dem Frankenbad einen
Besuch abstattete. Dieses städtische Schwimmbad nahe
der Innenstadt hätte mich ohne den Gutschein 3 Euro
Eintritt gekostet - Studententarife gibt es nicht.
Leider stellte sich dieses Schwimmbad als Enttäuschung
heraus. Die gesamte Anlage machte einen
heruntergekommenen und bisweilen dreckigen Eindruck:
Vielen Umkleidekabinen fehlte eine Tür, in den meisten
Teilen des Schwimmbads - eingeschlossen die
Umkleidekabinen, Duschen und selbst die Schwimmhalle -
herrschte eine düstere, unangenehme Atmosphäre,
bedingt durch schlechte Beleuchtung und unvorteilhafte,
bisweilen heruntergekommene, Inneneinrichtung.
Hier regelmäßig meine Bahnen zu ziehen, hätte ich
mir aber auch aus anderen Gründen nicht vorstellen
können: Das Wasser im Schwimmerbecken war sehr unruhig
und die sonst üblichen Orientierungshilfen in Form von
Fähnchenleinen an den Enden der Bahnen fehlten
komplett. Außerdem war die extrem hohe Decke nicht
gerade zur Orientierung beim Rückenschwimmen
geeignet.
Da ich den Schwimmsport dennoch weiterhin betreiben wollte, informierte ich mich über alternative Einrichtungen in Bonn. Dabei stieß ich natürlich unvermeidlich auf den traditionsreichen, erfolgreichen und wirklich riesigen Schwimmclub SSF, Schwimm- und Sportfreunde Bonn. Dieser Verein hat praktisch einen ganzen "Sportpark" im Norden Bonns für sich. Vereinsmitglieder dürfen das dortige Hallenbad kostenfrei benutzen. Und es handelt sich wirklich um ein vorzügliches Schwimmbad, das einen außerordentlich gepflegten Eindruck macht (es herrscht Badekappenpflicht) und mit unglaublichen acht 50-Meter-Bahnen aufwartet. Sobald ich im Oktober meinen Studentenausweis in Händen halte und also kostenlos den Bus werde nehmen könnne, habe ich vor, dem Verein zum günstigen Studententarif beizutreten.
Was mir die übrigen Gutscheine für Erfahrungen in den kulturellen Einrichtungen Bonns bescheren, werdet ihr auch in Zukunft in dieser Serie erfahren.
Am letzten Wochenende
fand das alljährliche CdE-Gesamttreffen namens
AkadeMai in Kirchheim bei Bad Hersfeld statt. Ich
verbrachte dort zusammen mit über 400 anderen Menschen
drei unterhaltsame, lehrreiche und entspannte Tage und
Nächte.
Es wurden wie jedes Jahr unzählige spannende Kurse
angeboten und wie jedes Jahr musste ich mich auf ein
Thema festlegen. Die Wahl zwischen Philosophischem,
Sprachlichem, Praktischem, Sportlichem, Lustigem und
Naturwissenschaftlichem fiel natürlich schwer, aber am
Ende gewann der Kurs "Schlösser öffnen ohne passenden
Schlüssel" für mich das Rennen und man wies mir sogar
tatsächlich einen Platz zu - im Gegensatz zu vielen
anderen. Denn der Kurs hatte deutlich mehr
Interessenten angelockt, als Plätze verfügbar
waren.
Nun ist natürlich das Öffnen eines Schlosses ohne
Schlüssel vorrangig aus Filmen und Büchern bekannt.
Da gibt es sowohl in Krimis als auch in Fantasy-Romanen
häufig fingerfertige Superhelden, die mit einem
kleinen Stück Draht wie von Zauberhand jedes Schloss
öffnen können. (Es sei bereits an dieser Stelle
bemerkt, dass das Wort "knacken" unpassend wäre, weil
es eine Zerstörung des Schlosses nicht
ausschließt.)
Das wichtigste, was ich an dieser Akademie
wahrscheinlich gelernt habe, ist, dass solche
Vorstellungen stark verklärt und weit von der
Realität entfernt sind. Erst nach monatelangem
regelmäßigen Üben ist damit zu rechnen, dass man ein
durchschnittlich gutes Schloss in weniger als einer
Minute öffnen kann - allerdings nicht mit einem
beliebigen Stück Draht, sondern mit geeignetem
"Lockpicking"-Werkzeug.
Da ist der Name dieser Kunst also schon gefallen: Lockpicking. Darunter versteht man das zerstörungsfreie Öffnen eines Schlosses beliebiger Bauart ohne Schlüssel unter Verwendung speziell dafür vorgesehener Werkzeuge. Dieses Werkzeug besteht meist aus einem so genannten Spanner (in dem Artikelbild dunkelblau) und einem Pick. Beide können je nach Bauart des Schlosses die unterschiedlichsten Formen annehmen. Schon ein "Starterset" enthält zehn verschiedene Picks und vier Spanner [1].
Mithilfe dieses Werkzeugs lässt sich ein immens
großer Teil der weltweit verwendeten Schlösser
öffnen - mal abgesehen von den meisten elektronischen
Schlössern, für die es andere Methoden gibt. Wer
glaubt, ein Lockpicker scheitere an einem
Zahlenschloss, der irrt. Für solche Exemplare bedarf
es nicht mal des genannten Werkzeugs - die bekommt ein
geübter Lockpicker per Hand auf!
Doch - wie anfangs erwähnt - jedes Schloss braucht
seine Zeit: Und so kam man auf die Idee, aus dem
Lockpicking eine Sportart zu machen. Die Sportsfreunde
der Sperrtechnik Deutschland e.V. (SSDeV) bilden den
weltweit ersten Verein zu dem Thema und veranstalten
auch jährlich Meisterschaften im Schlösseröffnen in
mehreren Disziplinen.
Wie funktioniert das denn nun eigentlich mit dem Lockpicking?
Dafür gibt es keine Antwort in zwei Sätzen,
da muss man viel zu viel erklären.
Das wär ja wirklich auch zu blöde,
wenn solche Sachen simpel wären.
Auch wenn es offensichtlich aus dem Kontext gerissen
ist, passt dieses Zitat der Toten Hosen hier sehr gut.
Denn in der Tat wäre es sehr blöde, wenn solche
Sachen simpel wären. Und deswegen steckt hinter der
Sportart Lockpicking eine Menge Theorie, die man zum
Beispiel in Ted the Tools "Guide to Lock Picking"
nachlesen kann [2].
Neben aller Theorie gehört dazu natürlich auch
richtig viel Übung beziehungsweise Training. Und wer
diese Fertigkeit mit kriminellen Absichten erlernen
möchte, dem rate ich von Anfang an ab: Dafür ist
diese Sportart schlichtweg nicht geeignet. Die meisten
Türen, Fenster und Behältnisse bekommt man auf
anderem Wege schneller auf - nur eben nicht so
elegant.
Die Sportfreunde der Sperrtechnik haben darüber hinaus eine höchst ehrbare Sportordnung formuliert, die die kriminelle Nutzung der im Zuge dieses Sportes erlernten Fähigkeiten ausschließt [3] - so ist es ja auch bei Kampfsportarten oder beim professionellen Computerhacking.
[1] ssdev.org/SSDeV/shop_ext.php
[2] lysator.liu.se/mit-guide/mit-guide.html
lockpicking.org/lockpicking/MIT_D
(deutsche Übersetzung)
[3] lockpicking.org/SSDeV/sportord.php
Ich finde es sehr wichtig, dass man darüber aufgeklärt wird, dass Bewegung, Fitness und so weiter zu einer gesunden Lebensführung gehören. Im schulischen Sportunterricht erfährt man immerhin, auf welche Weisen man das erreichen kann, indem man viele verschiedene Sportarten kennen lernt.
Sportunterricht ohne Benotung würde eventuell zu einer Demotivation der Schüler führen, sodass der Sportunterricht seine didaktische Funktion nicht erfüllen könnte. Aber so, wie die Benotung momentan gehandhabt wird, kann es nicht bleiben. Und nicht nur das Benotungssystem ist falsch, sondern auch die Lehrpläne sind einseitig und nicht zweckmäßig.
Fleiß lohnt sich in den allermeisten Fällen
nicht
Gehen wir an dieser Stelle ins Konkrete: In meinem
Sportkurs nehmen wir gerade Volleyball durch. Dieses
Thema konnte sich kein Schüler aussuchen und es ist
offensichtlich auch etwas, das man bereits in der
Mittelstufe - nicht weniger intensiv - behandelt.
Gestern bekamen wir Noten darauf, wie wir Volleyball
spielen. Das lief so ab, dass wir in Mannschaften
eingeteilt wurden und einfach mal ein paar Punkte
machten. Danach wurde jedem Schüler eine Zahl (eine
Note) zugeordnet, wie gut er gespielt hat.
Was macht jemand, der dabei sehr schlecht abschneiden
würde? Nimmt er Nachhilfe in Sport? Hat er überhaupt
die Möglichkeit, durch besonderen Fleiß seine
Leistung lohnend zu verbessern? Wohl kaum, wenn er
nicht gerade einem Volleyball-Club beitritt.
Lehrpläne legen unnötige Akzente auf bestimmte
Sportarten
Noch viel anschaulicher wird die Schieflage, wenn man die Tatsache betrachtet, dass wir jedes Jahr aufs Neue Leichtathletik thematisieren. Es gibt kaum Gründe, die diese Tradition rechtfertigen! Laufen - und nur das unter den leichtathletischen Disziplinen! - ist zwar die Sportart, die man mit dem geringsten Aufwand ausführen kann. Sie ist allerdings bei weitem nicht die gesündeste Sportart. Um meine Leistungen in Leichtathletik, die übrigens seit Jahren im knapp ausreichenden oder negativen Bereich liegen, zu verbessern, müsste ich sicherlich nicht wenig zu Hause trainieren. Das ist nicht vergleichbar mit Vokabeln lernen oder ähnlichem. Es sei nebenbei darauf hingewiesen, dass ich durch vieles Laufen Knieprobleme bekomme - nicht wenige Schüler haben ähnliche Probleme mit der Ausführung bestimmter Sportarten.
Nun könnte man entgegnen, dass ein regelmäßiges Lauftraining immerhin die Fitness fördert und daher nicht ganz unsinnig wäre. Ich schwimme jede Woche vier Stunden und habe nicht das Gefühl, dass meine Fitness der Förderung bedürfte. Warum kann ich also nicht aufs Laufen und die restliche Leichtathletik verzichten?
Sportunterricht kann auch anders aussehen
In der elften Klasse hatten wir eine jüngere Lehrerin in Sport und ich muss ehrlich sagen, dass ich hier zum ersten Mal das Gefühl hatte, dass mir Sportunterricht - wenigstens zum Teil - etwas bringt. Wir haben viele neue Sportarten kennengelernt: Schwimmen, Tauchen, Fahrradfahren, Muskelrelaxation nach Jakobsen, Yoga und weitere Entspannungsübungen. Außerdem einige Sachen, die mir im Moment entfallen sind. Ursprünglich standen auch Kampfsportarten auf dem Programm, das wurde dann aber leider wieder gestrichen.
Jedenfalls präsentierte sich uns hier ein wirklich weites Feld an außergewöhnlichen und unbekannten Sportarten. Die Notengebung fiel immerhin nicht durchweg so sinnlos aus, wie ich es vorhin angesprochen habe. Bei den Entspannungsarten etwa wurde nicht getestet, wie gut wir das können (Hier klingt "können" zwar absurd, aber im Grunde ist es in jeder Sportart nicht weniger absurd). - Nein, die Noten wurden vergeben, indem jeder in einem Referat eine bestimmte Art der Entspannung vorstellen musste. Diese Referate wiederum sollten interaktiv gestaltet sein: Die Zuhörer wurden nicht ausschließlich über Grundidee und historische Hintergründe der Disziplin informiert, sondern sie wurden jedesmal auch in die praktischen Grundlagen eingeführt - ähnlich, wie wenn man an einem Schnupperkurs oder einem Tag der offenen Tür eines Sportvereins teilnimmt. Ein so außergewöhnlich guter Sportunterricht stellt meiner Erfahrung nach jedoch die absolute Ausnahme dar.
Noten demotivieren unsportliche Menschen
Was mir zuletzt wirklich einer der größten Kritikpunkte am Bewertungssystem zu sein scheint, ist die Demotivation sportlich untalentierter Menschen. Da Sportunterricht nicht - wie Mathematik etwa - darauf ausgerichtet ist, dass die unterrichteten Inhalte in weiterführenden Studien- und Ausbildungsgängen als bereits vorhandenes Wissen abgerufen werden können, steht sicherlich im Vordergrund, dass die Schüler einen Zugang zum Sport und zur körperlichen Betätigung erhalten, der ihnen bei der Gestaltung ihrer freizeitlichen Lebensführung Orientierung zu sein vermag. Aber wenn ein sportlich untalentierter Mensch von Anfang an durch die Schule negative und frustrierende Erfahrungen mit Sport gemacht hat, dann wird ihn unter Umständen sein Leben lang eine Abneigung gegen sportliche Betätigungen verfolgen. Und gerade unsportliche Menschen, die zu Fettleibigkeit neigen mögen, haben doch eine Motivation im sportlichen Bereich bitter nötig. Ferner stellt für solche Menschen oft die Schule den einzigen richtigen Kontakt mit Sport dar. Ihr Meinungsbild zu Sport wird durch die Schule also grundlegend beeinflusst!
Es ist mir leider nicht möglich, in diesem Artikel die
Frage nach einem wirklich effizienten und sinnvollen
Sportunterricht befriedigend zu beantworten. Doch es
ist zunächst sicherlich eine Notwendigkeit, dass im
aktuellen Schulsystem ein Umdenken bezüglich Sport
stattfindet. Leider ist damit allerdings nicht zu
rechnen. Und das hängt ohne Zweifel damit zusammen,
dass Sport eben trotz des übertrieben
wichtigtuerischen Bewertungssystem gewöhnlich als
nebensächliches Schulfach wenig beachtet wird.
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