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Schlagwort "Reisen"

Interrail-Trip durch Osteuropa: Reisebericht in Auszügen

Der statistische Rahmen dieser Reise wurde bereits in einem früheren Artikel zusammengefasst.

Angesichts der vielen Ziele auf unserer Reiseroute werde ich es in diesem Artikel bei einer Kompilation markanter Details und Anekdoten aus den unterschiedlichen Städten und Ländern belassen. Falls Interesse an näheren Informationen zu anderen Einzelheiten besteht, kann ich gerne auf Anfrage in einem Kommentar zu diesem Artikel darauf eingehen.

Prag. Ich erinnere mich an vier oder fünf junge Deutsche in weißen Unterhemden und Ray-Ban-Sonnenbrillen, die uns auf dem Weg vom Bahnhof zum Hostel entgegenkamen. Gut gelaunt hielten sie sich an ihren Bierflaschen fest, während sie auf dem Wenzelsplatz an den zahlreichen Dönerläden vorbei in Richtung Nationalmuseum schlenderten. Glücklicherweise konnte dieser kulturelle Rückschlag ohne Weiteres durch zahlreiche Schätze tschechischer Kultur wie das Café Louvre oder das Haus zur Schwarzen Mutter Gottes, das neben dem Museum über tschechischen Kubismus das Grand Café Orient beherbergt, wieder gut gemacht werden.

Wer hätte das geahnt? Bagels stammen aus Krakau. Und dort trafen wir auch tatsächlich bereits morgens um 7 Uhr die ersten Bagel-Verkäufer auf den Straßen. Außerdem hatten wir die besondere Gelegenheit, das menschenleere und dabei umso schönere Krakau, insbesondere seinen sonst so überlaufenen Hauptmarkt zu bewundern. Das Weichselufer und Schindlers Fabrik sowie das nahebei gelegene nagelneue Museum für Moderne Kunst (MOCAK) rundeten unseren positiven Eindruck von Polen ab.

Dass Taiwan so viel Geld in die Slovakei investiert, hätten wir wohl nie erfahren, wenn wir nicht auf den Bänken an der ansehnlichen Donau-Uferpromenade in Bratislava gelesen hätten, dass die öffentlichen Wifi-Hotspots vom Taipei Representative Office gesponsert wurden. Ebenso unvergesslich war allerdings der Skifahrer in der Fußgängerzone, der sich bei strahlendem Sonnenschein in voller Wintermontur über das schlechte Vorankommen mangels Schnee auf dem Pflaster ärgerte.

Für Budapest hatten wir leider zu wenig Zeit veranschlagt. Hier liefen wir so viel wie kaum irgendwo anders. Neben dem Burgberg rentierte sich auch der mühsame Aufstieg zur Zitadelle in Buda sowie der Besuch der Zentralen Markthalle und des Ludwig Múzeums neben dem Nationaltheater am Donauufer im Süden Pests. Unsere wunden Füße konnten wir nach Einbruch der Dunkelheit beim Verspeisen einer Banane am Heldenplatz entspannen. Eine einsame Inline-Skaterin machte vor, was man an diesem wunderbaren Ort zu später Stunde noch Meditatives anfangen konnte.

Am UNESCO-Weltkulturerbe Sighişoara (Schäßburg) wird mir vielleicht der alte evangelische Friedhof am besten in Erinnerung bleiben, der mit seiner attraktiven Lage am Hang und der geheimnisvollen Naturverwachsenheit einen recht transilvanisch-schaurig-schönen Eindruck auf uns machte. Die "wahrscheinlich beste Stadt der Welt" Braşov (Kronstadt) konnte durch ein bezauberndes Stadtbild, vorbildliche Gastfreundschaft und verführerische Nähe zum "Drakulaschloss" Bran überzeugen. Im wahrsten Sinne des Wortes herausragend war auch der Kapellenberg, von dem wir fast senkrecht aus 400 Metern Höhenunterschied auf die Stadt und das gesamte Burgenland herabschauen konnten.
Für das berühmte Donau-Delta war auf unserem Rumänienbesuch leider keine Zeit, womit wir den wichtigsten Teil Rumäniens offenbar verpasst hatten, wie eine Führerin im rumänischen Parlamentspalast, der wichtigsten touristischen Attraktion in Bukarest, beteuerte. Ein bisschen Natur bekommt man aber auch im Norden der rumänischen Hauptstadt zu sehen, wenn man auf der  Kiseleff-Chaussee am Triumphbogen vorbei zum Park Herăstrău läuft. Doch Bukarest ist im Wandel - viele Baustellen ließen den Eindruck entstehen, dass sich ein erneuter Besuch in zehn, vielleicht auch schon in drei Jahren durchaus lohnen könnte.
Hatte es in Siebenbürgen bereits an Postfilialen und Briefkästen gemangelt, so wurde dieser Missstand in Bukarest auf die Spitze getrieben - hier schien es nämlich für die ganze Stadt nur ein einziges Postamt und keinen einzigen Briefkasten zu geben. Doch seltsamerweise sollte sich das auch in Bulgarien und der Türkei nicht bessern.

Ob in Sofia wirklich keine einzige Touristeninformation existierte oder ob wir sie nur aufgrund der uns unbekannten kyrillischen Schrift nicht finden konnten, ist bisher ungeklärt. Das besonders anziehende Ambiente in den zahlreichen Cafés und Restaurants Sofias lud zum Entspannen ein. Die vielen beschaulichen Plätze und Gebäude Sofias standen allerdings im Kontrast dazu, dass dies die einzige Stadt war, in der man gleich mehrmals versuchte, uns Falschgeld anzudrehen.

Dass unsere Reiseziele in der Türkei gerade die drei größten Städte mit 2,8 bis 13 Millionen Einwohnern waren, stellte sich nicht als die schlauste Wahl heraus. Natürlich konnte Istanbul trotz der überwältigenden Masse an Touristen, die aus gigantischen Kreuzfahrtschiffen in zahllose Reisebusse und aus Reisebussen in die Museen, Moscheen, Basare und Straßen strömten, in nahezu jeder Hinsicht überzeugen. Diese Metropole am Bosporus scheint über jeden Zweifel erhaben.
Anstatt allerdings in Ankara das größenwahnsinnige Mausoleum Atatürks (Anıtkabir) zu besuchen, dass die vielleicht einzige nennenswerte Attraktion der riesigen Hauptstadt darstellt, hätten wir besser die Landschaft Kappadokiens, die Kalksinterterassen Pamukkales, den Strand von Çeşme oder die antiken Ausgrabungen in Pergamon und Ephesus besucht.
Die zuletztgenannten vier Orte hätten großartige Ziele für Tagesausflüge von Izmir aus abgegeben. Da uns die Zeit dafür aber nicht reichte, sahen wir uns in Izmir die schöne Uferpromenade, die Bergung eines dort auf Grund gelaufenes Schiffs sowie ein paar Kilometer der Autobahn zu Fuß an. Neben den üblichen streunenden Hunden, die uns schon in den anderen Städten unserer Reiseroute begegnet waren, begegneten wir in Izmir auch erstmals einem streunenden Pferd, das sich in einem Industrieviertel über einen am Straßenrand lagernden Müllberg hermachte.

Da wir nun schonmal in Stuttgart gelandet waren, wollten wir uns wenigstens einen kurzen Einblick in die Hauptstadt der Schwaben nicht vorenthalten. Wir erlebten, wie sich zahllose Polizeiautos vor dem Württembergischen Staatstheater einfanden, um den Besuch des türkischen Staatspräsidenten Abdullah Gül vorzubereiten und abzusichern. Vor der Touristeninformation durfte ich mir das Bedauern einer älteren Dame darüber anhören, dass Stadtpläne nicht mehr kostenlos ausgegeben werden und Stuttgart sowieso und vollends aufgrund des regen Drogenhandels den Bach heruntergehe. Sie berichtete von den schlechten Erfahrungen ihrer vergangenen Rumänienreise und den wundervollen Eindrücken aus Prag. Ich verübelte den Stuttgartern ihre 50 Cent für den Stadtplan nicht und kam weder im Kunstmuseum, noch in der Staatsgalerie, noch in der Fußgängerzone oder im Schlosspark mit Drogen in Kontakt - vielleicht ist Stuttgart ja doch noch zu retten.

    28.09.2011 12:13 - Tags: Reisen

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    Interrail-Trip durch Osteuropa: Acht Länder in 19 Tagen

    Mein Interrail-Trip durch Westeuropa war schon im August ein Jahr alt [1]. Anfang September wurde es also langsam Zeit für eine neue Reise. Schon im Namen des damaligen Artikels war angelegt, wo es diesmal hingehen sollte: An die Stelle der westeuropäischen Reiseziele sollten jetzt die momentan noch weitaus weniger beliebten Urlaubsziele am anderen, östlichen Ende Europas treten. Dass sich eine solche Reise in vielen Punkten von der vergangenen unterscheiden würde, wurde schon alleine daran deutlich, dass ein Land wie Frankreich eine größere Fläche einnimmt als beispielsweise Tschechien, Polen, die Slowakei und Ungarn zusammen. Außerdem sind die osteuropäischen Zugverbindungen nicht gerade für besondere Verlässlichkeit und Geschwindigkeit bekannt. Wie auch immer: Den Vergleich mit der damaligen Reise soll der interessierte Leser selber ziehen. Ich werde in diesem Artikel die statistischen Rahmendaten darlegen und in einem weiteren Artikel prosaisch die Inhalte, das heißt die eigentlichen Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen der Reise zusammenfassen.

    Ich reiste in Begleitung eines Freundes unter Verwendung eines InterRail Global Passes, der uns innerhalb eines Zeitraums von 22 Tagen an 10 von uns festgelegten Tagen die Benutzung des europäischen Zugnetzes ermöglichte (für Details zum InterRail-Pass siehe [2]). Unsere Reiseroute, die wir für uns bereits vor Antritt der Reise festgelegt hatten, verlief über Prag, Krakau, Bratislava, Budapest, Sighișoara (Schäßburg), Brașov (Kronstadt), Bukarest, Sofia, Istanbul, Ankara, Izmir und Stuttgart und beinhaltete damit 12 verschiedene Städte in 8 Ländern (Tschechien, Polen, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Türkei, Deutschland), in denen wir mit 7 verschiedenen Währungen (Kronen, Zloty, Euro, Forint, Leu, Lew, Lira) und 7 Sprachen (4 slawische, 1 romanische, 1 uralische, 1 altaische Sprache) zurechtkommen mussten. In Bulgarien waren sogar sämtliche Hinweis- und Straßenschilder in der uns unbekannten kyrillischer Schrift bedruckt.

    Von den rund 7000 Kilometern der Reiseroute legten wir fast 5000 Kilometer mit dem Zug zurück (knapp 2000 mit dem Flugzeug von Izmir nach Stuttgart) und verbrachten somit fast 90 Stunden in Zügen, knapp 75 davon in Nachtzügen. Damit ergibt sich eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit der osteuropäischen Züge von gut 50 Kilometern pro Stunde.
    Züge in Rumänien und der Türkei konnten nur im Inland selbst reserviert werden, was dazu führte, dass im Nachtzug von Bukarest nach Sofia, der übrigens den weiten Weg aus Moskau kam, kein Bett mehr für uns frei war, sodass wir im Großraumwaggon schlafen mussten. Solche Probleme gab es in der Türkei dagegen nicht, wo wir die modernsten, größten und schnellsten Züge unseres Trips zu sehen bekamen.

    10 Nächte verbrachten wir in günstigen Hotels und Hostels und 7 Nächte in Nachtzügen, sodass wir jede Nacht mit durchschnittlich 3 anderen, fremden Personen im Zimmer verbrachten. Bei 5 der 7 Unterkünfte, namentlich bei den Hostels und Hotels in Rumänien und der Türkei, war Frühstück im Übernachtungspreis, der stets zwischen 10 und 18 Euro lag, inbegriffen.

    Die Kosten für die Reise beliefen sich am Ende auf fast 900 Euro, von denen wir gut 230 Euro in Unterkünfte (inkl. Nachtzüge) und 430 Euro in Transportkosten (Bahn, Bus, Flugzeug) investierten. Der Rest verteilte sich auf Verpflegung, Eintrittsgelder, Nutzung von Nahverkehrsmitteln und ähnliche Kosten, sodass wir also neben den Fahrtkosten mit durchschnittlich gut 12 Euro pro Tag und 13 Euro pro Nacht auskamen.

    Der wesentlich anspruchsvollere, prosaische, d.h. schildernde Teil dieses Reiseberichts wurde in einem weiteren Artikel veröffentlicht.

    23.09.2011 15:36 - Tags: Reisen

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    Kultur an der Ruhr: 6 Stunden in Essen

    Obwohl die letzte Zeche in Essen schon 1986 stillgelegt wurde und sich schon davor eine Verschiebung des wirtschaftlichen Schwerpunktes zum Dienstleistungssektor angebahnt hatte, verbinden viele Deutsche mit der zweitgrößten Stadt des Ruhrgebiets die traditionell verwurzelten Schlagworte Bergbau und Stahlindustrie.

    Deutschlands stärkstes Unternehmen der Stahlindustrie, ThyssenKrupp, sitzt tatsächlich nach wie vor in Essen. Aber längst fließen Essens Steuergelder vornehmlich aus ganz anderen Quellen (Unternehmenssitz Essen haben beispielsweise Aldi Nord, Backwerk, Deichmann, Karstadt oder auch Starbucks Deutschland). Es ist übrigens eine irreführende und vor allem falsche Interpretation, den Namen der Stadt auf den Begriff "Esse" aus der Metallurgie zurückzuführen. Tatsächlich schauen die fast sechshunderttausend Einwohner Essens auf eine 1200jährige Stadtgeschichte zurück, an deren Anfang ein Frauenstift stand. Der Name ist im Laufe der Zeit aus "Astnithi" hervorgegangen, wahrscheinlich der Name eines mittelalterlichen Adelsgeschlechts der Region.

    Als ich gestern dank meines NRW-Tickets (Studenten genießen Freifahrt mit dem öffentlichen Nahverkehr Nordrhein-Westfalens) in den Genuss eines spontanen Kurztrips nach Essen kam, konnte ich einen eigenen, wenn auch kurzen Eindruck davon gewinnen, was die Metropole, die sich inzwischen "Kulturhauptstadt Europas 2010" nennen darf, wirklich auszeichnet.
    Die besondere Betitelung im Namen der Kultur wird seit den 80er-Jahren jährlich von der Europäischen Union vergeben. Und Essen, das sich 2006 stellvertretend für das Ruhrgebiet um diese Auszeichnung bewarb, ist zu Recht stolz auf diesen Erfolg: Neben Essen ist in Deutschland nur Weimar Kulturhauptstadt Europas (1999). Außerdem erhielt West-Berlin in den 80er-Jahren das Äquivalent "Kulturstadt Europas".

    Vor meinem Kurztrip hatte ich bereits bemerkt, dass Google Streetview für Essen verfügbar ist. Dort sah ich mir den Stadtkern und insbesondere den Bahnhof schonmal an. Letzterer machte leider keinen guten Eindruck. Das Bildmaterial von StreetView stellte sich aber als überholt heraus (von 2009) und als ich schließlich den Essener Bahnhof mit eigenen Augen begutachtete, bot sich mir ein wesentlich überzeugenderes Bild. Wahrlich eine Stadt im Wandel.

    Ein vielleicht weniger bedeut- als unterhaltsames Detail ist dabei, dass die McDonald's-Filiale im Norden des Bahnhofs ihren Standort geändert hat: Sie befindet sich jetzt (im Vergleich zu StreetView) auf der anderen Straßenseite und bietet außerdem einen weit attraktiveres Erscheinungsbild, während an ihrem ursprünglichen Standort ein "MrChicken" eingezogen ist, dessen Logo (man beachte "MrCafe") eine beachtliche Ähnlichkeit mit dem Schriftzug seines Vorgängers aufweist [1] - ein Schelm, wer etwas Böses dabei denkt.

    Bei meiner nur 6stündigen Erkundung Essens orientierte ich mich am "Kulturpfad", einer Fußgängerroute, die durch blau leuchtende Steine im Pflaster markiert ist und vom Folkwang-Kunstmuseum im Süden sowie vom Ende der Fußgängerzone im Norden begrenzt wird. Näheres über den Kulturpfad kann man in der Touristeninformation vor Ort erfragen. Im dort ausliegenden Flyer gibt es eine kleine Übersichtskarte.

    Wie ich im Nachhinein erfuhr, rentiert sich auch ein Besuch des Essener Südens jenseits des Folkwangmuseums. Dort zeigt sich Essen mit dem Grugapark, einem der größten Parks Deutschlands, von seiner grünsten Seite (dort gibt es auch ein von Hundertwasser entworfenes Ronald-McDonald-Haus). Ich selbst bekam davon leider nichts mit, da ich meine Tour mit einem gut eineinhalbstündigen Besuch im Kunstmuseum Folkwang startete, von wo aus mich der Kulturpfad an Erlöserkirche, Folkwangbrücke, Stadtgarten, Saalbau der Philharmonie und Aalto-Oper vorbei nach Norden führte.

    Während das Stadtbild südlich des Bahnhofs von modernen und großen Bürogebäuden gesäumt ist, betritt man ausgehend vom Bahnhof nach Norden fast direkt die Fußgängerzone mit zahlreichen modernen Einkaufszentren wie der Rathausgalerie. Hier gibt es auch den ein oder anderen Platz zum Verweilen: etwa neben der Münsterkirche, die eigentlich ein Dom ist.

    Bevor man ganz im Norden zur Sankt-Gertrud-Kirche und ins Nordviertel dahinter gelangt, muss man allerdings durch einen Teil der Fußgängerzone, der sich mit Döner-, Sex- und Shisha-Läden nicht gerade schmückt. (Davor endet der Kulturpfad natürlich.) Das Nordviertel selbst bekam ich nicht zu Gesicht. Meine Tour endete an der U-Bahn-Haltestelle Rheinischer Platz, von wo aus ich noch einen Blick auf die gewaltige Baustelle werfen konnte, die einmal der hochmoderne Campus der Universität Duisburg-Essen werden soll - auch hier ist der Wandel also noch im Gange.

    Insgesamt hat sich mir Essen von einer schönen Seite gezeigt. Der kulturelle Wandel gibt sich leicht zu erkennen: Andere deutsche Städte sind sicherlich schöner, doch der geschichtliche Hintergrund mit den damit verbundenen Vorurteilen über das Ruhrgebiet macht einen Besuch Essens sicherlich zu einer erkenntnisreichen und lohnenden Erfahrung.
    Den Kulturpfad im Speziellen halte ich für eine gelungene Einrichtung. Eventuell wäre etwas ausgeglicheneres Info-Material angebracht. Für 10 Euro gibt es ein 200 Seiten starkes Büchlein zum Thema [2]. Wer allerdings kein Geld ausgeben will und etwas kompaktere Informationen wünscht, steht mit nichts als dem mageren Flyer aus der Touristeninformation da.

    Weihnachten und Schneechaos in NYC 2010

    In den vergangenen sechs Tagen stattete ich zusammen mit Schwester und Vater meinem Bruder, der momentan auf Long Island studiert, einen weihnachtlichen Besuch ab. Dabei nutzten wir die einmalige Gelegenheit, die größte Stadt der Vereinigten Staaten zu besichtigen: New York City.

    Als wir am Nachmittag des 24. Dezembers im Big Apple angekommen waren und zum ersten Mal von unserem Hotel "La Quinta" in Queens die Subway zur Fifth Avenue genommen hatten, bot sich uns bereits der Anblick menschenüberlaufener Straßen rund um Times Square und Rockefeller Center. Der reichliche weihnachtliche Schmuck konnte über den fehlenden Schnee hinwegtrösten [1].
    Auch ohne das hexagonale Weiß war es reichlich kühl und am Bryant Park und im Rockefeller Center liefen Menschenmassen mit Schlittschuhen vergnügt über das künstliche Eis.

    Am Samstag, dem ersten Weihnachtsfeiertag - vielleicht einem der wenigen Tage im Jahr, an denen man den Eindruck bekommen kann, dass New York doch irgendwann mal schläft - fuhren wir mit der Long Island Railroad gen Osten zum abgelegenen Campus der Stony Brook Universität, um meinen Bruder zu besuchen. Der geräumige Campus war jetzt zur Ferienzeit natürlich wie ausgestorben. Von den gut 23000 Studenten war nichts zu sehen. Ein kurzer Rundgang verschaffte uns aber einen Überblick über die großen, aber schlicht gehaltenen Gebäude der Universität. Natürlich konnten wir auch einen Blick in die völlig überteuerten und erbärmlich kleinen Studentenunterkünfte werfen, bevor wir mit unserem Bruder abends in das Hotel in Queens einkehrten.

    Das Wetter schien beständig bis auf ein paar Wolken am Himmel und so entschieden wir uns am Sonntagmorgen für eine Überfahrt von Manhattan nach Liberty und Ellis Island. Als wir in Ellis Island anlegten, fielen dann doch die ersten Schneeflocken vom Himmel und es wurde bekannt gegeben, dass der Schiffverkehr aufgrund der Witterung ab 14 Uhr eingestellt werden sollte. Nach einem kurzen Besuch des Einwanderermuseums bedeckte den Boden bereits eine zarte Schneeschicht und wieder zurück in Manhattan flogen uns zunehmend die Schneeflocken um die Ohren. Nach einem kurzen Trip durch die Downtown mit Ground Zero, City Hall und Wallstreet, flüchteten wir uns vorerst ins Metropolitan Museum of Art, das dann aber auch bereits eine halbe Stunde zu früh die Pforten schloss. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich in den Straßen New Yorks ein ausgewachsener Schneesturm, ein "blizzard", entwickelt. Orkanartige Windböen ließen einen dichten Schneeflockenschleier zwischen den Wolkenkratzern hin- und herjagen. Mit einer Sichtweite von kaum 5 Metern bahnten wir uns den Weg zum Times Square: Hier wollten wir noch Last-Minute-Tickets für ein Broadway-Musical erstehen, verwarfen unsere Pläne dann angesichts des katastrophalen Wetters aber wieder.

    Am nächsten Tag war der Himmel wieder strahlend blau. Doch noch immer brauste der Wind mit 60 Kilometern pro Stunde durch die Straßen und die Folgen des Schneesturms waren angesichts der Schneedecke von einem halben Meter und der zahlreichen ausgefallenen Subway-Verbindungen nicht zu übersehen.
    Gerade unsere Verbindung von Queens nach Manhattan hatte ein Totalausfall erwischt. Wir stapften also einen guten Kilometer zur nächsten Subwaystation einer günstigeren Linie, die dann auch tatsächlich fuhr. Mittags kamen wir so trotz der völlig verschneiten und noch kaum geräumten Straßen ins Museum of Modern Art (MoMA), wo wir die vielleicht bedeutendsten Werke der modernen und zeitgenössischen, vor allem amerikanischen Kunst bewunderten.
    Gegen Abend besuchten wir das gigantische Einkaufszentrum "Queens Mall". Die dortigen Geschäfte schlossen ihre Pforten allerdings aufgrund des Wetters viel früher als gewöhnlich und so saßen wir wieder ziemlich früh in unserem kleinen Hotelzimmer.

    Bis Dienstagmorgen hatte sich New York weitgehend von der unerwarteten Schneebescherung erholt. Die meisten subway trains verkehrten wieder einigermaßen regelmäßig und die Straßen und Gehwege gingen über vor Auto- und Menschenmassen. Zwischen Gehweg und Straße türmten sich mannshohe Schneeberge, ein Durchkommen war nur an den Fußgängerüberwegen in Sicht. Und selbst dort hatten sich riesige Lachen nassgrauen Schneematsches gebildet. Die New Yorker ließen sich ihre "holidays" nicht verderben: sie waren mit Gummistiefeln für dieses Wetter bestens gerüstet, was wir Urlauber nicht von uns behaupten konnten. Die Matschlachen mussten wir also weiträumig umgehen oder nasse Füße riskieren.

    Unser Rückflug am Donnerstag ging übrigens ohne Probleme pünktlich und verlief ohne Zwischenfälle. An dem Tag, da wir New York verließen, hatten die sturmartigen Winde bereits das Weite gesucht, alle Züge fuhren wieder pünktlich, die Straßen waren geräumt und der Schnee taute unter der warmen, strahlenden Sonne dahin.

    Trotz und wegen des katastrophalen Blizzards war die kurze New York-Reise eine ganz einzigartige und lohnende Erfahrung. Insbesondere zu Anfang war ich bei jedem Blick auf die gelben Taxis, die gigantischen Wolkenkratzer, die silbernen Subwaytrains und die unruhigen Leuchtreklamen und Bildschirme auf dem Times Square wie in eine andere Welt versetzt - nämlich in jene, die dem durchschnittlichen Europäer viel zu gut aus den Nachrichten und vor allem aus Filmen und Büchern bekannt zu sein scheint. So hatte ich zunächst das Gefühl, ich laufe durch eine gigantische unwirkliche Filmkulisse. Spätestens durch den Schneesturm wurde ich allerdings in die Wirklichkeit zurückgerufen, auch wenn ich nicht leugnen kann, den ein oder anderen Gedanken an "The Day After Tomorrow" verschwendet zu haben.

    31.12.2010 12:15 - Tags: Kurioses Reisen

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    Das InterRail-Ticket: Über vermeintliche Spontaneität, versteckte Preise und sonstige Fallstricke

    Vom legendären Eurotrip [1], bei dem alle bekannten, großen und schönen Städte Europas in einer großen Reise abgeklappert werden, träumen nicht nur Nicht-Europäer: Es handelt sich dabei um eine beliebte Beschäftigung für die Zeit zwischen Abitur und Studium oder für die vorlesungsfreie Sommerzeit.
    Zu Zeiten von Hochgeschwindigkeitszügen und billigen Youth Hostels stellt man sich das auch gar nicht mehr teuer vor: Mit einem großen Rucksack bepackt und einem Europa-Zugticket, dem so genannten InterRail-Ticket, ausgestattet könne selbst ein mittelloser Student auf große Reise gehen.
    Welche falschen Vorurteilen sich in dieser Vorstellung verstecken und wie man sich so einen InterRail-Trip am ehesten vorstellen kann, versuche ich im Folgenden zu erläutern.

    Auf der Seite der Deutschen Bahn [2] können die InterRail-Tarife für deutsche Bundesbürger ziemlich übersichtlich eingesehen werden. Hier entsteht aber schon die erste Illusion: Weil die DB auf ihrer Webseite viel zu wenige weiterführende Informationen anbietet, entgehen dem interessierten InterRail-Käufer alle weiteren entstehenden Kosten und eine ausführliche Liste der teilnehmenden Bahngesellschaften.
    Wer dazu nähere Informationen einholen möchte, schaut am besten auf dem internationalen und offiziellen Informationsportal [3] des "InterRail Europe Train Pass" nach. Unter "Planning" kann man dort eine übersichtliche Karte Europas mit den relevanten Zugverbindungen herunterladen. Außerdem gibt es dort Informationen, welche Züge vorab reserviert werden müssen und welche zusätzlichen Kosten dabei anfallen.
    Im Einzelfall kann auf der Webseite der Österreichischen Bundesbahn [4] angezeigt werden, ob eine ganz bestimmte Zugverbindung reservierungspflichtig ist oder nicht. Verlässliche Informationen darüber, welche Gebühren anfallen werden, erhält man aber fast ausschließlich am Bahnschalter!

    Zu den Reservierungsgebühren, die für Inhaber des InterRail-Tickets anfallen, seien einige Anmerkungen gemacht: Reservierungspflichtige Züge gibt es in fast jedem Land (außer z.B. der Schweiz) und Gebühren für eine Zugfahrt können in Höhe von 4 bis 85 Euro in der zweiten Klasse anfallen. Deutlich über 20 Euro werden allerdings nur in Ausnahmefällen wie dem EuroStar, der unter dem Ärmelkanal durchfährt, verlangt. Die Benutzung von Nachtzügen fällt bisweilen noch teurer aus: Die Preise für Nachtzüge unterscheiden sich stark (nicht nur abhängig vom gewählten Abteil und Komfort). Ein einfacher Sitzplatz kann für ca. 8 Euro zu haben sein, ein Liegeplatz im 6er-Abteil kostet 25 bis 50 Euro und für 4er-Abteile und besser fallen entsprechend Preise bis über 100 Euro an.
    Im Einzelfall kann man nur sicher über die anfallenden Kosten sein, wenn man am Bahnhof direkt nachfragt. Nur dort können die nötigen Reservierungen schließlich getätigt werden!
    Bei alldem ist auch zu beachten, dass ein InterRail-Ticket nie im Heimatland des Inhabers gültig ist. Das hat den unangenehmen Nebeneffekt, dass die erste Zugfahrt, mit der man sein Heimatland verlässt, sowie die entsprechende Rückfahrt bezahlt werden müssen. Die Interrailer erhalten aber auf diese Fahrten immerhin gewisse Vergünstigungen, die am Bahnschalter erfragt werden können.

    Vielen schwebt mit dem Erwerb des InterRail-Tickets auch die große Flexibilität und Spontaneität vor, die mit einem solchen Allround-Tickets einherzugehen scheint. Wer aber nicht rechtzeitig plant und in den meisten Fällen auch verbindliche Buchungen vornimmt, wird keinen Spaß mit seinem InterRail-Ticket haben.

    Die oben genannten Zugreservierungen sollten schon Tage oder Wochen vor der Fahrt getätigt werden. Zum einen sind Züge auf viel befahrenen Strecken tatsächlich bisweilen Tage vorher ausgebucht. Zum anderen ist zusätzlich das Fahrkarten-Kontingent für InterRail-Benutzer begrenzt. Man muss außerdem leider sagen, dass man selbst an Bahnschaltern oft falsche Informationen über die Verfügbarkeit bestimmter Plätze bekommt. Für mehrere Schnellzüge und zwei Nachtzüge, die wir in Genf nicht buchen konnten - sie waren angeblich ausgebucht -, konnten wir in Marseille problemlos Plätze reservieren.
    Bei der Reservierung von Zügen ergeben sich noch weitere Probleme: Wer in der Schweiz ausländische Züge buchen will, muss damit rechnen, 5 Franken (etwa 3,50 Euro) Aufschlag zu bezahlen. Einen solchen Aufschlag verrechnete man weder in Frankreich noch in Spanien. In Portugal wiederum war es überhaupt nicht möglich, ausländische Züge zu reservieren. Wenn man Portugal also mit einem bestimmten Zug verlässt, muss man eventuelle Anschlusszüge kurzfristig am Umsteigebahnhof buchen, wenn man das nicht schon vor der Einreise nach Portugal erledigt hat. Ähnliche Probleme könnten sich in anderen Ländern ergeben - eine frühzeitige Planung und Buchung kann dem Interrailer diese Strapazen ersparen.

    Die Unterkunft bei einem solchen EuroTrip ist übrigens nicht so einfach gefunden, wie man sich das bisweilen vorstellt.
    Zelten ist durchaus nicht die einfachste und billigste Variante. Auch hier fallen Zeltplatzgebühren an und abgesehen von dem geringen Komfort, den man beim Zelten im Allgemeinen erfährt, dürfte es mühsam sein, ständig ein Zelt (zzgl. Isomatte und Schlafsack) mit sich herumzutragen, das man bei häufigem Ortswechsel abends auf- und morgens wieder abbauen und bei Regen notgedrungen nass wieder in die Schutzhülle stopfen muss. Zeltplätze sind gerade in großen Städten eher ungünstig gelegen, sodass weitere Kosten für den Transfer in die Innenstadt anfallen können.
    Auch in Hostels kommt man nur günstig unter, wenn man frühzeitig bucht. Man sollte sich wirklich ersparen, ohne Buchung in eine bestimmte Stadt zu kommen, um dann zu erfahren, dass gerade eine besondere Veranstaltung einen Besucheransturm provoziert, sodass alle günstigen Übernachtungsmöglichkeiten bereits ausgebucht sind.
    Buchungen nimmt man am besten bei großen Webseiten wie Hostelworld [5] vor, wo man gute Möglichkeiten hat, Preise zu vergleichen, Verfügbarkeiten zu überblicken und Erfahrungsberichte zu lesen.

    Auch bei günstigen Hostels kann man im Sommer mit durchschnittlichen Kosten von knapp unter 20 Euro pro Nacht - zumeist ohne Frühstück - rechnen. Über den Tag kommt man wohl nicht mit weniger als 10 Euro aus, man sollte eher mit 15 Euro oder mehr rechnen. Pro Zug fallen durchschnittlich 5 Euro Reservierungsgebühren an. Die genannten Kosten können sich stark vermehren, wenn man in teuren Ländern wie der Schweiz oder Schweden unterwegs ist, viele Museen besucht, in Restaurants speist, viele Nachtzüge und internationale Fernzüge verwendet oder Taxi-, Metro-, Tram- und Busfahrten reichlich in Anspruch nimmt.

    Außerdem sollte man sich keinen Illusionen hingeben, wie viele unterschiedliche Orte man in einer bestimmten Zeit besuchen kann. Wer beispielsweise alle großen Hauptstädte Europas auf seinem InterRail-Trip besuchen will, sollte extrem lange Zugfahrten und eine Gesamtreisedauer von mindestens einem Monat einplanen, in der man nur höchstens eine Übernachtung in jeder Stadt erlebt.
    Ein Dilemma bleibt: Wer nicht viel Zug fährt und sich lange an einem Ort aufhält, für den rentiert sich das InterRail-Ticket womöglich preislich nicht. Wer die Möglichkeiten des InterRail-Tickets ausnutzen will, muss mit langen Zugfahrten und wenig Zeit an jedem einzelnen Ort rechnen. Auf meinem vergangenen InterRail-Trip habe ich beispielsweise fast jeden Tag mindestens einen Zug benutzt und kam so insgesamt auf Zugkosten von unter 400 Euro in 15 Tagen. Ohne InterRail-Ticket wären Kosten von mindestens 700 Euro angefallen. Ich halte es kaum für möglich, mehr als 4 Länder in 15 Tagen zu besuchen, wenn man nicht unvernünftig lange Zugfahrten in Kauf nimmt.
    Die Gesamtkosten für die 15tägige Reise beliefen sich auf etwa 1000 Euro und ich halte das für einen ziemlich niedrigen Wert. Ob man sich als Student also eben mal einen solchen Trip leisten kann, ist fraglich.

    Als Fazit bleibt also zu sagen: Ein InterRail-Trip kann nur schwerlich ein richtiger Eurotrip werden, schon gar nicht ein günstiger. Hoffnung auf besondere Spontaneität sollte man sich nicht machen, sondern im Vornherein so viel wie möglich buchen und reservieren. Und zuletzt sollte man nicht blind davon ausgehen, dass sich das InterRail-Ticket in jedem Fall preislich lohnt. Für Frühbucher gibt es nicht nur in Deutschland ziemlich günstige Zugfahrten und daher sollte nicht nur, wer lieber eine Hand voll Städte besichtigen will und dort jeweils mindestens 3 Tage bleiben möchte, unbedingt die Rentabilität des InterRail-Tickets ausführlich prüfen.

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