Es ist schon seit
geraumer Zeit ein höchst brisantes Thema: Facebook und
sein Gründer Mark Zuckerberg. Man kann aber auch nicht
leugnen, dass sich in diesem Zusammenhang ständig
Dinge ereignen, die entweder so noch gar nicht
vorgekommen sind oder zumindest sehr kurios wirken.
Man beachte bereits den Film "The Social Network", wo
Mark Zuckerberg wirklich nicht gut wegkommt. Bereits
vorher hieß es, aus Chatprotokollen sei
rekonstruierbar, der Facebook-Gründer habe einst
Harvard-Studenten, die ihm unter anderem ihre
Kontaktdaten anvertraut hatten, als "dumb fucks" (etwa
"Vollidioten") bezeichnet [1]. Darüber hinaus hat er
in einem Interview im Januar 2010 angedeutet, die
Bereitschaft seitens der Internetbenutzer, immer mehr
persönliche Daten ins Internet zu stellen, mache
deutlich, dass Privatsphäre bereits heute ein
überholtes Konzept ist [2]. Dabei berief er sich
auf "soziale Normen", die sich nun mal über die Jahre
änderten; Facebook passe sich lediglich daran an.
An anderer Stelle scheint er sich dann doch wieder
nicht allzu sicher zu sein, wie sensibel er mit den ihm
anvertrauten Nutzerdaten umgehen muss. Er berichtete
Ende November, er mache "so viele Fehler" - Bedauern
darüber äußerte er nicht, er beteuerte aber, er gebe
sein Bestes [3].
Eines ist sicher: So einfach, wie Zuckerberg die
"sozialen Normen" zu durchschauen scheint, ist es
nicht. Es gibt unzählige Hinweise darauf, dass ein
allgemeiner Konsens über Privatsphäre und Datenschutz
einfach nicht besteht: Unzählige Webseiten,
Organisationen, Internetvideos und Aktionen rufen dazu
auf, Facebook-, Twitter- und andere Web-2.0-Accounts zu
löschen (z.B. [4]). Außerdem ist
auffällig, wie wenig wohlwollend die Presselandschaft
über Facebooks Umgang mit Benutzerdaten ausfällt.
Nicht nur Golem, Gulli oder heise, sondern auch
Printmedien wie Die Zeit, die FAZ und andere große
Presseorgane legen regelmäßig einen sehr kritischen
Ton an den Tag, wenn sie von Facebook berichten. Es ist
absurd, anzunehmen, sie würden damit "nur" ihre eigene
Meinung darstellen. Es wäre schließlich fatal für
die Leserquote, wenn an dieser Stelle wirklich
eklatante Meinungsverschiedenheiten bestehen
würden.
Außerdem muss man gestehen, dass sich die unzähligen
Möglichkeiten, die das Internet bietet, anonym und
unverbindlich Informationen auszutauschen, nach wie vor
großer Beliebtheit erfreuen. Prominentes Beispiel
dafür ist die Webseite 4chan, über die kürzlich ein
interessanter Artikel in der amerikanischen Zeitschrift
Technology Review erschienen ist [5].
Wer einräumt, Facebook beruhe nun mal auf dem Prinzip
der Preisgabe persönlicher Daten - es stehe im
Übrigen sogar jedem frei, welche Daten er im Einzelnen
preisgibt -, der hat nicht ganz Unrecht.
Damit ist es aber nicht getan. Ich halte es für sehr
sinnvoll, dass der Rechtsstaat es nicht völlig der
Verantwortung jedes Individuums überlässt, auf seine
Privatsphäre und seine persönlichen Daten
aufzupassen. In der deutschen Rechtssprechung
jedenfalls wird das glücklicherweise so gehandhabt.
Die unzähligen Werbeanrufe, -briefe und -emails, mit
denen man andernfalls zu kämpfen hätte, wären nur
das augenscheinlich unangenehmste. Dazu kommen all die
persönlichen Informationen, die auf irgendwelchen
Servern womöglich ungeschützt herumliegen würden.
Aus Browserverläufen, Nachrichtenprotokollen und
ähnlichen Datensammlungen ließen sich peinliche
Informationen über Erkrankungen, sexuelle Vorlieben,
exzesshafte Partyerlebnisse, politische Ansichten oder
auch nur kleine Lästereien und unvorsichtige
Äußerungen an die Öffentlichkeit bringen.
Wenn der Schutz der Privatsphäre und der persönlichen
Daten wirklich dem einzelnen Individuum überlassen
wäre, könnte diese Katastrophe sicher nur durch einen
unangenehm vorsichtigen und sicherlich die Freiheit
unnötigerweise einschränkenden Lebensstil verhindert
werden.
Um dieses Szenario zu verhindern, gibt es also
verbindliche rechtliche Grenzen, was die Speicherung
und Verwendung von Kundendaten und generell von fremden
Daten angeht. Dazu gehört eben auch, dass ein Kunde
bei der Anmeldung mit seinen persönlichen Daten im
Vorfeld darüber informiert werden muss, was mit seinen
Daten geschieht. Und danach gibt es auch eine
rechtliche Verpflichtung, diese Vereinbarung
einzuhalten. Außerdem besteht Auskunftpflicht
gegenüber dem Kunden, welche Daten genau über ihn
aufgezeichnet worden sind.
Wer genauere Informationen darüber einholen will,
sollte die Stichworte "Bundesdatenschutzgesetz" (BDSG),
"Telemediengesetz" und "Recht auf informationelle
Selbstbestimmung" in Erinnerung behalten.
Im weiteren Sinne gehören zum Komplex Privatsphäre
und Datenschutz übrigens zum Beispiel auch die
Einschränkungen bezüglich der Anfertigung und
Veröffentlichung von Bild- und Tonmaterial. Ein
Anrufer darf ein Telefongespräch mit mir nicht
aufzeichnen, wenn ich dem nicht ausdrücklich im
Vorfeld zugestimmt habe. Niemand darf ohne meine
Zustimmung eine Fotografie veröffentlichen, auf der
ich erkenntlich abgebildet bin.
Dass es in Deutschland und in vielen anderen Ländern
diese rechtlichen Vereinbarungen gibt, sollte aus
diesen meiner Meinung nach einleuchtenden Gründen
jeder zu schätzen wissen. Datenschutz und
Privatsphäre sind hohe Güter und auch Facebook darf
diese Werte nicht auslegen, wie es gerade passt.
Deswegen wurde Facebook übrigens kürzlich von
deutschen Datenschützern verklagt [6].
Das Argument, jeder könne ja selbst entscheiden, ob er
seine Daten bei Facebook preisgeben möchte oder nicht,
ist vor allem deswegen nur mit Vorsicht zu genießen,
weil viele Menschen einfach nicht einschätzen können,
was alles mit ihren Daten passieren kann und welche
Einwilligungen es im Detail sind, die sie bei der
Nutzung der unterschiedlichen Dienste von Facebook
abgeben. Dass die Nutzer von Facebook jede beliebig
komplizierte "privacy policy" durchschauen, kann nicht
von ihnen verlangt werden. Und deswegen muss man auch
Facebook einen - nicht unwesentlichen, doch wenigstens
den rechtlich verbindlichen - Teil der Verantwortung
zuschieben, wenn es um die Wahrung von Privatsphäre
und Datenschutz geht.
Privatsphäre und Datenschutz sind also durchaus nicht
vom Aussterben bedroht. Ich behaupte sogar, dass sie
nie so groß im Kommen waren wie heute. Denn in welchem
Zeitalter wurde so viel um Privatsphäre und
Datenschutz gekämpft wie heute?
Dass im Zusammenhang mit Facebook auch immer wieder von
Offenheit die Rede ist - also von jenem Begriff, dem
ich vor wenigen Tagen erst einen Artikel widmete [7] -,
ändert nichts an der Tatsache, dass Facebook wichtige
gesellschaftliche und ethische Werte gewaltsam
einzustampfen droht. Dieser Entwicklung kann und darf
man nicht gleichgültig zuschauen. Und zum Glück tut
sich auch etwas auf diesem Gebiet. Aber leider stehen
auf der anderen Seite weiterhin viele Menschen dem
Kampf um Privatsphäre und Datenschutz mit
Unverständnis gegenüber. Das ist ein gefährlicher
Trend, zu dessen Eindämmung dieser Artikel hoffentlich
einen Beitrag leisten konnte.
02.12.2010 22:40 - Tags: Meinungen Verbraucher Recht Gesellschaft Computer Internet Multimedia
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Man kann nicht leugnen,
dass Apple der einzige Hersteller von
Unterhaltungselektronik ist, dessen Geräte
regelmäßig technisch alles bisher dagewesene
übertreffen und trotzdem wie modisches Accessoire
daherkommen. Die Ästhetik der Apple-Produkt geht so
weit, dass man diesen kleinen technischen Wunderdingen
überhaupt nicht ansieht, dass es sich um technische
Geräte handelt. Hier fällt kein Stecker, kein
Anschluss, kein Lautsprecher, kein Mikrofon und keine
integrierte Kamera aus dem Konzept. Appleprodukte sind
wie aus einem Guss und das konsequent. Alle
überflüssigen Unregelmäßigkeit, wie sie ausnahmslos
alle anderen Hersteller technischer Geräte für
zusätzliche Anschlussmöglichkeiten und sonstige
Funktionen in Kauf nehmen, werden radikal
eliminiert.
Dass die tatsächliche Qualität oder das ausgefeilte Design von Apple ständig aufs Schärfste bestritten werden, ist meiner Meinung nach zunächst mal eine Folge zweierlei Faktoren: Jeder Technikbegeisterte wird die Faszination, die von den High-End-Geräten ausgeht, bestätigen müssen. Es ist eben zweifellos etwas anderes, ob man den extrem hochauflösenden und erstaunlich reaktionsfähigen Touchscreen eines iPhones oder den Touchscreen eines beliebigen anderen Smartphones auf dem Markt unter den Fingern hat. Viel Kritik ist also sicherlich durch Neid auf diejenigen, die sich diese Dinge leisten können, verursacht. Außerdem bleibt aber noch die Abneigung, die viele Menschen grundsätzlich vor beängstigend rasch expandierenden Trends verspüren. Jeder Mensch scheint seine Grenzen zu haben, ab wo er einen Trend als "Hype" bezeichnet und es für "albern" hält, diesem zu folgen. Bei manchen ist diese Grenze bei Apple eben überschritten. Und das kann durchaus jemand sein, der jeden Dan-Brown-Roman dreimal gelesen und die Verfilmungen eine Woche nach dem Erscheinungstermin bereits zweimal im Kino gesehen hatte - mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass auch der Hass auf Apple inzwischen zu einem "albernen Hype" geworden ist.
Aber das ist nicht alles. Auch wenn sicherlich der
größte Teil der Apple-Kritik durch obige Gründe
motiviert ist, bleiben ernstzunehmende Kritikpunkte auf
dem Tisch. Ob man den in meinem einführenden Artikel
[1]
erwähnten vier mal vier Zentimeter Touchscreen für
150 Euro wirklich "braucht", ist eines jeden eigene
Entscheidung. Ein bisschen Spieltrieb hat ja
schließlich jeder und wer dann eben noch das Geld
aufbringen kann - warum nicht?
Aber ein Manko ist nicht aus der Welt zu räumen:
Apple-Produkte sind so unflexibel wie ein Knäckebrot.
Man darf diesen Kritikpunkt nicht falsch verstehen: Mir
geht es bei Flexibilität um Offenheit. Je mehr Geld
ich in ein Produkt stecke, desto mehr erwarte ich, dass
ich dieses Produkt vielseitiger und nach eigenen
Vorstellungen verwenden kann. Es soll hier gar nicht
darum gehen, ob das die Konkurrenz besser macht (dem
ist im Allgemeinen nicht so). Aber ein Apple-Produkt zu
kaufen ist vergleichbar mit dem Kauf eines Autos, dass
nur in Shell-Tankstellen getankt werden kann. Und das
tut weh, wenn man die hohen Preise für Apple-Produkte
in Betracht zieht. Dass dem Benutzer beispielsweise
iTunes aufgezwungen wird, ist völlig inakzeptabel -
ganz egal, ob iTunes nun toll ist oder nicht. Diese
Einschränkung ist technisch schlichtweg nicht
notwendig. Es ist eine reine Marketing-Strategie, die
dem Kunden ein Stück Freiheit raubt. Genausowenig ist
einsichtig, dass Software für iOS nur über den
original App Store vertrieben und bezogen werden
darf.
Warum also Offenheit?
Seit einigen Jahren wird der Ruf nach Offenheit immer
lauter und unzählige glückliche Windows- und
Mac-Benutzer stehen dem mit Unverständnis gegenüber:
"Unsere geschlossenen Systeme geben uns doch alles, was
wir wollen, warum brauchen wir Offenheit?" Ich kann mir
vorstellen, dass es viele regierungstreue Chinesen
gibt, die das gleiche Argument gegen die
Meinungsfreiheit bringen würden.
Am schönsten lassen sich die Vorteile von Offenheit
vielleicht an der inzwischen weit verbreiteten
Open-Source-Software (OSS) demonstrieren. Dass die
Benutzung solcher Software Probleme mit sich bringt,
ist eigentlich im Moment nur Resultat der Tatsache,
dass die vielen Hersteller geschlossener Produkte den
Entwicklern der offenen Software kein Entgegenkommen
zeigen wollen. Wenn der neueste Laptop von Samsung
unter Linux keine WLAN-Verbindung aufbaut, liegt das im
Grunde nicht an den Linux-Entwicklern. Schuld ist der
Hersteller, der keine Treiber für Linux zur Verfügung
stellt. Würde er die nämlich nicht für Windows zur
Verfügung stellen, so würde es dort die gleichen
Probleme geben.
Darüber hinaus erschweren viele Hersteller aber
zusätzlich die Entwicklung offener Treiber durch die
Linux-Community, indem sie immer wieder neue
Signalprotokolle für ihre Chipsätze verwenden, die
sie nicht offenlegen. Bedenkt man also, dass viele
Hersteller offener Software dermaßen unkooperativ
gegenüber stehen, ist es eigentlich erstaunlich, dass
OSS so gut funktioniert.
So viel zur Benutzbarkeit von OSS. Nun zum Sinn der Offenheit: "Wenn mein Produkt nicht das tut, was ich will, bringe ich es ihm eben bei." Diese Vorstellung ist in geschlossenen Systemen nur sehr begrenzt vorstellbar. Nun halten viele Leute diesen Einwand für sehr hypothetisch, da ja sowieso kaum ein durchschnittlicher Benutzer fähig ist, die nötige Programmierarbeit (im Bezug auf OSS) vorzunehmen. Das ist in vielen Fällen aber gar nicht notwendig: Zuletzt besteht schließlich die Möglichkeit, an einen erfahreneren Benutzer heranzutreten und ihn um Hilfe zu bitten. Die riesige Open-Source-Community macht das möglich. In dieser Community findet sich in der Regel auch zu jedem noch so außergewöhnlichen Problem eine engagierte Gruppe von Personen, die sich der Sache annimmt.
Zum anderen schafft Offenheit eben auch Vertrauen. Was Apples Betriebssystem iOS, das auf iPhone, iPod Touch und iPad läuft, im Hintergrund mit meinen sensiblen Daten macht, weiß nur Apple alleine. Natürlich ist es unwahrscheinlich, dass Apple die Daten an irgendeinen Server schickt und direkt Datenraub begeht. Das halte ich zumindest für absurd. Aber es reicht schon, wenn ein iPhone gelesene Emails irgendwo im Arbeitsspeicher unverschlüsselt ablegt, wo sie jemand lesen könnte, der das iPhone in die Hände bekommt, obwohl es eventuell passwortgesichert ist. Diese Überlegungen sind durchaus relevant, wenn man bedenkt, dass Smartphones vermehrt als Diensthandys Verwendung finden, über die auch Emails mit für den Arbeitgeber sensiblen und vertrauenswürdigen Inhalten abgerufen werden - Industriespionage ist längst alltäglich geworden.
Bei offener Software besteht ein viel größeres Potenzial, dass irgendein engagierter Anwender eine Sicherheitslücke rechtzeitig entdeckt. Als sicherstes Betriebssystem gilt vielerorts nicht ohne Grund "OpenBSD" [2], das die Offenheit bereits im Namen führt. Nachrichten über Datenlecks unterschiedlicher Art bei iPhones durchziehen übrigens die Presselandschaft ununterbrochen seit der ersten iPhone-Generation [3][4][5][6][7][8][9].
Um zu Apple
zurückzukommen: Steve Jobs hat viele gute Gründe
angeführt, warum man Flash nicht mehr benutzen und
unterstützen sollte [10]. Aber warum heißt
das, dass er seine Kunden in diesem Punkt bevormunden
muss? iPhone-Benutzer zahlen horrende Preise für ein
technisch extrem ausgefeiltes Gerät. Warum sollen sie
nicht so etwas Banales wie Flash benutzen dürfen? Es
ist meiner Meinung nach ebenso möglich, moralische,
technische, soziale, wahrscheinlich sogar ökologische
und ökonomische Gründe gegen die Benutzung von
Apple-Produkten ins Feld zu führen. Aber deswegen
würde ich doch nicht unterbinden, dass Treiber für
den Anschluss von iPods an Linux-Systeme entwickelt
werden, wenn es in meiner Hand läge.
Mein Artikel würde ein schiefes Bild von der
momentanen Lage entwerfen, wenn ich hier schon
aufhörte. Es gehört in dieser Diskussion bereits zum
guten Ton, es bei einer pauschalen Ablehnung des
Feindbilds und einer unkritischen Verklärung der
eigenen Position zu belassen.
Seit Jahren guckt die gesamte Unterhaltungselektronik
unzählige Details bei Apple ab. Auf Seiten der
Apple-Hasser gesteht das niemand ein, während
Apple-Liebhaber sich darüber lustig machen. Ich sehe
aber nicht, wieso man Apple die Vorreiterrolle nicht
offen zugestehen sollte - dort, wo Apple sie inne hat.
Ebenso schleierhaft ist mir aber auch, wieso man sich
seitens der Apple-Liebhaber darüber ärgert oder
lustig macht, dass andere die Vorlagen von Apple
kopieren, weiterentwickeln und für eine breite Masse
zugänglich machen. Apple kann sich die Vorreiterrolle
nun mal leisten, weil seine Produkte viel Geld kosten -
es spielt in der Premium-Liga. Im Sinne der sozialen
und wirtschaftlichen Gerechtigkeit sind aber günstige
Produkte ebenso wünschenswert. Da gibt es gar nichts
zu belächeln. Besonders, wenn man all die Sachen
bedenkt, die Apple seinerseits woanders abgeguckt
hat.
Apple ist also in vielen Dingen Vorreiter. Warum nicht auch in der Offenheit? Darüber sollten sich Apple-User Gedanken machen. Alle Apple-Hasser, die beim letzten Satz zufrieden genickt haben, sollten sich ihrerseits Gedanken darüber machen, ob es um die Offenheit bei anderen Herstellern wirklich deutlich besser steht. Hier gibt es noch viel zu tun und es wäre doch schön, wenn am Ende weder Apple noch der Rest der Welt, sondern alle zusammen im Sinne der Offenheit und des technischen Fortschritts den Sieg davon tragen könnten.
26.11.2010 09:11 - Tags: Meinungen Verbraucher Recht Gesellschaft Computer Internet Multimedia
Druckversion / 2 Kommentare / verlinkenEin bisschen nerven sie ja schon: diese ständigen Aufschreie, wenn es sich mal wieder herausstellt, dass Facebook Benutzerdaten verkauft hat oder dass SchülerVZ ein Datenleck hatte.
Und im Moment ist's ganz schlimm: Facebooks Dienst "Messages" will die klassischen Emails ersetzen [1]. Oha. Facebook hat verboten, auf den eigenen Seiten über "Lamebook", ein satirisches Blog über das große Social Network, zu kommunizieren [2]. Oho. Facebook will das Wort "Face" als eingetragene Marke in der Telekommunikation schützen [3]. Ahja. Und derweil blitzen am Horizont geradezu messianistische Facebook-Kontrahenten wie "diaspora" auf. Juhu.
Aber was steckt eigentlich dahinter? Es ist doch ganz nett bei Facebook, bis jetzt hat es noch keinem weh getan. Man hat doch schließlich nichts zu verheimlichen. Und wen wundert's, dass Facebook nicht auf der eigenen Webseite von "Lamebook" veräppelt werden will?
Und dann ist da noch dieses Lied vom angebissenen
Apfel. Kaum bringt das Unternehmen für
Unterhaltungselektronik aus Kalifornien ein neues
Produkt auf den Markt und Steve Jobs Jünger beginnen
das Loblied zu singen, da kommen diese miesepetrigen
Kritiker: Was soll man mit einem vier mal vier
Zentimeter großen Multi-Touchscreen, wenn da
überhaupt nicht zwei Finger gleichzeitig draufpassen
[4]?
Warum braucht so ein kleines Display Farbe, soll man
darauf Bilder oder gar Filme angucken?
So viel nur zum neuen iPod nano. Aber was sollen diese
Fragen? Er sieht unglaublich schick aus, es gibt keinen
anderen Multimedia-Player, der so fortschrittliche
Technologie auf so kleinem Raum vereint. Ist es nicht
vielleicht sogar angemessen, dass man dafür 150 Euro
hinblättern muss, auch wenn man für diesen Preis
inzwischen ein 5-Zoll-Android-Internet-Tablet bekommt
[5]?
Mein Blog bietet zu solchen Dingen keine pauschalen Antworten. Daher gebe ich an dieser Stelle meinen Lesern Gelegenheit, sich selbst eine Meinung zu diesen Fragen zu bilden. Mehrere Artikel, in denen ich die gängigen Meinungsbilder kritisch analysieren, zusammenfassen, ergänzen und natürlich auch um meine eigene Meinung ergänzen werde, sollen in nächster Zeit folgen.
24.11.2010 22:33 - Tags: Meinungen Verbraucher Recht Gesellschaft Computer Internet Multimedia
Druckversion / 9 Kommentare / verlinkenWer in Deutschland Musik, Filme, Bücher oder alle anderen Arten von urheberrechtlich geschütztem Material produziert, muss zunächst selbst darauf aufpassen, dass sein Urheberrecht nicht verletzt wird. Wenn jemand also ein Lied schreibt und ein anderer es hinter dessen Rücken zu Geld macht, geht das so lange gut, bis der Songwriter selbst auf die Idee kommt, von seinem Urheberrecht Gebrauch zu machen.
Weil es natürlich für einen einzelnen ziemlich schwer
ist, jeden zu erwischen, der sein Urheberrecht
missachtet, steht es jedem Urheber frei, Mitglied bei
der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und
mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) zu werden.
Die GEMA passt dann für ihn darauf auf, dass seine
Urheberrechte gewahrt bleiben.
Die GEMA wird weithin als ziemlich lästig empfunden.
Sie ist in den meisten Fällen schuld, wenn ein Video
auf YouTube "in deinem Land nicht verfügbar" ist.
Außerdem ist sie es, die die Tonspur bei meinem Video,
das aus einem Schulprojekt im Fach Latein [1]
entstanden ist, radikal entfernt hat, obwohl diese
Tonspur aus einer harmlosen Collage von Schnipseln aus
mehr oder weniger bekannten Liedern besteht.
Dass dieses radikale Entfernen unzähliger, teilweise
harmloser, Videos bei YouTube irgendwann eskalieren
würde, war abzusehen. Ein nettes Beispiel ist ein
aktueller Werbespot zu Sonys LCD-Fernseher "Bravia" [2]. Man
beachte dabei, dass dieser Werbesport sowohl mit
"offiziell" betitelt ist, als auch auf einem
offiziellen Channel von Sony Deutschland erschienen
ist, also nicht mal von einem ausländischen Standort
von Sony aus hochgeladen wurde.
Dennoch wird der Besucher des "Bravia in Motion
DE"-Channels mit dem folgenden Schriftzug
empfangen:

Viele YouTube-Besucher machen sich über Sony lustig.
Und obwohl diesen Witzbolden zu Recht vorgeworfen wird,
Sony sei es ja überhaupt nicht selbst, das die
Löschung veranlasst hätte, ist es doch skurril und
ich muss den Kommentaren im Wesentlichen beipflichten:
Es ist offensichtlich, dass hier die Schwachstelle der
radikalen Säuberungsstrategie der GEMA unerwünschte
Folgen verursacht. Das erinnert an jemanden, der sein
Haus mit einer Bombe von Mottenbefall befreien will.
Man denke sich also einen Songwriter, der bei der GEMA
angemeldet ist und eines Tages selbst dafür Strafe
zahlen muss, dass er stolz seinen neuesten Song in
einer Kneipe um die Ecke vor öffentlicher Audienz
vorgesungen hat.
13.11.2010 19:32 - Tags: Recht Kurioses Witziges Verbraucher Multimedia Internet
Druckversion / 2 Kommentare / verlinkenFacebooks Umgang mit Kundendaten war mir schon immer
suspekt. Man wundert sich auch viel zu wenig darüber,
welche Kapazitäten die Betreiber ihren Benutzern
völlig kostenfrei zur Verfügung stellen.
Es fängt damit an, dass man nach der Anmeldung den
Ratschlag bekommt, das Passwort seines Email-Accounts
einzugeben. Da lief mir bereits ein eiskalter Schauer
über den Rücken - ich verzichtete dankend. Dann
schlug man vor, ich solle doch die Kontaktdaten aus
meiner Email-Software exportieren und bei Facebook
hochladen. Hier war ich schon nicht mehr ganz abgeneigt
und exportierte aus meinem Adressbuch zumindest
diejenigen Kontakte, von denen ich wusste, dass sie bei
Facebook angemeldet waren. Das würde mir einige
Sucherei ersparen.
Datenschutzrechtlich anstößig wurde Facebook dann
wieder, als ich zum ersten Mal in Erwägung zog, eine
der Facebook-Applications zu aktivieren. Ohne Scheu
wies man mich darauf hin, dass die Entwickler der
Application (sic! nicht die Application selbst!) nach
der Aktivierung vollen Zugriff auf meine Daten und -
wirklich angsteinflößend - auf alle Wall-Einträge,
privaten Nachrichten, Fotos und sogar viele Daten
meiner Kontakte haben würden. Seitdem habe ich es nie
wieder auch nur in Betracht gezogen, eine solche
Application zu verwenden und immer, wenn ich sah, dass
einer meiner Kontakte eine solche Application
(FarmVille und co) in Verwendung hatte, überkam mich
das Gruseln.
Jetzt hat ein Hamburger Datenschützer Facebook in
Deutschland vor Gericht gebracht, wie Golem.de
berichtet [1]. Seine Anklage bezieht
sich insbesondere auf die oben genannte
Friend-Finding-Funktion, bei der man seine
Email-Kontakte an Facebook übermittelt. Das Problem
bei dieser Vorgehensweise ist offensichtlich, dass
Facebook auf diesem Wege Zugriff auf persönliche Daten
von Menschen bekommt, die bei Facebook gar nicht
angemeldet sind. Und das nutzt Facebook anscheinend
sogar radikal aus:
Die über die Friend-Finding-Funktionen gesammelten Daten von Menschen, die nicht zum Facebook-Nutzerkreis gehören müssen, würden zudem dauerhaft gespeichert.
Ich bin wirklich entgeistert. Es war klar, dass auch Facebook nichts zu verschenken hat. Aber so nonchalant Daten zu akkumulieren, ohne die Einwilligung der Betroffenen einzuholen oder sie auch nur darüber zu informieren, ist kein Kavaliersdelikt. Natürlich habe ich von Anfang an vermieden, wirklich persönliche Dinge bei Facebook zu hinterlassen. Aber wenn man dann mal eine Nachricht an einen Freund in Facebook schickt, ist man auch nicht immer so geistig anwesend, dass man alles Private herausfiltern könnte. Und wenn ich mir überlege, dass der Kontakt, dem ich diese Nachricht schicke, eventuell eine Application aktiviert hat, die Zugriff auf diese meine Nachricht erhält - dann weiß ich echt nicht mehr, ob ich überhaupt noch irgendwas bei Facebook machen kann, ohne dass ich fürchten muss, dass ein Dritter darüber in Kenntnis gesetzt wird, von dessen Existenz ich überhaupt nichts erfahre.
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