Schwimmen zählt schon
seit vielen Jahren zu meinen Hobbys und ist die einzige
Sportart, die ich je über einen längeren Zeitraum
regelmäßig betrieben habe. Daran wird sich auch in
absehbarer Zeit nichts ändern: Schwimmen ist gesund
und erfrischend. Lediglich ein Schwimmbad ist nicht
überall und jederzeit zur Hand und man wird nicht
leugnen können, dass man nicht immer in der Stimmung
ist, bis zu zwei Stunden alleine seine eintönigen
Bahnen zu ziehen. Für die Motivation gelangweilter
Schwimmer führt Speedo, der australische Hersteller
für Schwimmartikel aller Art, seit einiger Zeit einen
wasserdichten MP3-Player, den "Speedo Aquabeat".
Nachdem ich schon seit über einem Jahr immer mal wieder nach diesen Geräten geschielt hatte, kaufte ich mir in einer Spontanaktion vor wenigen Wochen den Aquabeat mit 1GB Speicher [1]. Bei identischer Ausstattung hatte ich die Wahl zwischen grün, pink und schwarz. Wer mit einem MP3-Player schwimmt, wird den ein oder anderen neugierigen Blick nicht verhindern können. Diesem Umstand wollte ich nicht auch noch mit knalligen Signalfarben zuträglich sein und entschied mich für das dezente Schwarz.
Das kleine Gerät macht einen äußerst robusten Eindruck. Dabei ist es sehr leicht, kann aber mit einer gummierten, widerstandsfähigen Oberfläche überzeugen. Das Problem eines störenden Ohrhörerkabels hat man intelligent gelöst: Wie das Kabel an klassischen Telefonhörern ist das Kabel verdrillt und dadurch zugleich platzsparend und bei Bedarf ausreichend dehnbar. Die Erfahrung des Youtube-Nutzers [2], dem die Gummiaufsätze der Ohrhörer im Gehörkanal stecken blieben, teile ich nicht. Bei Bedarf lassen sich die Gummiaufsätze tatsächlich ohne Mühe entfernen (und gegen die mitgelieferten in drei unterschiedlichen Größen austauschen). Die Gefahr, dass sich diese im Ohr lösen, halte ich dennoch für gering.
Die wenigen Tasten
erlauben nicht die Organisation größerer
Musiksammlungen. In der Regel hat man im Wasser sowieso
Besseres zu tun und beschränkt sich hauptsächlich auf
die Lautstärkeregelung, was dank der haptischen
Tastenoberfläche auch wunderbar blind funktioniert,
wenn der Aquabeat an der Schwimmbrille am Hinterkopf
befestigt ist. Die Musiktitel werden über das
mitgelieferte USB-Kabel vom Computer übertragen, auf
dem sich der Aquabeat (auch unter Linux, getestet mit
Fedora 15 und 16) als herkömmlicher Massenspeicher zu
erkennen gibt. Die Titel werden anschließend in der
Reihenfolge abgespielt, in der man sie rübergeladen
hat. Diese Reihenfolge lässt sich nachträglich mit
der mitgelieferten Software verändern. Alternativ kann
man die Software verwenden, die ich in meinem Artikel
zu diesem Thema empfohlen habe [3].
Wie man den Aquabeat an einer Schwimmbrille befestigt und die Ohrhörer anzieht, beschreibt eine YouTube-Nutzerin recht ausführlich [4]. Dem ist allerdings hinzuzufügen, dass die Ohrbügel nicht jedermanns Sache sind. Ich habe sie kurzer Hand entfernt. Wie das dann aussieht, kann man auf meinem zugehörigen Fotoalbum auf Picasaweb beäugen [5].
Hat man sich erstmal bewusst je nach Größe der Ohren für oder gegen die Ohrbügel entschieden, ist der Tragekomfort erstaunlich gut. Eigene Erfahrungen konnte ich zwar nur mit Badekappe machen, weil in dem Schwimmbad, in dem ich trainiere, Badekappenpflicht besteht. Ich habe aber ohnehin das Gefühl, dass die Badekappe den Sitz der Ohrhörer sogar verbessert und effektiv dazu beiträgt, dass kein Wasser in den Gehörgang gerät. Nach spätestens 45 Minuten wird es in der Regel trotzdem vorkommen, dass ein Ohrhörer verrutscht und neu eingesetzt werden muss - ein kaum störender Umstand. Lästiger ist die Tatsache, dass die Ohrhörer, die recht tief im Gehörgang stecken, ziemlich zu drücken beginnen, nachdem man 40-50 Minuten mit ihnen geschwommen ist.
Obwohl Speedo seine Aquabeat-Reihe in Zusammenarbeit mit iRiver, dem Spezialisten für portable Musikspieler, entworfen hat, sollte man von der Tonqualität keine Wunder erwarten. Zum einen stellt das Verschließen gegen eindringendes Wasser begreiflicherweise eine Einschränkung für die Technik der Kopfhörer dar. Zum anderen ist ja ständig das je nach Schwimmart mehr oder weniger dezente Rauschen des Wassers zu hören. Von satten Bässen kann man unter diesen Umständen nur Träumen. Wem Musik so keinen Spaß macht, kann immer noch dem ein oder anderen Hörbuch/Hörspiel lauschen: Eine Folge der "Drei Fragezeichen" beispielsweise passt wunderbar in eine ausgewogene Trainingseinheit.
Für ein paar Euro mehr
bekommt man das Nachfolgemodell mit Namen "Speedo LZR
Racer Aquabeat", das mit einem leicht überholten
Design, neuen Kopfhörern und 2GB Speicher auftrumpft.
[6] Der
Aufpreis ist zwar nur gering, aber es steht in Frage,
ob man wirklich 2GB Speicher braucht, wenn man seine
Titel sowieso ohne Display verwalten muss, von
besonders hoher Aufnahmequalität wenig profitiert und
in der Regel nicht länger als zwei Stunden am Stück
hört. Das Design ist Geschmacksache. Bleiben die
Ohrhörer: Hier scheint das Kabel in die Ohrbügel
integriert worden zu sein. Diese Kabelführung könnte
Kabelbrüche zwar effektiv verhindern. Ob die Ohrbügel
aber unter diesen Umständen noch abnehmbar sind, ist
fraglich.
Ein Hinweis darauf, dass das überarbeitete Kopfhörer-Design des 2GB-Modells sich nicht bewähren konnte, ist, dass es inzwischen den "Aquabeat 2.0" gibt, der wieder mit den alten Kopfhörern ausgestattet wurde. Er versucht mit einem rundum erneuerten Design, 4GB Speicher und einem Display zu überzeugen und bewegt sich preislich noch moderate 20-30 Prozent über seinen Vorgängern.
Doch es gibt auch Alternativen zu Speedo. Deutlich günstigere wasserdichte Musikspieler kommen aus dem weitgehend unbekannten Hause Lavod [7]. Modelle mit Nackenbügel findet man auch, wenn man die Suche auf den internationalen Markt ausweitet. Für Schwimmer, die bereits einen herkömmlichen Musikspieler besitzen, werden auf waterproofmusic.com [8] passende wasserdichte Hüllen und Ohrhörer vertrieben. Und zuletzt gibt es das bemerkenswerte Konzept des etwas teureren "Finis SwiMP3" [9], bei dem der Ton nicht über herkömmliche Ohrhörer ans Trommelfell gelangt. Stattdessen werden die Schallwellen direkt über die Knochen geleitet (so genannter Knochenschall).
Mancheiner mag einen Musikspieler beim Schwimmen als Spielerei bezeichnen und das wird man nur schwerlich bestreiten können. Doch Potenzial, die Motivation für regelmäßiges Schwimmtraining zu erhöhen, hat so ein Spielzeug allemal. Eine gewisse Skepsis gegen dieses Gerät ist allerdings gesund: Ein Schwimmtraining ohne Trainer und Begleitung hat schließlich immer auch etwas Meditatives, das ein Stück weit zwar von der richtigen Musik unterstützt werden kann, in der Regel aber nicht unerheblichen Schaden nimmt. Das einsame Bahnenziehen bietet eine in der heutigen Zeit seltene Gelegenheit, mental zur Ruhe zu kommen, zu sich selbst zu finden. Auch wenn der wasserdichte MP3-Player also eine tolle Unterhaltung bietet, sollte man ihn vielleicht dennoch von Zeit zu Zeit auch mal am Beckenrand liegen lassen.
Das geliehene Stage Piano (Yamaha P-140), das mir im vergangenen Jahr meines Studiums einen akzeptablen Ersatz für ein richtiges Klavier bot, musste ich Ende des Sommersemesters leider wieder abgeben. Wenn man über 14 Jahre Klavier gespielt hat, kann es natürlich nicht lange dauern, bis sich die juckenden Finger nach einem neuen Spieluntersatz sehnen. Und tatsächlich findet sich seit fast zwei Wochen wieder eine Klaviatur in meinem Zimmer.
Ein Digitalpiano in
elegantem Rosenholz-Look mit einer Masse von fast 70
Kilogramm ziert jetzt eine Wand meiner sonst eher
bescheidenen 13 Quadratmeter. Über der Klaviatur, die
mit einem stilechten Deckel vor Staub geschützt werden
kann, prangt in goldenen Lettern der Schriftzug
"Yamaha" und erinnert damit an das Design der
mechanischen Modelle des japanischen Herstellers von
Musikinstrumenten aller Art. Es handelt sich um ein
Yamaha Clavinova CLP-440 [1], also ein Homepiano -
eines jener Digitalpianos, die neben ihren
musikalischen Fähigkeiten einen ästhetischen Zweck
als schickes Mobiliar wunderbar erfüllen können.
Dem Tag aber, als
plötzlich ein riesenhafter Karton - beinahe so groß
wie ich nämlich und dabei mit 98 kg sogar deutlich
schwerer - vor meiner Haustüre stand, gingen viele
Wochen, gar Monate, der Entscheidungsfindung voraus.
Eigentlich war zu Anfang nur klar, dass es ein
Digitalpiano werden sollte. Ein richtiges Klavier kam
schon aufgrund der Lautstärke für ein
Studentenwohnheim nicht in Frage. Mehr verwirrt als
beraten von dem naturgemäß inhomogenen Meinungsbild
im Internet auf Seiten wie Musiker-Board [2] und
Clavio [3] machte ich mich auf den
Weg in das große Ladengeschäft von Session-Music in
Frankfurt [4].
Meine erste Erkenntnis bei der riesigen Auswahl an Digitalpianos aller Preisklassen sollte leider sein, dass ich selbst die teuersten noch für ziemlich schlechte Imitate eines richtigen Klaviers hielt. Der Digitalpianokauf wurde also zur Suche nach dem kleinsten Übel. Dass dabei ein Stage Piano von 30-40 kg mit einem Ständer beliebiger Bauart ein eher wackeliges Spielgefühl verursachte, unter dem ich auch im vergangenen Jahr zu leiden hatte, brachte mich zu dem Entschluss, Stage Pianos trotz ihres praktischen Formats ganz auszuschließen.
Indem ich die unterschiedlichen Modelle von Casio, Kawai, Roland, Yamaha, Nord und Korg immer wieder verglich, verfestigte sich in mir die Überzeugung, dass ich mich nur mit der Yamaha-Mechanik anfreunden wollte - vielleicht deswegen, weil ich mich im vergangenen Jahr schon zu sehr an die Mechanik eines Yamaha-Modells gewöhnt hatte. Einige weitere Wochen gründlicher Meditation und wehmütiger Blicke auf die eigenen Finanzen vergingen, bis ich mich dann endlich kurz nach Beginn des Wintersemesters zum Kauf eines CLP-440 im Kölner Music-Store durchringen konnte.
Glücklicherweise bin ich bis heute mit jedem Tag ein Stückchen überzeugter von dieser Entscheidung. Ich habe das Gefühl, gerade ein solches Modell gewählt zu haben, dass größere Investitionen nur noch in schöneres Design und Funktionen, die ich niemals brauchen werde, geflossen wären, wohingegen jegliche Ersparnisse sofort auf Kosten von Funktionen, auf die ich wert lege, gehen würden - etwa Saitenresonanz, Key-Off-Samples, echte Dämpferpedal-Samples und elfenbeinartige Beschichtung im Vergleich zum CLP-430.
Die zahlreichen Funktionen und die beeindruckende Soundengine wurden in einem Video von Session-Music auf YouTube recht umfassend vorgestellt [5], sodass ich keine Notwendigkeit sehe, diese Details an dieser Stelle zu wiederholen. Das tatsächliche Spielgefühl, das durch Tastenmechanik und -beschichtung bedingt ist, wird man aber erst kennen lernen können, wenn man selbst Gelegenheit hatte, das Modell anzuspielen. Übrigens hat meine Erfahrung gezeigt, dass man klanglich sehr viel bessere Ergebnisse mit teuren Kopfhörern als mit den integrierten Lautsprechern erzielen kann. Dabei sind Kopfhörer einer gehobeneren Preisklasse schon aufgrund des Tragekomforts günstigeren Modellen vorzuziehen. Ich habe mich aus diesen Gründen zum Kauf von Beyerdynamic DT-770 Pro (80 Ohm) [6] entschieden und kann diese Kopfhörer wärmstens weiterempfehlen.
Zwei wichtige Empfehlung an alle Klavierbegeisterten, die selbst den Kauf eines Digitalpianos planen: Zum einen sollte man sich nicht zu lange mit den Empfehlungen und Erfahrungsberichten in Internetforen und Testzeitschriften aufhalten. Eine Entscheidung, die wirklich glücklich macht, kann nur vor Ort in einem großen Musikgeschäft fallen, sobald man alle möglichen Modelle (mit guten Kopfhörern!) gründlich angespielt hat. Der zweite Tipp betrifft das Finanzielle: Weil die Preisschwankungen bei Digitalpianos recht moderat ausfallen, sind die Chancen auf ein Schnäppchen am höchsten, wenn man dem Musikgeschäft seines Vertrauens zusätzlich zum gewünschten Modell einiges Zubehör auflistet und um einen guten Preis für das Gesamtpaket bittet. Dabei kann man schon mal bis zu 150 Euro sparen, wenn man gute Kopfhörer, einen ordentlichen Ständer (bei Stagepianos) und eine passende Klavierbank auswählt.
Bevor mein
Gutschein-Paket Ende des Semesters (für Erstsemester)
bzw. im September (für Neubürger) seine Gültigkeit
verliert [1], musste ich wenigstens
noch von dem verlockenden Angebot Gebrauch machen,
kostenfrei einer Vorstellung des Beethovenorchesters
beizuwohnen. Weil ich schön länger besondere
Sympathie für die neunte und letzte Sinfonie ("Aus der
neuen Welt") Antonín Dvořáks hegte, sollte der
Gutschein anlässlich des sechsten Sonntagskonzert [2] am
vergangenen Sonntagabend Verwendung finden.
Mit zwei Kommilitonen, die ebenfalls ihre Gutscheine einsetzten, besorgten wir knapp zwei Wochen zuvor Karten und erhielten drei Plätze nebeneinander im Rang (teuerste Preisklasse). Zum Konzert selbst erschienen wir dann eine gute halbe Stunde vor Beginn und konnten so noch anhören, was Ulrich Wilker (von der Kölner Universität) über das modernste der drei für diesen Abend geplanten Stücke zu erzählen hatte: Das heißt, er sprach über das Konzert für Violoncello und Orchester des polnischen Komponisten Witold Lutosławski. In der kurzen Zeit konnte der junge Mann natürlich keine bahnbrechenden Erkenntnisse vermitteln. Der Vortragsstil war auch nicht ausnehmend mitreißend. Doch nützlich war der Vortrag allemal angesichts der Tatsache, dass ich vorher kein Wissen, geschweige denn eine Vorstellung von diesem Stück und diesem Komponisten gehabt hatte - nach der Einführung war ich immerhin etwas auf Stil und Konzeption eingestellt.
Die Beethovenhalle, in der das Konzert (so wie alle großen Auftritte des Beethoven-Orchesters) stattfand, überragt nicht durch ihre Größe. Der große Saal kann keine besonders extravagante oder moderne Innenarchitektur vorweisen. Aber langweilig ist sie allemal nicht. Und letztlich besticht sie bekanntermaßen vor allem durch ihre besonders raumfüllende, brillante Akustik. Mangels der nötigen Expertise auf diesem Gebiet konnte ich diesen Vorzug kaum in ausreichender Form würdigen. Meinen laienhaften Ohren gefiel aber auf jeden Fall, was zu hören war.
Mit Preisen zwischen 11 und 29 Euro sind selbst die großen Sinfoniekonzerte des Beethovenorchesters sehr preiswert. So wird dies auch ohne Gutschein sicher nicht mein letzter Besuch in der Beethovenhalle gewesen sein. Denn die gut zwei Stunden inklusive Zugabe mit dem österreichischen Dirigenten Walter Weller haben mir gut gefallen. Das Beethoven-Orchester hat die ohnehin wundervollen Stücke der drei osteuropäischen Komponisten unter dem Motto "Von der großen Sehnsucht" überzeugend und mitreißend aufgeführt, sodass ich die Webseite des Beethoven-Orchesters [3] in der nächsten Saison im Auge behalten werde.
Vor einiger Zeit
veröffentlichte ich an dieser Stelle einen Artikel
über Klavierstücke, die schwerer klingen, als sie
letztendlich sind [1]. Die Sammlung von
damals wurde mit einem Verweis auf Frank
Federsel abgeschlossen - ich schrieb, niemand
scheine die "unfassbare Einfachheit" seiner Stücke zu
begreifen.
Inzwischen hatte ich die Möglichkeit, einen Blick in die Noten von Ein Ort für meine Träume zu werfen und das Stück selbst anzuspielen. Ohne die Kompositionen Federsels schlecht machen zu wollen, werde ich in diesem Artikel den ersten Satz [2] dieser Sonate ein wenig genauer unter die Lupe nehmen. Die Zeitangaben beziehen sich auf das verlinkte YouTube-Video
Die ersten dreieinhalb
Minuten lassen eine klassische Sonatenhauptsatzform
vermuten. Die Einleitung bis 0:30 erinnert entfernt an
Mozarts Fantasie in d-moll [3], diese Art von Arpeggio
dürfte aber wohl in vielen Stücken anzutreffen
sein.
Als Exposition könnte man die Passage bis 1:49
verstehen: Hier tritt ein Thema A auf (0:33 -
0:56), das direkt wiederholt wird. Ein mehr oder
weniger stark kontrastierendes Thema B schließt
sich direkt an (1:28 - 1:49). Beide Themen sind in der
klassischen Periode mit Vorder- und Nachsatz
komponiert. Dass die Exposition nicht wiederholt wird,
ist keine nennenswerte Abweichung von der Regel.
Im Nachfolgenden Durchführung und Reprise klar
voneinander zu trennen fällt schwer. Thema A tritt -
unterbrochen von einem Zwischenspiel - in zwei neuen
Tonarten auf (zuerst bis 2:13, dann 2:42 - 3:03).
Danach werden die Themen A und B bis 3:32 in wieder
anderen Tonarten leicht variiert.
Bis hierhin ist alles ganz konventionell konzipiert.
Wären Durchführung und Reprise weniger miteinander
verschmolzen, hätte man das Stück an dieser Stelle
beenden können.
Es schließt sich aber ein ziemlich freies Zwischenspiel an, in dem eine Melodie anklingt, die vielen Hörern aus dem Film "Herr der Ringe" (In Dreams [4]) bekannt sein dürfte (3:48 - 3:54). Wer genau hinhört, erkennt, dass es sich außerdem um eine rhythmische Variation des Themas B handelt. Ist etwa das gesamte Thema B besagter Filmmusik entlehnt?
Ab 5:10 wird ein neues
Thema C eingeführt, dessen Ähnlichkeit zu dem
berühmten Thema aus Beethovens "Sturm"-Sonate
(Nr. 17), 3. Satz [5], verblüffend ist. Was
sich ab 5:36 anschließt, kann seine Ähnlichkeit zu
einem Motiv aus Beethovens Mondschein-Sonate, 3.
Satz ([6] ab 1:04), nicht ganz
verbergen. Zu diesem Thema D1 gehört noch ein
Thema D2 (6:01 bis 6:39), dessen musikalische
Konzeption an Mozarts Sonate Nr. 14, Satz 1 ([7] ab
0:50), erinnert.
Ähnlich wie im ersten Teil des Stückes wird jetzt
Thema C in zwei neuen Tonarten wiederholt: erst bis
6:57 und dann nach einem ziemlich fantasielosen
Übergang erneut bis 7:13. Ebenfalls in neuer Tonart
präsentieren sich daraufhin die Themen D1 (bis 7:40)
und D2 (bis 8:23), letzteres in leichter Variation.
Eine Wendung zum Schluss leitet die übertrieben
ausgeschmückte Variation von Thema C ab 8:30 ein. Nach
einem rhythmisch an moderne Pop-Songs erinnernden
Ausklang (8:45 - 9:05) schließt eine melancholische
Coda das Stück ab.
Insgesamt wirken die 10 Minuten etwas wahllos
zusammengepflückt. Vier bzw. fünf Themen - je nach
Zählweise (A,B,C,D1,D2) - sind in dieser Kombination
zu viel. Ich hätte statt der langweiligen
Transpositionen mehr Variationen erwartet. Dass
sich der Komponist mit freien Variationen schwer zu tun
scheint, kommt aber auch in den etwas missglückten
Zwischenspielen zum Vorschein. Das ist schade, wenn man
bedenkt, dass er sich bereits bei der klanglichen
Konzeption der Themen selbst an bereits
existierenden Stücken orientiert zu haben
scheint.
Beim Spielen ist mir außerdem aufgefallen, dass einige
Rhythmuswechsel und rhythmische Überlagerungen, hohe
Tonlagen, Überkreuzstellung der Hände sowie der
häufige Vorzeichenwechsel wie Schikane gegen
Klavieranfänger wirken. Wirklich anspruchsvoll
wird das Stück dadurch allerdings nicht.
Die Noten des gut 10
Minuten dauernden Satzes werden über das Internet für
stolze 17 Euro vertrieben [8] und umfassen 15
DIN-A4-Seiten. Die musikalische Qualität rechtfertigt
diesen Preis meiner Meinung nach nicht. Man sollte sich
selbst überlegen, ob man so viel Geld dafür ausgeben
will.
Bei vielen klassischen Klavierstücken findet man erst
richtig gefallen an der Musik, wenn man sie selbst
spielt. Bei diesem Stück verlor ich die Lust, nachdem
ich es einmal von vorne bis hinten vom Blatt gespielt
hatte.
Hätte Federsel die ständigen Wiederholungen in
anderen Tonarten ausgespart, würde dieses Stück ein
wunderbares Übungsstück für Anfänger abgeben: Es
klingt nett (immerhin sind motivische Ideen großen
Meisterwerken von Mozart und Beethoven ähnlich, um
nicht zu sagen "entnommen") und enthält viele
verschiedene rhythmische, melodische und harmonische
Konzepte. Durch die Transpositionen und die
übertriebene Gesamtlänge würde dieses Stück
allerdings eher zum Geduldsspiel für einen
Anfänger.
Bonn ist Deutschlands Hochburg
der Mathematik - gewissermaßen sogar offiziell: Die
Exzellenzinitiative des Bundes hat hier vor zwei Jahren
den einzigen Exzellenzcluster im Fachbereich Mathematik
genehmigt. Das heißt zum einen, dass das Bonner
Hausdorff Research Institute for Mathematics (HIM)
finanziell kräftig zugespielt bekommt. Aber zum
anderen bedeutet das auch, dass die besten Professoren
Deutschlands und viele namhafte Forscher aus anderen
Ländern an diesem Ort versammelt werden.
Die Stadt Bonn kam da auf die hervorragende Idee, diese geballte Expertise im Fach Mathematik mit der Bevölkerung zu teilen. (Zumal Mathematik als eines der MINT-Fächer momentan sehr um die Gunst der Öffentlichkeit buhlt.) Man richtete also vor einiger Zeit den halbjährig stattfindenden "Mathematischen Salon" im HIM ein [1]. Dabei handelt es sich um eine Abendveranstaltung in den wunderschönen Räumlichkeiten des HIM mit freiem Eintritt. Das Programm besteht jeweils aus einem wissenschaftlichen Vortrag umrahmt von zwei musikalischen Darbietungen.
Ich war vergangene Woche dort und kann von einem
aufregenden Abend berichten. In den kleinen, dafür
aber umso schickeren Räumlichkeiten waren alle
Sitzplätze belegt, als ein Herr mit weißem Bart die
Stimme für einige Begrüßungsworte erhob. Auf dem
gedruckten Programm konnte man etwas über das Thema
des Abends und die Vortragenden erfahren und das war
höchst interessant.
Bemerkenswert ist zunächst, dass es sich bei den
beiden Musikern um Profis handelte. Der Pianist, Rob
Schneiderman aus Boston, Massachusetts, [2] hatte
bis Anfang dreißig eine musikalische Laufbahn
verfolgt, bevor er sich entschloss, seine Liebe zur
Mathematik in einem Studium derselben auszudrücken. Er
trägt inzwischen einen Doktortitel in diesem Fach und
forscht momentan am hiesigen Max-Planck-Institut für
Mathematik. Zusammen mit dem Kontrabass-Spieler John
Goldsby [3], der seit 1994
Solo-Bassist in der Big Band des Westdeutschen
Rundfunks ist, spielte er groovige Improvisationen auf
unterschiedliche Stücke von Jazzgrößen des 20.
Jahrhunderts.
Nur thematisch war der musikalische Beitrag
Rahmenprogramm. Qualität und zeitlicher Umfang setzten
Musik und wissenschaftlichen Vortrag mindestens auf
eine Stufe. Den Essay mit dem Titel "Alles ohne
Erfahrung? Über Freude und Leid des Apriorismus" trug
der studierte Mathematiker, Philosoph und Altphilologe
Ulrich Nortmann vor. Er diskutierte darin den Charakter
der mathematischen Forschung insbesondere in Hinblick
auf die scheinbar völlig fehlende Empirie.
Den musikalischen und essayistischen Vorträgen folgte
der laut der Moderation "wichtigste" Teil des Abends:
die freie Diskussionsrunde. Der Moderator hatte
abschließend noch in die Runde gefragt, wer von den
versammelten Gästen denn nun als "Mathematiker" zu
bezeichnen sei, und - man glaubt es kaum - nur weniger
als die Hälfte zeigten auf.
Die freien Diskussionen fanden in den vielen niedlichen
Räumlichkeiten des HIM statt, wo überall Stehtische
platziert worden waren, an denen man zum Gespräch
kostenlos Rotwein, Wasser und Laugengebäck zu sich
nehmen durfte.
Ich hatte nur noch ein sehr interessantes Gespräch mit
einem Unternehmensberater - ehemaliger Mathematiker und
anschließend Chemiker -, verließ die Gesellschaft
aber schon früh; zu einem Zeitpunkt, da die meisten
Diskussionen noch in vollem Gange waren. Ich hatte es
nicht leicht, Anschluss zu finden: Immerhin gab es kaum
Gäste unter 35 mal abgesehen von den oft noch sehr
jungen Kindern einiger Anwesenden.
Eines ist aber gewiss: Ich werde mir den nächsten
"Mathematischen Salon" (im Mai) nicht entgehen und es
mir nicht nehmen lassen, ihn wärmstes allen zu
empfehlen, die ein bisschen Sinn für Mathematik,
Philosophie und natürlich Musik haben.
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