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Schlagwort "Karriere"

Das Studium der Anderen: Eindrücke eines Fachfremden

Ich begann dieses Wintersemester zusammen mit fast 200 Studenten ein Mathematikstudium an der Universität Bonn. Zweihundert waren zwar schon eine ganze Menge - aber angesichts der über siebenundzwanzigtausend anderen Studenten, fühlte ich mich doch nicht so richtig als Student der Universität Bonn, solange ich keine Ahnung hatte, was eigentlich in den anderen Fachbereichen dieser großen Bildungseinrichtung passierte.

Es klingt aber auch wirklich so schrecklich interessant, was sich besonders im Stadtzentrum, im Universitätshauptgebäude, tagtäglich abzuspielen scheint. Ein Blick ins Vorlesungsverzeichnis lässt nur erahnen, was wir Naturwissenschaftler und Mathematiker hier im Poppelsdorfer Campus unbemerkt verpassen.

In einer der vergangenen Wochen nahm ich mir die Zeit, als Fachfremder Einblick in die unterschiedlichen Bereiche der Geisteswissenschaften zu erhalten. Die Freizeit, die mir als Mathestudent noch vergönnt ist, kratzte ich zusammen und füllte sie gnadenlos mit Vorlesungen und Veranstaltungen aller Art aus Romanistik, Hispanistik, Anglistik, Philosophie, Asienwissenschaften, Kommunikationswissenschaften, Klassischer Philologie, Germanistik, Psychologie und Musikwissenschaft.

Das Semester hatte natürlich bereits vor einiger Zeit begonnen, was einerseits den Vorteil hatte, dass die Warmlauf-Phase bereits überstanden war. Andererseits drohte die thematische Desorientierung, die sich bei mir mangels hinreichender Vorkenntnisse hätte einstellen sollen, ein Nachteil zu werden. Diese Befürchtung bestätigte sich allerdings nicht. Das Wissen in den Geisteswissenschaften scheint wenig aufeinander aufzubauen. Dieser Eindruck mag aber auch damit zusammenhängen, dass ich vorwiegend Einführungsveranstaltungen besuchte, in denen breit gefächertes Grundwissen vermittelt wurde.

Ein wenig verwunderlich war es schon, als man in Einführung in die Kommunikationswissenschaften die Terminologie des "Kommunizierenden Menschen" definierte, als sei die Bedeutung des Wortes "Kommunikation" noch nicht klar - in der sechsten Veranstaltung.
Der Chinesisch-Kurs für Asienwissenschaftler war dagegen beeindruckend weit fortgeschritten: Hier konnte die Dozentin bereits kurze Texte diktieren, die von den Studenten ziemlich geschickt in den richtigen chinesischen Schriftzeichen niedergeschrieben wurden.
Zum Vergleich: Ein Chinesischkurs am Sprachenzentrum der Universität, dem ich ebenfalls beiwohnte, war auch nach zwei Semestern noch lange nicht so weit fortgeschritten wie die Erstsemester im Kurs für Asienwissenschaften.

Beachtlich, aber nicht weiter verwunderlich, waren die Französisch-Sprachkenntnisse der Romanistik-Studenten in der Vorlesung über Varietätenlinguistik. Die Thematik wurde sehr locker, wenig anspruchsvoll, aber dafür umso spannender gehandhabt.
Einen ähnlich positiven Eindruck machte die Einführung in die germanistische Linguistik. Dieser Vorlesung konnte man auch einigen Anspruch nicht abstreiten. Dafür schienen allerdings einige Studenten auch überfordert. Und der Professor, der die Vorlesung wirklich sehr interessant gestaltete, beklagte sich in einem kleinen Gespräch am Ende der Vorlesung über mangelndes Interesse in den Kreisen der Germanisten - schade, dass es an der Universität Bonn kein eigenes Fach "Linguistik" gibt.

Vielleicht ein Glanzlicht unter den von mir besuchten Veranstaltungen war eine, die Thomas Manns Epochenroman Der Zauberberg thematisierte, den ich bereits vor fast 4 Jahren etwas stümperhaft in einem viel zu kurzen Artikel erwähnte [1]. In der Vorlesung zum Thema fehlte es jedenfalls nicht an Spannung und Witz und schon gar nicht an Anspruch. Mit freundlicher Genehmigung des Dozenten, werde ich - quasi ein Fremdkörper aus der geradezu literaturfremden Mathematik - an dieser Veranstaltung nun regelmäßig teilnehmen.

In der Einführung in die griechische und lateinische Literaturgeschichte erarbeitete man gerade einen Epochenüberblick von griechischer Archaik bis zu byzantinischer Literatur. Die Vorlesung endete mit einem kurzen Einblick in die entsprechenden Epochen der lateinischen Literatur. Hier wurde sehr deutlich, wie die Fundamentbildung von Wissen in den Geisteswissenschaften grundlegend anders verläuft als in der Mathematik. Während man in dieser mit atemberaubenden Tempo quasi in die Höhe strebt, also neue Erkenntnisse aus wenigem vorher Erkannten ableitet, stecken jene das Gebiet zu Anfang breit ab, um dann nur allmählich die Höhen und Tiefen des Stoffes zu ergründen.
Dass der Lehrstil der Physiker in dieser Hinsicht einige Ähnlichkeit mit dem der Mathematiker hat, wurde übrigens anschließend in der Vorlesung Theoretische Physik II deutlich. Dort war ich als Fachfremder gänzlich orientierungslos und hätte kaum hoffen können, in absehbarer Zeit den Anschluss zu finden.

Doch zurück zu den Geisteswissenschaften. Ich besuchte noch eine Vorlesung über Musik in intermedialen Zusammenhängen, wo man den Film "Ludwig van" aus den 70er Jahren analysierte. Die Diskussionen fanden durchaus auf gehobenerem Niveau statt, ich hatte allerdings keinerlei Schwierigkeiten, den Ausführungen zu folgen.
Die Einführung in die Philosophie war ähnlich konzipiert. Der Dozent wagte durchaus, die eine oder andere schwierige Kontroverse einzuwerfen, blieb aber auf einer allgemein verständlichen Stilebene. Thema der Vorlesung, der ich beiwohnte, war die "Wissenschaftsphilosophie".

Noch eine Einführungsveranstaltung besuchte ich im Bereich Anglistik: Introduction to linguistics. Es handelte sich hierbei um die einzige Vorlesung in meiner Liste, die komplett in einer Fremdsprache gehalten wurde. Doch auch hier gab es weder inhaltliche noch sprachliche Verständnisschwierigkeiten. Ich wohnte einer Besprechung des Themas Varietäten (Dialekte) der englischen Sprache bei. Die Englischkenntnisse aus der Schule reichten für die sprachlichen, meine Allgemeinbildung für die thematischen Ansprüche der Vorlesung völlig aus. Der Professor gestaltete seine Vorlesung zwar interessant, so richtig begeistern konnte ich mich dafür aber nicht.

Zwar inhaltlich hoch interessant und anspruchsvoll, aber bezüglich der Aufmachung absolut einschläfernd war eine Veranstaltung über Ovid-Rezeption im Mittelalter. Natürlich verstehe ich kein Mittelhochdeutsch, aber der Professor übersetzte freundlicherweise alles immer sofort, wenn er etwas zitierte. Und da mir aus dem Lateinunterricht Ovid bereits ein Begriff war, konnte ich auch dieser Thematik recht gut folgen. Nur dass der Professor jeden Satz seines Vortrags mit unwahrscheinlich monotoner Stimme abzulesen schien, war wenig vorteilhaft.

Grundbegriffe der Literaturwissenschaft konnte der Hispanistik- und Altamerikanistikprofessor in seiner gleichnamigen Veranstaltung zwar vermitteln. So richtig kompetent wirkte er dabei aber nicht und die Grundbegriffe der Lyrik, die in der Vorlesung behandelt wurden, der ich beiwohnte, waren mir bereits aus der Schule wohl bekannt.
Ebensowenig waren mir die Themen der Vorlesung Musikalische Satztechnik und Analyse fremd. Obwohl es bereits die fünfte Veranstaltung war, beschäftigte man sich zum ersten Mal mit Dur- und Moll-Dreiklängen, ihren Umkehrungen und Funktionen und dem Quintenzirkel. Das Vortragstempo stellte im Übrigen auch keinen baldigen Wechsel auf eine höhere Anspruchsebene in Aussicht.

Wesentlich interessanter war schließlich die Einführung in die Psychologie, wo man sich mit dem Libet-Experiment und dem Stanford-Prison-Experiment von Philip Zimbardo (siehe dazu auch den Film mit Moritz Bleibtreu [2]) beschäftigte. Auf Nachfrage ging die Dozentin dabei auch gerne weiter auf aktuelle Standpunkte in der Psychologie ein. Nicht zufriedenstellend beantworten konnte sie allerdings die Nachfragen zu ihrer eigenen Definition vom Begriff "Ich". Ob sie da in einem Anfänger-Kurs nicht zu weit ins Detail gehen wollte oder ob ihre Kompetenz in der Hinsicht zu wünschen übrig ließ, wurde nicht ganz klar.

Obwohl das Universitätshauptgebäude ganz andere Dimensionen hat als die Gebäude hier im Poppelsdorfer Campus, fiel kein Hörsaal größer aus, als der große Hörsaal, in dem wir Mathematiker unsere Erstsemester-Vorlesungen hören. Zugegebenermaßen habe ich viele ungewöhnliche und daher erwartungsgemäß nicht übermäßig stark besuchte Veranstaltungen besucht. Aber der einen oder anderen hätte ich doch ein größeres Publikum zugetraut.
Dafür, dass Mathematiker mehr Kapazitäten zu brauchen scheinen, kommen ihre Vorlesungen im Allgemeinen mit einfachen traditionellen Methoden ziemlich gut aus, wohingegen man in den meisten anderen Fächern eine inflationäre Verwendung von Beamern und anderen digitalen Medien erkennen kann. Die Tafeln scheinen nur in Ausnahmefällen Benutzung zu finden, wenn im jeweiligen Hörsaal überhaupt eine Tafel vorhanden ist - bisweilen ist zwar eine Tafel da, aber statt Schwamm und Waschbecken gibt es nur einen Eimer Wasser und ein winziges Tüchlein. Diese mangelhafte Ausstattung der Räumlichkeiten im Hauptgebäude stört die Dozenten aber in der Regel nicht: Ihre Powerpoint-Präsentation reicht ihnen aus, wenn sie überhaupt irgendein visuelles Medium verwenden.
Erwähnenswert ist auf jeden Fall außerdem, dass bei Geisteswissenschaftler ausnahmslos Anwesenheitspflicht herrscht: Wer sich für eine Veranstaltung einschreibt, muss dort auch jedes Mal erscheinen, sonst wird ihm diese nicht angerechnet. Anwesenheitskontrolle über Unterschriftenlisten ist die Regel. Das kenne ich aus der Mathematik nicht in dieser Form - zwar wird ein Tutor niemanden zur Prüfung zulassen, der nie in der Übung erschienen ist, aber Anwesenheitskontrolle gibt es dort bisher nicht. Und in den Vorlesungen verzichtet man auf solcherlei Dinge vollständig.

Aus dem obigen Text geht das inhaltliche Fazit meines Exkurses bereits hervor: Mathematiker und Physiker haben eine aufwärtsgerichtete Art des Lernens, während die meisten Geisteswissenschaftler tendenziell eher breites Wissen anhäufen, bevor sie zögerlich ein höheres Niveau angehen. Dadurch fällt es im Allgemeinen auch Fachfremden nicht schwer, den Vorlesungen zu folgen. Und wenn man die richtige Veranstaltung erwischt, kann sie auch ein richtig spannender und unterhaltsamer, aber natürlich vor allem inspirierender und informativer Freizeitfüller sein.
Der Besuch der unterschiedlichen Veranstaltungen war für mich also eine lohnende Erfahrung, die ich nur jedem Studenten oder Nichtstudenten (meinen Ausweis hat man natürlich nie kontrolliert) wärmstens empfehlen kann.

Unfaire Auswahlkriterien bei Bewerbungsverfahren - Fachoberschule = Gymnasiale Oberstufe?!

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag

Jedem Abiturienten müsste bisweilen aufgefallen sein, dass es heutzutage unzählige Möglichkeiten gibt, seine Zukunft individuell zu gestalten und jedem in der Theorie alle Türen offen stehen. (Dass der NC viele Türen in der Praxis wieder verschließt, sei außer Acht gelassen.) Neben den vielfältigen Studiengängen auf Universitäten und Hochschulen stellt ein BA-Studium (Studium auf einer Berufsakademie zusammen mit einer Ausbildung in einem Unternehmen) für viele Schulabgänger eine mögliche Alternative dar. Hierbei können sie ihr theoretisches Wissen mit der Praxis verbinden und erhalten zusätzlich monatlich ein Gehalt von etwa 700 - 1000 Euro.
Für ein solches Studium können sich auch Fachoberschulabsolventen bewerben, die ein anderes Schulsystem mit einer anderen Zielsetzung durchlaufen haben. Man sollte es nicht für möglich halten, aber einige deutsche renommierte Unternehmen machen beim Bewerbungsverfahren bezüglich der Noten keinen Unterschied zwischen Fachoberschüler und Abiturient: So werden ganze Bewerbungsschreiben mit Lebensläufen von Abiturienten nicht berücksichtigt, weil der Abiturient im Vergleich zum Oberschulabsolvent "schlechtere Noten" zu haben scheint.

Warum diese sehr oberflächliche Methode einfach unfair, ignorant und skandalös ist, werde ich im Folgenden erklären:
Die Priorität auf die Noten zu setzen, um sich ein Bild über die Leistungsbereitschaft und den Wissensstand der Bewerber zu machen, ist verständlich. Natürlich muss dies auf einer vergleichbaren Basis geschehen. Das Problem ist jedoch, dass sich die Noten zwischen Fachoberschulabsolventen und Abiturienten von Grund auf nicht vergleichen lassen. Die Gründe hierfür sind vielseitig: Zum einen ist das Eingangsleistungsniveau zwischen den beiden Schulformen bei Schulbeginn schon erheblich unterschiedlich. Während in der gymnasialen Oberstufe überwiegend Gymnasiasten anzutreffen sind, die bereits sechs Jahre in allen Fächern auf einem höheren  Niveau Unterricht genossen haben (das fängt schon bei unterschiedlichen Büchern an), sind in der Fachoberschule überwiegend  durchschnittliche Realschüler anzutreffen (gute Realschüler würden auf die gymnasiale Oberstufe gehen) oder Gymnasiasten, die in den vorherigen sechs Jahren unterdurchschnittliche Leistungen erbracht haben (immer bezogen auf die Hauptfächer Mathematik, Deutsch, Englisch und Französisch, die in Bewerbungsverfahren eine wichtige Rolle spielen).
Selbstredend ist das weiterführende Niveau, der Anspruch und vor allem die Basis, auf die die unterrichtenden Lehrer aufbauen, zwischen den beiden Schulformen in den kommenden zwei  bzw. drei Jahren komplett unterschiedlich.
Diese beiden unterschiedlichen Niveaus klaffen sogar noch weiter auseinander, da die Gymnasiasten in den drei Jahren der Oberstufe durchgehend Unterricht genießen, während die Fachoberschulabsolventen oftmals nur ein Jahr unterrichtet werden und in dem anderen Jahr ein Betriebspraktikum absolvieren. Ein weiterer Unterschied ist außerdem, dass die Gymnasiasten ihren Neigungen entsprechend durch die Wahl von Leistungskursen unterrichtet werden.
So muss logisch geschlussfolgert werden, dass sich diese beiden Schulformen von der Zielsetzung (Lehrpläne) und vor allem vom Leistungsniveau her sehr unterscheiden. Ein Abschlussnotenvergleich z.B. im Fach Mathematik zwischen einem Gymnasiasten mit Mathematikleistungskurs mit der Note 9 Punkte und einem Fachabiturienten mit der Note 11 Punkte, der ungefähr nur ein Drittel (höchstens!) des Lernstoffes eines Mathematikleistungskurses vermittelt bekommen hat, müsste demnach höchst ungerecht, unfair, oberflächlich und einfach nicht vergleichbar erscheinen, wo ist da noch die Objektivität?
Hinzu kommt der lokale Leistungsunterschied zwischen den verschiedenen Bundesländern (z.B. Bayern und Berlin), der eine Vergleichbarkeit zusätzlich erschwert.

Wenn nun die Noten als Indikator dafür herangezogen werden, ob die Bewerbung und das Bewerbungsschreiben überhaupt (!) berücksichtigt werden oder nicht, wird die Ungerechtigkeit noch größer und es mag dem Außenstehenden schon fast ignorant vorkommen, wenn ein so augenscheinlicher Unterschied übergangen wird. Umso enttäuschender ist es, zu erfahren, dass so ein Verfahren auch bei international anerkannten und renommierten deutschen Unternehmen angewandt wird. Ehrlich gesagt, hätte ich mir da mehr Professionalität erhofft.

So wäre es fairer, wenn zunächst mehr Wert auf objektivere Vergleichspunkt gelegt wird, wie z.B. Tätigkeiten neben der Schule, Auslandsaufenthalt und Praktika. Erst sekundär müsste dann auf die Noten geachtet werden. Hierbei wäre es in meinen Augen fairer, wenn bei Fachoberschülern auf einen sehr guten Schnitt und bei Abiturienten auf einen guten Schnitt geachtet würde.

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag

    Mathematik in Bonn - "Ersti-Eindrücke"

    Seit Montag logiere ich in einem Studentenwohnheim in Bonn, wo ich im Oktober ein Studium der Mathematik beginnen werde. Momentan findet ein zweiwöchiger Vorkurs statt und bereits meine ersten zwei Tage warteten mit Einigem auf, das ich vorher so nicht erwartet hätte.

    Bezüglich der Wohnungsvermittlung bekam das Studentenwerk Bonn schon eine kritische Bewertung von mir [1]. Wie auch immer man dieses Vergabesystem nun bewerten mag: Ich habe jetzt jedenfalls eine Wohnung und das sogar pünktlich zum Beginn des Vorkurses.
    In den letzten zwei Tagen hat sich das Studentenwerk von einer besseren Seite gezeigt. So konnte ich mir den Internetanschluss problemlos selbst freischalten und habe jetzt sogar einen VoIP-Telefonanschluss - immerhin ohne Grundgebühr und zu günstigeren Preisen als Skype.

    Dass Mathematik eine Stärke der Universität Bonn darstellt, erkennt man an vielen Dingen: Das Mathematikzentrum wurde in einem wunderschönen historischen Gebäude, der Landwirtschaftskammer des Rheinlands, platziert. Neben dem Exzellenzcluster in Mathematik gibt es hier auch das Max-Planck-Institut und das Hausdorff Center for Mathematics. Die Fakultät ist ziemlich groß, obwohl es hier keine Lehramtstudenten gibt. Und die Fachschaft Mathematik ist einfach super engagiert.

    Was der Mathematik-Vorkurs alles leisten würde, war so gar nicht abzusehen. Es war klar, dass er von einem Professoren gehalten werden und aus einer doppelstündigen Vorlesung und einer doppelstündigen Übung täglich bestehen würde, wobei thematisch kein Schulstoff wiederholt werden sollte.
    Dass die Fachschaft dabei aber ganz erheblich mitmischen würde, hatte ich nicht geahnt. Gleich am ersten Tag ging über die Hälfte der ersten Vorlesung dabei drauf, dass die Fachschaft sich vorstellte und viele interessante und wissenswerte Dinge über das Mathematikstudium an der Uni Bonn erzählten. Danach wurden den "Erstis" (Studenten im ersten Semester) in einer kurzen Führung das Viertel und die wichtigen Gebäude gezeigt. Abends gab es dann einen Kennenlernabend und auch in den nächsten Tagen wird es immer wieder Spiele-, Kneipenabende, Kinobesuche und Partyprogramm für die Erstis geben.

    Obwohl ich mich erst ab Freitag einschreiben kann, bezahle ich bereits jetzt Studentenpreise in der Mensa. Die Teilnahme am Vorkurs wurde uns nämlich zu diesem Zwecke schriftlich bescheinigt. Außerdem sind die Verwendung des Internetzugangs und der Bibliothek auch kein Problem. Lediglich die Waschmaschinen im Keller des Wohnheims erfordern eine so genannte Mensa-Card, die ich momentan noch nicht besitze. Ob ich die schon vor Studienbeginn bekommen kann, muss ich noch in Erfahrung bringen.
    Wie alle Studenten darf ich übrigens die Drucker und Kopierer im Mathematikzentrum völlig kostenfrei und unbegrenzt benutzen. Dieser Luxus finanziert sich aus den Studiengebühren.

    Seit wenigen Momenten bin ich nun auch offiziell Bonner Stadtbewohner. Anlässlich meiner Anmeldung beim Bürgeramt wurde mir ein ansehnliches Gutscheinheft überreicht. Damit kann ich unzählige Theatervorstellungen, Konzerte und Museen in Bonn kostenlos besuchen.
    Langweilig wird mir hier also nicht werden und auch alle anderen Umstände scheinen sich momentan sehr glücklich zu fügen, sodass ich frohen Mutes an die nächsten Tage herangehen kann.

    Wohnheimsuche in Bonn: Informationen und Anlaufstellen

    Im Oktober werde ich ein Studium an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn beginnen. Ich bin zwar noch nicht eingeschrieben, weil der dafür vorgesehene Zeitraum erst Mitte September ist. Aber da ich ein Fach ohne Zulassungsbeschränkung im Blick habe und ich ohnehin schon vor meiner Immatrikulation an einem Vorkurs teilnehmen werde, kann ich diesen Plan getrost als Faktum hinstellen.
    Inzwischen habe ich auch eine Unterkunft in der ehemaligen Bundeshauptstadt gefunden. Als armer Student, der zudem niemanden kennt, der in der gleichen Stadt zu studieren gedenkt, entschied ich mich für eine Bewerbung in den örtlichen Studentenwohnheimen. Nachdem ich das nervenaufreibende Prozedere des Bewerbungsprozesses durchgemacht hatte, musste ich feststellen, dass die Informationslage im Internet diesbezüglich ziemlich dürftig ist. In meinem heutigen Artikel werde ich diese Lücke also vorerst mit ein bisschen Detailwissen zu schließen versuchen.

    Die Zuteilung der Plätze in sämtlichen Studentenwohnheimen Bonns ist inzwischen nahezu komplett an das Studentenwerk übergegangen, soweit ich das überblicke. Nähere Informationen zum Bewerbungsprozess und zu den 38 Wohnanlagen (mit über 4200 Plätzen) sollte man auf der entsprechenden Homepage des Studentenwerks bekommen [1]. Man kann aber nicht gerade behaupten, diese Webseite sei uneingeschränkt übersichtlich, verständlich und vollständig.
    So wird man zwar problemlos zu der Information gelangen, dass die Bewerbungsfrist der 20. August ist (zum Sommersemester: 20. Februar). Wie das Bewerbungsverfahren aber konkret abläuft, wird aber auch unter dem Punkt "Bewerbung" nicht besonders deutlich beschrieben. Zunächst einmal ist zu betonen, dass beim Bewerbungsverfahren des Studentenwerks völlig egal ist, wie früh man sich bewirbt: Am Ende der Bewerbungsfrist gibt es eine Verlosung der Plätze unter allen Bewerbern, die dabei sämtlich gleichberechtigt sind.

    Kein Vorteil für Frühaufsteher also - das mag für manchen Spätzünder gerecht klingen, bringt aber für jeden einige Nachteile mit sich: Wenn am 20. August die Bewerbungsfrist vorbei ist, beginnt die Bearbeitung der Bewerbungen. Es kann also durchaus bis Anfang September dauern, bis man überhaupt eine Rückmeldung in Form einer Losnummer erhält. Wer im September schon nach Bonn muss, weil er dort an Vorkursen teilnehmen will, wird in zeitliche Bedrängnis geraten. Die eigentliche Verlosung findet dann erst Mitte September statt und so ist nicht damit zu rechnen, dass man sein Zimmer üblicherweise vor Oktober schon beziehen kann.
    Sollte man nach der Verlosung noch immer auf der Straße stehen, wird es eng, auf anderem Wege eine Wohnung zu finden. Eine gewisse Chance besteht, in Sonderverlosungen Ende September und Oktober mit seiner Losnummer kurzfristig ein Zimmer in einem Wohnheim zu ergattern.

    Die unangenehme Unsicherheit, die mit dem spät stattfindenden Losverfahren einhergeht, hat das Studentenwerk inzwischen anscheinend dazu veranlassen können, über eine Änderung des Bewerbungsverfahrens nachzudenken. Diese Information konnte mir eine freundliche Dame des Studentenwerks am Telefon geben. Nicht zuletzt, weil die Angaben in diesem Artikel also womöglich bald ihre Gültigkeit verlieren könnten, ist es sehr hilfreich und sinnvoll im Falle von Unklarheiten beim Studentenwerk anzurufen. Bei mir hatte das die angenehme Folge, dass ich veranlassen konnte, schon im September ein Zimmer zu bekommen.

    Zu den einzelnen Wohnanlagen bleibt noch Folgendes zu erwähnen: Nur wenige verfügen über eine eigene Homepage und fast keine hat dort wirklich hilfreiche Informationen und Bilder über die Zimmer und die Anlage. Selbst die Webseite des Studentenwerks hat nicht für jedes Wohnheim, das man auf dem Bewerbungsbogen auswählen kann, eine Informationsseite. Um die Beschreibungen auf den Seiten des Studentenwerks zu verstehen, bedarf es außerdem des Vorwissens über einige Begriffe: Unter Appartement versteht man ein Zimmer für eine Person mit Kochecke/Küche und Dusche/WC. Für ein Doppelappartement, in dem zwei Personen Platz finden, kann man sich nur anmelden, wenn man bereits einen Mitbewohner hat. Den Halbappartements fehlt in der Regel die Kochmöglichkeit und in den so genannten Einzelzimmern, die überwiegend vorhanden sind, teilen sich fünf bis zehn Bewohner eine Küche und zwei bis drei Duschen und Toiletten. Einzelzimmer sind dabei in so genannten Wohnbereichen gruppiert, die einige Ähnlichkeit mit Wohngemeinschaften (WGs) aufweisen.

    Wenn man also in Bonn in einem Studentenwohnheim unterkommen möchte, bringt eine frühe Bewerbung nichts - die Bewerbungsfrist sollte natürlich trotzdem eingehalten werden. Eine komplette Liste der wählbaren Wohnheime gibt es ausschließlich auf dem Bewerbungsbogen. Informationen zu den einzelnen Wohnheimen erhält man meist nur über die Webseite des Studentenwerks (Menüpunkt: Wohnanlagen) und natürlich vor Ort und auf Anfrage. Man sollte sich darauf einstellen, in zeitlichen Bedrängnis zu geraten, wenn man über das Losverfahren keinen Platz bekommt. Bei allen Rückfragen, Unklarheiten, Beschwerden und Wünschen sollte man unbedingt in direkten Kontakt mit dem Studentenwerk treten - am besten per Telefon. Dort erhält man in der Regel schnelle und freundliche Hilfe und den ein oder anderen Sonderwunsch ist man dort zu erfüllen auch nicht völlig abgeneigt.

    Abitur geschafft: endlich Kopf frei?

    Seit mehr als zwei Wochen findet kein Unterricht mehr statt. Die schriftlichen Prüfungen sind schon über zwei Monate her (unvorstellbar!) und eigentlich hatte sich seit den Osterferien nur noch ein unerträglicher, sinnloser Druck aufgebaut, der sich heute endlich lösen konnte: Alle Noten stehen fest, alle Prüfungen sind durchgestanden - das Abitur ist geschafft, die Schule ist vorbei - für immer!

    Die allgemeine Hochschulreife wird zuerkannt.

    Am heutigen Tag kann ich also endlich mit der Schule abschließen - mir steht nur noch die formale Übergabe des Abitur-Zeugnisses bevor. Mein Vater hat mich bereits gewarnt, dem emotionalen und psychischen Stress nicht sofort eine Entspannungsphase folgen zu lassen - davon bekomme man häufig Migräne.
    Das Gefühl der Entspannung ist aber gar nicht so groß, wie man vermuten würde: Die Gedanken um die letzten Schultage und Prüfungen dominierten meine Gedanken in letzter Zeit so sehr, dass ich jetzt nicht einfach umschalten kann.

    Nie in der gesamten Schulzeit gab es so starke Stimmungsschwankungen in der Schülerschaft wie jetzt. Die Bekanntgabe von Noten wurde fast immer von ausgelassener Freude oder ungehemmter Wut und Trauer begleitet. Wer sein Ergebnis mit Fassung oder gar Gleichgültigkeit hinnahm, bildete die Ausnahme und ging völlig in der Masse der Lachenden und Weinenden unter.
    Dazu kamen unzählige ausgelassene Abi-Partys und ständig liefen im Hintergrund die Vorbereitungen für Abi-Gag, Abi-Ball, Abi-Zeitung und all die anderen Dinge, zu denen sich Abiturienten traditionell selbst verpflichten.

    Der Ausnahmezustand seit spätestens 13.2 sucht seinesgleichen.

    Die Vormittage sind zwar bereits seit über zwei Wochen frei. Damit entfallen Hausaufgaben und die "normalen" Arbeiten. Aber unterschwellig spürt man zu jedem Zeitpunkt, wie im Hintergrund die Uhr tickt - der Countdown zur nächsten Prüfung. Und genau diese tickende Uhr scheine ich jetzt gar nicht mehr loszuwerden, obwohl doch keine Prüfung mehr bevorsteht. Ich merke schon, wie sich mein Kopf den nächsten zeitlichen Orientierungspunkt sucht... Abi-Gag, Abi-Ball, Einschreibungsfrist, Vorsemester, Semesterbeginn, .. .  .    .

      28.05.2010 20:38 - Tags: Schule Karriere

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