Dieser Artikel schließt an einen Artikel über die erste Hälfte der Reise (Basel, Bern, Lausanne, Genf, Marseille, Barcelona, Sevilla) an!
Nach dem
eindrucksvollen Besuch Sevillas brachte uns ein
Schnellzug nachmittags nach Madrid. In der
spanischen Hauptstadt verbrachten wir zwei Nächte im
Hostel "La Posada de Huertas", das durch unglaublich
günstige Preise und mit seiner günstigen Lage im
Stadtteil Huertas bestach.
Das Hostel bot am gleichen Abend noch einen so
genannten "Pub Crawl" an, bei dem wir einige
Hostel-Mitbewohner kennen zu lernen erhofften. Diese
Kneipentour durch drei Bars und eine Diskothek brachen
wir allerdings schon nach zwei Bars ab: Zum einen
hatten sich die Bars als extrem klein, verraucht und
musikalisch desorientiert herausgestellt. Zum anderen
waren wir nach den vergangenen Tagen des
"Schnellbesichtigens" zu erschöpft, um die Nacht lang
werden lassen zu können.
Am kommenden Tag gab es wieder ein nettes Angebot des
Hostels: Die "Free Tour" durch Madrid, bei der ein
Führer namens Pablo aus Argentinien dreieinhalb
Stunden zu Fuß durch die Stadt führte. Aus
unterschiedlichen Hostels fanden sich zu dieser
Veranstaltung 30 bis 40 Teilnehmer zusammen und ganz
kostenlos war es auch nicht, bestand Pablo doch
schlussendlich auf seine 5 bis 15 Euro Trinkgeld -
schade nur, dass er zur wirklichen Historie der
Sehenswürdigkeiten das ein oder andere hinzuerfand und
nicht selten seine politische Sichtweise über die
Führung zu propagieren versuchte.
Die große und sehenswerte, aber viel zu hektische und zu wenig jugendliche Hauptstadt verließen wir am zwölften August in Richtung Salamanca. Die Auszeichnung als UNESCO Weltkulturerbe hat das historische Stadtzentrum wirklich verdient: Die Gebäude der mittelalterlichen Universität, die spätmittelalterlichen Klöster und Kirchen, die berühmte Plaza Mayor, die meiner Meinung nach den gleichnamigen Platz in Madrid an Zierde übertrifft, eine römische Brücke, das Jugendstilhaus Casa Lis und viele andere authentische Bauwerke lassen Salamanca im Schein der Geschichte erstrahlen. Dabei ist das Stadtzentrum wirklich in hervorragendem Zustand und nur die äußeren Stadtbezirke um das Zentrum auf der nordöstlichen Seite des Flusses können den überwältigenden Eindruck trüben.
Nach einer Nacht im "Rincon de Sito" - eher ein
unschlagbar günstiges Hotel mit Zwei-Bett-Zimmern als
ein Hostel - und einer Nacht in den Bars und
Diskotheken Salamancas brachte uns ein Nachtzug langsam
und unkomfortabel über die Grenze in die
portugiesische Hauptstadt Lissabon (port.
Lisboa), wo wir zwei Nächte im ansprechend
eingerichteten, aber personalmäßig unfreundlichen
"Kitsch Hostel" verbrachten.
Lissabon bot uns viele sehenswerte historische Bauwerke
- darunter ein Aquädukt des 18. Jahrhunderts -, ein
Kunstmuseum und ein Jazz-Festival. In die lokalen
Szene-Clubs trauten wir uns mit unserer
"Backpacker-Bekleidung" nicht hinein und die vielen
sehenswerten äußeren Stadtbezirke (Belém, Sintra,
...) zu besichtigen versagte uns der knappe zeitliche
Rahmen.
Schon die Hauptstadt machte einen etwas
heruntergekommenen Eindruck - insbesondere im Vergleich
mit der strahlenden Stadt Salamanca -, unser nächstes
Ziel Porto übertraf Lissabon aber in dieser
Hinsicht leider noch.
Wir kamen hier zwar in dem günstigen, nagelneuen und
super sauberen "Spot Hostel" unter, das Stadtzentrum
und die Bezirke, die wir auf der anderen Seite des
Flusses sehen konnten, boten aber bisweilen keinen
schönen Anblick. Schön waren der Strand an der
Atlantikküste (allerdings ziemlich frisch), die
Uferpromenade und einzelne Bauwerke wie die
Luís-Brücke, die Avenida los Aliados und die Casa da
Música.
Die saubere, klimatisierte und mit Loungemusik unterlegte Metro, wie sie auch in Lissabon schon vorzufinden war, brachte uns nach einer Übernachtung zum Bahnhof, von wo aus wir Santiago de Compostela ansteuerten. Die kleine Stadt im galizischen Spanien, die von Pilgern überlaufen war, bot uns eine außerordentlich ansehnliche Kathedrale und ein insgesamt ziemlich sehenswertes Stadtzentrum. Außerdem wohnten wir für kurze Zeit einem lokalen Musik- und Kurzfilmfestival bei.
Unsere letzte Nacht in einem Hostel auf dieser Reise hatten wir im vor leider ungünstig gelegenen "Meiga Backpackers" Santiago verbracht. Ein unglaublich langsamer Zug brachte uns daraufhin in 11 Stunden nach Hendaye, wo wir in einen Nachtzug Richtung Paris stiegen. Nach einer angenehmen - wenn auch kühlen - Nacht im Liegeabteil blieben uns 12 Stunden in der zu Recht bekannten, gelobten, aber meistens mit Touristen überlaufenen französischen Hauptstadt, die wir mit einer Erkundung der bekanntesten Sehenswürdigkeiten gut auszunutzen wussten - sogar dem Louvre und dem Centre Pompidou konnten wir in der kurzen Zeit einen Besuch abstatten.
Als wir nun in der Nacht vom 19. auf den 20. August
wieder endlich in unseren heimischen Betten schlafen
durften, konnten wir eine gewisse Erleichterung nach
den Strapazen, die mit dem ständigen Ortswechsel und
den ehrgeizigen Erkundungstouren einhergegangen waren,
nicht leugnen. Außerdem ist es nach 13 Städten
wirklich mal an der Zeit, das erlebte zu verarbeiten
und eine Pause einzulegen.
Angesichts der Tatsache, dass auf der Welt noch so
unglaublich viele Orte darauf warten, besucht zu
werden, bleibt einem ehrgeizigen Weltenbummler ohne
viel Zeit und Geld nichts übrig, als sich entweder mit
wenigen Orten zufrieden zu geben, oder jedem einzelnen
Ort weniger Zeit und Aufmerksamkeit entgegenzubringen,
wie wir es in den vergangenen 16 Tagen getan haben. Wir
können nämlich nicht leugnen, dass wir zwar viel
gesehen, aber nichts wirklich gründlich erkundet
haben. Die historischen, architektonischen und
statistischen Hintergründe der besuchten
Sehenswürdigkeiten blieben uns nämlich
zugegebenermaßen überwiegend verborgen. Dazu kam,
dass wir oft Eintrittsgelder für Kirchen, Schlösser
und andere Gebäude scheuten und uns darüber hinaus
mit flüchtigen Blicken - oft ohne im Lauf innezuhalten
- zufrieden gaben.
Es gibt auch einen Artikel über unsere Erfahrungen mit dem InterRail-Ticket und die organisatorischen Punkte der Reise.