Am gestrigen Samstag,
30. Januar 2010, fand seit über 8 Monaten endlich
wieder eine Ska-Night statt. Seit ich erstmals in den
Genuss einer solchen Ska-Night kam, sind inzwischen
ungefähr fünf Jahre und viele weitere Ska-Nights
vergangen. Ich muss leider sagen, dass die Alte Piesel
zu Dirlos mich gestern vielleicht das letzte Mal als
Besucher hatte.
Spätestens Ende des Jahres 2008 begannen die
Veranstaltung in der Alten Piesel langsam an Qualität
zu verlieren. Es fanden insbesondere immer weniger
Ska-Nights und immer mehr Band-Abende anderer Art
statt, an denen häufig blutjunge Newcomer-Bands ihre
ersten Gigs erlebten. Ein Blick in den
Veranstaltungskalender verschob das Bild sogar noch in
eine andere Richtung: Immer mehr Ü30-Events wie die
wöchentlich stattfindenden Flower-Power-Dancenights
überfluteten das Programm.
Die Ska-Nights und sonstigen Band-Abende verloren
dementsprechend auch zunehmend ihr Publikum. Als ich
2009 das letzte Mal in der Alten Piesel war, erklärte
man die Veranstaltung bereits vor 0 Uhr für beendet,
nachdem kaum 30 Besucher erschienen waren.
Inzwischen hat sich die Alte Piesel anscheinend
gänzlich von dem ehemaligen Image einer Party-Zuflucht
junger Teenager, die aufgrund ihres Alters nirgends
hereingelassen wurden, verabschiedet: Am gestrigen
Abend musste ich feststellen, dass der
Altersdurchschnitt im ohnehin schon erschreckend
kleinen Publikum über die 30 gerutscht war. Ich
erblickte sogar einige, die sich gemütlich mit
Rotweingläsern an Tischen niedergelassen hatten.
Entgegen der Ankündigung im Internet verlangte man an
der Abendkasse stolze acht Euro Eintritt - kein Wunder,
dass da keine 15jährigen Teenager mehr kommen!
Von den zwei angekündigten Bands war eine ausgefallen.
Als Ersatz spielte zuerst eine Band namens "Alles
Franziska", die so viel mit Ska zu tun hatte wie ein
Beerdigungsmarsch. Kurz vor elf Uhr trat dann endlich
Ska-Brot auf die Bühne, und die wenigen U20-Besucher
wagten es immerhin jetzt, die Tanzfläche zu
erobern.
Abgesehen von dem kläglichen Haufen, der gestern in
der Alten Piesel war, scheinen die Ska-Fans in Fulda
ausgestorben zu sein. Es kann aber auch genauso gut
sein, dass die Alte Piesel ihre Reize einfach völlig
verloren hat. Mit hohen Eintrittspreisen und immer
selteneren Veranstaltungen fürs junge Publikum, die
dazu noch schlecht angepriesen und durchgeführt
werden, ist die Piesel ihrer Bedeutung von vor vier bis
fünf Jahren gänzlich verlustig gegangen.
Für mich war es mit hoher Wahrscheinlichkeit der
letzte Besuch in der Alten Piesel. Denn abgesehen
davon, dass hier keine großen Exzesse mehr zu erwarten
sind, werde ich noch dieses Jahr Fulda auf unbestimmte
Zeit den Rücken kehren.