Ich finde es sehr wichtig, dass man darüber aufgeklärt wird, dass Bewegung, Fitness und so weiter zu einer gesunden Lebensführung gehören. Im schulischen Sportunterricht erfährt man immerhin, auf welche Weisen man das erreichen kann, indem man viele verschiedene Sportarten kennen lernt.
Sportunterricht ohne Benotung würde eventuell zu einer Demotivation der Schüler führen, sodass der Sportunterricht seine didaktische Funktion nicht erfüllen könnte. Aber so, wie die Benotung momentan gehandhabt wird, kann es nicht bleiben. Und nicht nur das Benotungssystem ist falsch, sondern auch die Lehrpläne sind einseitig und nicht zweckmäßig.
Fleiß lohnt sich in den allermeisten Fällen
nicht
Gehen wir an dieser Stelle ins Konkrete: In meinem
Sportkurs nehmen wir gerade Volleyball durch. Dieses
Thema konnte sich kein Schüler aussuchen und es ist
offensichtlich auch etwas, das man bereits in der
Mittelstufe - nicht weniger intensiv - behandelt.
Gestern bekamen wir Noten darauf, wie wir Volleyball
spielen. Das lief so ab, dass wir in Mannschaften
eingeteilt wurden und einfach mal ein paar Punkte
machten. Danach wurde jedem Schüler eine Zahl (eine
Note) zugeordnet, wie gut er gespielt hat.
Was macht jemand, der dabei sehr schlecht abschneiden
würde? Nimmt er Nachhilfe in Sport? Hat er überhaupt
die Möglichkeit, durch besonderen Fleiß seine
Leistung lohnend zu verbessern? Wohl kaum, wenn er
nicht gerade einem Volleyball-Club beitritt.
Lehrpläne legen unnötige Akzente auf bestimmte
Sportarten
Noch viel anschaulicher wird die Schieflage, wenn man die Tatsache betrachtet, dass wir jedes Jahr aufs Neue Leichtathletik thematisieren. Es gibt kaum Gründe, die diese Tradition rechtfertigen! Laufen - und nur das unter den leichtathletischen Disziplinen! - ist zwar die Sportart, die man mit dem geringsten Aufwand ausführen kann. Sie ist allerdings bei weitem nicht die gesündeste Sportart. Um meine Leistungen in Leichtathletik, die übrigens seit Jahren im knapp ausreichenden oder negativen Bereich liegen, zu verbessern, müsste ich sicherlich nicht wenig zu Hause trainieren. Das ist nicht vergleichbar mit Vokabeln lernen oder ähnlichem. Es sei nebenbei darauf hingewiesen, dass ich durch vieles Laufen Knieprobleme bekomme - nicht wenige Schüler haben ähnliche Probleme mit der Ausführung bestimmter Sportarten.
Nun könnte man entgegnen, dass ein regelmäßiges Lauftraining immerhin die Fitness fördert und daher nicht ganz unsinnig wäre. Ich schwimme jede Woche vier Stunden und habe nicht das Gefühl, dass meine Fitness der Förderung bedürfte. Warum kann ich also nicht aufs Laufen und die restliche Leichtathletik verzichten?
Sportunterricht kann auch anders aussehen
In der elften Klasse hatten wir eine jüngere Lehrerin in Sport und ich muss ehrlich sagen, dass ich hier zum ersten Mal das Gefühl hatte, dass mir Sportunterricht - wenigstens zum Teil - etwas bringt. Wir haben viele neue Sportarten kennengelernt: Schwimmen, Tauchen, Fahrradfahren, Muskelrelaxation nach Jakobsen, Yoga und weitere Entspannungsübungen. Außerdem einige Sachen, die mir im Moment entfallen sind. Ursprünglich standen auch Kampfsportarten auf dem Programm, das wurde dann aber leider wieder gestrichen.
Jedenfalls präsentierte sich uns hier ein wirklich weites Feld an außergewöhnlichen und unbekannten Sportarten. Die Notengebung fiel immerhin nicht durchweg so sinnlos aus, wie ich es vorhin angesprochen habe. Bei den Entspannungsarten etwa wurde nicht getestet, wie gut wir das können (Hier klingt "können" zwar absurd, aber im Grunde ist es in jeder Sportart nicht weniger absurd). - Nein, die Noten wurden vergeben, indem jeder in einem Referat eine bestimmte Art der Entspannung vorstellen musste. Diese Referate wiederum sollten interaktiv gestaltet sein: Die Zuhörer wurden nicht ausschließlich über Grundidee und historische Hintergründe der Disziplin informiert, sondern sie wurden jedesmal auch in die praktischen Grundlagen eingeführt - ähnlich, wie wenn man an einem Schnupperkurs oder einem Tag der offenen Tür eines Sportvereins teilnimmt. Ein so außergewöhnlich guter Sportunterricht stellt meiner Erfahrung nach jedoch die absolute Ausnahme dar.
Noten demotivieren unsportliche Menschen
Was mir zuletzt wirklich einer der größten Kritikpunkte am Bewertungssystem zu sein scheint, ist die Demotivation sportlich untalentierter Menschen. Da Sportunterricht nicht - wie Mathematik etwa - darauf ausgerichtet ist, dass die unterrichteten Inhalte in weiterführenden Studien- und Ausbildungsgängen als bereits vorhandenes Wissen abgerufen werden können, steht sicherlich im Vordergrund, dass die Schüler einen Zugang zum Sport und zur körperlichen Betätigung erhalten, der ihnen bei der Gestaltung ihrer freizeitlichen Lebensführung Orientierung zu sein vermag. Aber wenn ein sportlich untalentierter Mensch von Anfang an durch die Schule negative und frustrierende Erfahrungen mit Sport gemacht hat, dann wird ihn unter Umständen sein Leben lang eine Abneigung gegen sportliche Betätigungen verfolgen. Und gerade unsportliche Menschen, die zu Fettleibigkeit neigen mögen, haben doch eine Motivation im sportlichen Bereich bitter nötig. Ferner stellt für solche Menschen oft die Schule den einzigen richtigen Kontakt mit Sport dar. Ihr Meinungsbild zu Sport wird durch die Schule also grundlegend beeinflusst!
Es ist mir leider nicht möglich, in diesem Artikel die
Frage nach einem wirklich effizienten und sinnvollen
Sportunterricht befriedigend zu beantworten. Doch es
ist zunächst sicherlich eine Notwendigkeit, dass im
aktuellen Schulsystem ein Umdenken bezüglich Sport
stattfindet. Leider ist damit allerdings nicht zu
rechnen. Und das hängt ohne Zweifel damit zusammen,
dass Sport eben trotz des übertrieben
wichtigtuerischen Bewertungssystem gewöhnlich als
nebensächliches Schulfach wenig beachtet wird.
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