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Dass es der Bayrische Rundfunk bisweilen schafft,
wirklich unterhaltsames Kino zu machen, durfte ich
bereits vor einem knappen halben Jahr überrascht
feststellen, als ich "Sommer in Orange" [1] in
einer Sneak Preview [2] zu sehen bekam.
Die Handlung dieses Films dreht sich um eine Gruppe so
genannter Neo-Sannyas - eine spirituelle Bewegung, die
zu Meditation, Leben in Kommunen und orangener Kleidung
auffordert. Anfang der 1980er Jahre entschließt
sich diese Gruppe aus Berlin dazu, ein spirituelles
Therapiezentrum in einem kleinen bayrischen Dorf zu
gründen. Die Integrationsprobleme der Großstädter
werden mit besonderem Fokus auf die zur Gruppe
gehörenden zwei Kinder teilweise etwas albern, aber im
Großen und Ganzen gelungen in Szene gesetzt.
Marcus H. Rosenmüller,
der schon bei "Sommer in Orange" Regie führte, bringt
am kommenden Donnerstag, 22. Dezember, einen weiteren
Film in die deutschen Kinos, der sich wieder fast
vollständig um ein kleines bayrisches Dorf dreht:
Die Handlung von "Sommer der Gaukler" [3] spielt
200 Jahre früher als "Sommer in Orange": Im Jahre 1780
verschlägt es den Schauspieler und Regisseur Emanuel
Schikaneder (1751-1812, bekannt als Librettist der
"Zauberflöte"), der in vielerlei Hinsicht dem Piraten
Jack Sparrow (Johnny Depp) aus Fluch der Karibik
ähnelt, zusammen mit seiner Schauspielgruppe in ein
bayrisches Bergdorf, nachdem ihm die Genehmigung, in
Salzburg aufzutreten, verwehrt worden ist. Große
finanzielle Schwierigkeiten und ein allgemeiner Unmut
innerhalb der Gruppe führen dazu, dass der
exzentrische Schikaneder von einigen seiner
Schauspieler verlassen und von seiner Ehefrau betrogen
wird. Als Schikaneders Gruppe anlässlich der Verlobung
des Dorfrichters auftreten soll, rüstet sich gerade
eine Meute von unzufriedenen Minenarbeitern zum
Aufstand gegen den reichen Bergwerksbesitzer und die
Situation eskaliert. Durch eine Reihe von Zufällen
spielt dabei auch das junge Musikgenie Wolfgang Amadeus
Mozart eine reichlich absurde Rolle als
enthusiastischer Förderer Schikaneders.
Auf diesen bemerkenswert komischen Film, der auf einem Roman von Robert Hültner [4] basiert und wieder vom Bayrischen Rundfunk (in Kooperation mit ORF) gefördert wurde, stieß ich völlig unerwartet vorgestern in der Sneak Preview - ich kann behaupten, dass der Film auch ziemlich gut beim (in diesem Kino traditionell eher studentischen) Publikum ankam.
Es lohnt sich, einige weitere Worte über "Sommer der Gaukler" zu verlieren: Ein ähnlich hässliches Filmplakat hat man selten gesehen (siehe Artikelbild - es spottet wirklich jeder Beschreibung). Der eher abschreckende Trailer ist ein liebloser Zusammenschnitt aus unzähligen winzigen Fetzen des Films. In der Filmmusik finden sich unerklärliche Anklänge an bekannte Melodien aus Star Wars.
Die Handlung wird von zumeist historischen Personen an
realen Schauplätzen ausgetragen und
überraschenderweise ist die Abweichung von der
damaligen Realität gar nicht so groß, wie man
angesichts der überzogenen Albernheiten vermuten
würde.
Die uns überlieferten, häufig obszönen und
ausgesprochen albernen Briefe des jungen Mozart
zusammen mit seiner legendären Genusssucht lassen
vermuten, dass er in seiner späteren Jugend dem im
Film dargestellten Weiberheld gar nicht so fern gewesen
ist. Ob er noch 1780 mit 24 Jahren - bereits nach dem
Tod seiner Mutter - in dieses Bild passte, ist
natürlich fragwürdig. Im Film tritt er ohnehin eher
als etwa 20jähriger in Erscheinung.
1780 gastierte der inzwischen verheiratete Schikaneder
mit seiner Schauspielgruppe tatsächlich in Salzburg
und lernte dort Vater und Sohn Mozart kennen. Führt
man sich vor Augen, dass Schikaneder bei der
Uraufführung der "Zauberflöte" 1791 die Figur des
reichlich albernen Papageno selbst übernehmen wollte
und auch sonst für übertriebene Effekte und Pomp
bekannt war, erscheint das von ihm in "Sommer der
Gaukler" entworfene Bild außerdem gar nicht so
unrealistisch.
Die alberne Kombination aus Mozart und Schikaneder, wie
sie im Film dargestellt wird, ist natürlich reichlich
konstruiert und insbesondere hat keine Begegnung
zwischen den beiden außerhalb von Salzburg im Jahre
1780 stattgefunden - schon gar nicht in jenem
Bergdorf.
Diese Umstände tun dem Spaß am Film "Sommer der
Gaukler" freilich keinen Abbruch, sondern ganz im
Gegenteil ist es gerade die Mischung aus
Realitätsnähe und unerhörter Überzogenheit, die
maßgeblich für die Komik im Film verantwortlich
ist.
Im Mai dieses Jahres hatte der Bayrische Rundfunk übrigens mit "I Phone You" [5] einen deutlich weniger lustigen Film veröffentlicht, den ich damals ebenfalls in der Sneak Preview zu sehen bekam. Hier waren der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) sowie die Filmförderung Hamburg-Schleswig-Holstein beteiligt und die Handlung spielte sich im Berlin der Gegenwart ab (Rosenmüller war an diesem Film nicht beteiligt). Mit einem netten Verriss ist es Ende Mai wenigstens Zeit Online gelungen, doch noch etwas Komisches aus dem Film herauszuholen [6].
Schwimmen zählt schon
seit vielen Jahren zu meinen Hobbys und ist die einzige
Sportart, die ich je über einen längeren Zeitraum
regelmäßig betrieben habe. Daran wird sich auch in
absehbarer Zeit nichts ändern: Schwimmen ist gesund
und erfrischend. Lediglich ein Schwimmbad ist nicht
überall und jederzeit zur Hand und man wird nicht
leugnen können, dass man nicht immer in der Stimmung
ist, bis zu zwei Stunden alleine seine eintönigen
Bahnen zu ziehen. Für die Motivation gelangweilter
Schwimmer führt Speedo, der australische Hersteller
für Schwimmartikel aller Art, seit einiger Zeit einen
wasserdichten MP3-Player, den "Speedo Aquabeat".
Nachdem ich schon seit über einem Jahr immer mal wieder nach diesen Geräten geschielt hatte, kaufte ich mir in einer Spontanaktion vor wenigen Wochen den Aquabeat mit 1GB Speicher [1]. Bei identischer Ausstattung hatte ich die Wahl zwischen grün, pink und schwarz. Wer mit einem MP3-Player schwimmt, wird den ein oder anderen neugierigen Blick nicht verhindern können. Diesem Umstand wollte ich nicht auch noch mit knalligen Signalfarben zuträglich sein und entschied mich für das dezente Schwarz.
Das kleine Gerät macht einen äußerst robusten Eindruck. Dabei ist es sehr leicht, kann aber mit einer gummierten, widerstandsfähigen Oberfläche überzeugen. Das Problem eines störenden Ohrhörerkabels hat man intelligent gelöst: Wie das Kabel an klassischen Telefonhörern ist das Kabel verdrillt und dadurch zugleich platzsparend und bei Bedarf ausreichend dehnbar. Die Erfahrung des Youtube-Nutzers [2], dem die Gummiaufsätze der Ohrhörer im Gehörkanal stecken blieben, teile ich nicht. Bei Bedarf lassen sich die Gummiaufsätze tatsächlich ohne Mühe entfernen (und gegen die mitgelieferten in drei unterschiedlichen Größen austauschen). Die Gefahr, dass sich diese im Ohr lösen, halte ich dennoch für gering.
Die wenigen Tasten
erlauben nicht die Organisation größerer
Musiksammlungen. In der Regel hat man im Wasser sowieso
Besseres zu tun und beschränkt sich hauptsächlich auf
die Lautstärkeregelung, was dank der haptischen
Tastenoberfläche auch wunderbar blind funktioniert,
wenn der Aquabeat an der Schwimmbrille am Hinterkopf
befestigt ist. Die Musiktitel werden über das
mitgelieferte USB-Kabel vom Computer übertragen, auf
dem sich der Aquabeat (auch unter Linux, getestet mit
Fedora 15 und 16) als herkömmlicher Massenspeicher zu
erkennen gibt. Die Titel werden anschließend in der
Reihenfolge abgespielt, in der man sie rübergeladen
hat. Diese Reihenfolge lässt sich nachträglich mit
der mitgelieferten Software verändern. Alternativ kann
man die Software verwenden, die ich in meinem Artikel
zu diesem Thema empfohlen habe [3].
Wie man den Aquabeat an einer Schwimmbrille befestigt und die Ohrhörer anzieht, beschreibt eine YouTube-Nutzerin recht ausführlich [4]. Dem ist allerdings hinzuzufügen, dass die Ohrbügel nicht jedermanns Sache sind. Ich habe sie kurzer Hand entfernt. Wie das dann aussieht, kann man auf meinem zugehörigen Fotoalbum auf Picasaweb beäugen [5].
Hat man sich erstmal bewusst je nach Größe der Ohren für oder gegen die Ohrbügel entschieden, ist der Tragekomfort erstaunlich gut. Eigene Erfahrungen konnte ich zwar nur mit Badekappe machen, weil in dem Schwimmbad, in dem ich trainiere, Badekappenpflicht besteht. Ich habe aber ohnehin das Gefühl, dass die Badekappe den Sitz der Ohrhörer sogar verbessert und effektiv dazu beiträgt, dass kein Wasser in den Gehörgang gerät. Nach spätestens 45 Minuten wird es in der Regel trotzdem vorkommen, dass ein Ohrhörer verrutscht und neu eingesetzt werden muss - ein kaum störender Umstand. Lästiger ist die Tatsache, dass die Ohrhörer, die recht tief im Gehörgang stecken, ziemlich zu drücken beginnen, nachdem man 40-50 Minuten mit ihnen geschwommen ist.
Obwohl Speedo seine Aquabeat-Reihe in Zusammenarbeit mit iRiver, dem Spezialisten für portable Musikspieler, entworfen hat, sollte man von der Tonqualität keine Wunder erwarten. Zum einen stellt das Verschließen gegen eindringendes Wasser begreiflicherweise eine Einschränkung für die Technik der Kopfhörer dar. Zum anderen ist ja ständig das je nach Schwimmart mehr oder weniger dezente Rauschen des Wassers zu hören. Von satten Bässen kann man unter diesen Umständen nur Träumen. Wem Musik so keinen Spaß macht, kann immer noch dem ein oder anderen Hörbuch/Hörspiel lauschen: Eine Folge der "Drei Fragezeichen" beispielsweise passt wunderbar in eine ausgewogene Trainingseinheit.
Für ein paar Euro mehr
bekommt man das Nachfolgemodell mit Namen "Speedo LZR
Racer Aquabeat", das mit einem leicht überholten
Design, neuen Kopfhörern und 2GB Speicher auftrumpft.
[6] Der
Aufpreis ist zwar nur gering, aber es steht in Frage,
ob man wirklich 2GB Speicher braucht, wenn man seine
Titel sowieso ohne Display verwalten muss, von
besonders hoher Aufnahmequalität wenig profitiert und
in der Regel nicht länger als zwei Stunden am Stück
hört. Das Design ist Geschmacksache. Bleiben die
Ohrhörer: Hier scheint das Kabel in die Ohrbügel
integriert worden zu sein. Diese Kabelführung könnte
Kabelbrüche zwar effektiv verhindern. Ob die Ohrbügel
aber unter diesen Umständen noch abnehmbar sind, ist
fraglich.
Ein Hinweis darauf, dass das überarbeitete Kopfhörer-Design des 2GB-Modells sich nicht bewähren konnte, ist, dass es inzwischen den "Aquabeat 2.0" gibt, der wieder mit den alten Kopfhörern ausgestattet wurde. Er versucht mit einem rundum erneuerten Design, 4GB Speicher und einem Display zu überzeugen und bewegt sich preislich noch moderate 20-30 Prozent über seinen Vorgängern.
Doch es gibt auch Alternativen zu Speedo. Deutlich günstigere wasserdichte Musikspieler kommen aus dem weitgehend unbekannten Hause Lavod [7]. Modelle mit Nackenbügel findet man auch, wenn man die Suche auf den internationalen Markt ausweitet. Für Schwimmer, die bereits einen herkömmlichen Musikspieler besitzen, werden auf waterproofmusic.com [8] passende wasserdichte Hüllen und Ohrhörer vertrieben. Und zuletzt gibt es das bemerkenswerte Konzept des etwas teureren "Finis SwiMP3" [9], bei dem der Ton nicht über herkömmliche Ohrhörer ans Trommelfell gelangt. Stattdessen werden die Schallwellen direkt über die Knochen geleitet (so genannter Knochenschall).
Mancheiner mag einen Musikspieler beim Schwimmen als Spielerei bezeichnen und das wird man nur schwerlich bestreiten können. Doch Potenzial, die Motivation für regelmäßiges Schwimmtraining zu erhöhen, hat so ein Spielzeug allemal. Eine gewisse Skepsis gegen dieses Gerät ist allerdings gesund: Ein Schwimmtraining ohne Trainer und Begleitung hat schließlich immer auch etwas Meditatives, das ein Stück weit zwar von der richtigen Musik unterstützt werden kann, in der Regel aber nicht unerheblichen Schaden nimmt. Das einsame Bahnenziehen bietet eine in der heutigen Zeit seltene Gelegenheit, mental zur Ruhe zu kommen, zu sich selbst zu finden. Auch wenn der wasserdichte MP3-Player also eine tolle Unterhaltung bietet, sollte man ihn vielleicht dennoch von Zeit zu Zeit auch mal am Beckenrand liegen lassen.
Am norwegischen Maler
Edvard Munch ist so Einiges interessant. Er gehörte zu
den Künstlern, die um die Jahrhundertwende vom 19. ins
20. Jahrhundert maßgeblich den Weg über den
Expressionismus in die Moderne bereiteten. Es gibt
überdies vielleicht keinen anderen norwegischen Maler,
der es zu solcher internationaler Bekanntheit gebracht
hat. Aus aktuellem Anlass interessierte ich mich
allerdings nicht für das Schaffen von Munch, sondern
für seinen ungewöhnlichen Familiennamen.
Wenn man wissen will, wie man einen bestimmten Namen auszusprechen hat, ist ein wunderbarer Anhaltspunkt, Radio- und Fernsehsendung zu der betreffenden Persönlichkeit zu hören. Insbesondere mit der zunehmenden Digitalisierung hat man über das Internet guten Zugriff auf solche Sendungen. Und auch bei Edvard Munch fand sich natürlich schnell der ein oder andere Medienbeitrag.
In den deutschen Medien (unter anderem Radio Bremen [1][2], ARD [3]) sprach man den Namen recht überzeugend /munk/ aus. Das bestätigte auch der Vortrag eines Kunstexperten [4]. In einem Arte-Beitrag [5] sprach sogar ein Franzose den Namen so aus.
Was mich daran verblüffte, war die Tatsache, dass die Aussprache im Allgemeinen nicht so eindeutig geklärt zu sein schien. Auf das auslautende /k/ hatte man sich anscheinend einigen können. Wenig befriedigend sind aber die Informationen zum zentralen "u"-Laut in Munch. Die Lautschriften, die man im Internet zu diesem Namen findet, enthalten mal ein /ʉ/ (etwas zwischen deutschem ü und u), mal ein /u/ oder /ʊ/ (beides nah am deutschen u).
In Sprachführern und Sprachlehrgängen des Norwegischen findet man gewöhnlich die Grundregel, dass "u" wie das deutsche "ü" auszusprechen sei (etwa [6]). Und tatsächlich fand ich eine norwegische Radiosendung über Edvard Munch, in der sein Name mehrmals (und von zwei unterschiedlichen Personen) nach dieser Regel ausgesprochen wurde [7]. Schenkt man diesen norwegischen Quellen Glauben, so lautet die Aussprache von Munch also: /münk/ wie in "Pünktchen".
Bezeichnend ist in dieser Kontroverse allerdings, dass
das Norwegische keine einheitliche Sprache ist. Heute
noch gibt es zwei offiziell anerkannte Dialekte (oder
Varietäten) - für beide existieren Wikipedia-Seiten:
Bokmål (historische Bezeichnung Riksmål) und Nynorsk
(historisch Landsmål). Inoffiziell existieren sogar
noch zwei zusätzliche, konservativere Dialekte,
nämlich Riksmål und Høgnorsk.
Schnell fällt zudem auf, dass das "ch" in der
(modernen) norwegischen Sprache eigentlich überhaupt
keinen Platz hat. (Dennoch weist nichts daraufhin, dass
Munch ausländische Vorfahren gehabt haben könnte.)
Manches deutet also darauf hin, dass mindestens die
historische Aussprache des Namens "Munch" nicht
unbedingt mit der Aussprache moderner Muttersprachler
übereinstimmen muss.
Am Ende bleibt das versöhnende Ergebnis wohl, dass man Munch als Deutscher oder allgemein als Ausländer mit einiger Berechtigung als /munk/ aussprechen kann. Wer auf eine Aussprache als /münk/ besteht, steht damit international ziemlich alleine da, wird sich aber immerhin auf die Sprachkompetenz der einiger Muttersprachler berufen können.
Das geliehene Stage Piano (Yamaha P-140), das mir im vergangenen Jahr meines Studiums einen akzeptablen Ersatz für ein richtiges Klavier bot, musste ich Ende des Sommersemesters leider wieder abgeben. Wenn man über 14 Jahre Klavier gespielt hat, kann es natürlich nicht lange dauern, bis sich die juckenden Finger nach einem neuen Spieluntersatz sehnen. Und tatsächlich findet sich seit fast zwei Wochen wieder eine Klaviatur in meinem Zimmer.
Ein Digitalpiano in
elegantem Rosenholz-Look mit einer Masse von fast 70
Kilogramm ziert jetzt eine Wand meiner sonst eher
bescheidenen 13 Quadratmeter. Über der Klaviatur, die
mit einem stilechten Deckel vor Staub geschützt werden
kann, prangt in goldenen Lettern der Schriftzug
"Yamaha" und erinnert damit an das Design der
mechanischen Modelle des japanischen Herstellers von
Musikinstrumenten aller Art. Es handelt sich um ein
Yamaha Clavinova CLP-440 [1], also ein Homepiano -
eines jener Digitalpianos, die neben ihren
musikalischen Fähigkeiten einen ästhetischen Zweck
als schickes Mobiliar wunderbar erfüllen können.
Dem Tag aber, als
plötzlich ein riesenhafter Karton - beinahe so groß
wie ich nämlich und dabei mit 98 kg sogar deutlich
schwerer - vor meiner Haustüre stand, gingen viele
Wochen, gar Monate, der Entscheidungsfindung voraus.
Eigentlich war zu Anfang nur klar, dass es ein
Digitalpiano werden sollte. Ein richtiges Klavier kam
schon aufgrund der Lautstärke für ein
Studentenwohnheim nicht in Frage. Mehr verwirrt als
beraten von dem naturgemäß inhomogenen Meinungsbild
im Internet auf Seiten wie Musiker-Board [2] und
Clavio [3] machte ich mich auf den
Weg in das große Ladengeschäft von Session-Music in
Frankfurt [4].
Meine erste Erkenntnis bei der riesigen Auswahl an Digitalpianos aller Preisklassen sollte leider sein, dass ich selbst die teuersten noch für ziemlich schlechte Imitate eines richtigen Klaviers hielt. Der Digitalpianokauf wurde also zur Suche nach dem kleinsten Übel. Dass dabei ein Stage Piano von 30-40 kg mit einem Ständer beliebiger Bauart ein eher wackeliges Spielgefühl verursachte, unter dem ich auch im vergangenen Jahr zu leiden hatte, brachte mich zu dem Entschluss, Stage Pianos trotz ihres praktischen Formats ganz auszuschließen.
Indem ich die unterschiedlichen Modelle von Casio, Kawai, Roland, Yamaha, Nord und Korg immer wieder verglich, verfestigte sich in mir die Überzeugung, dass ich mich nur mit der Yamaha-Mechanik anfreunden wollte - vielleicht deswegen, weil ich mich im vergangenen Jahr schon zu sehr an die Mechanik eines Yamaha-Modells gewöhnt hatte. Einige weitere Wochen gründlicher Meditation und wehmütiger Blicke auf die eigenen Finanzen vergingen, bis ich mich dann endlich kurz nach Beginn des Wintersemesters zum Kauf eines CLP-440 im Kölner Music-Store durchringen konnte.
Glücklicherweise bin ich bis heute mit jedem Tag ein Stückchen überzeugter von dieser Entscheidung. Ich habe das Gefühl, gerade ein solches Modell gewählt zu haben, dass größere Investitionen nur noch in schöneres Design und Funktionen, die ich niemals brauchen werde, geflossen wären, wohingegen jegliche Ersparnisse sofort auf Kosten von Funktionen, auf die ich wert lege, gehen würden - etwa Saitenresonanz, Key-Off-Samples, echte Dämpferpedal-Samples und elfenbeinartige Beschichtung im Vergleich zum CLP-430.
Die zahlreichen Funktionen und die beeindruckende Soundengine wurden in einem Video von Session-Music auf YouTube recht umfassend vorgestellt [5], sodass ich keine Notwendigkeit sehe, diese Details an dieser Stelle zu wiederholen. Das tatsächliche Spielgefühl, das durch Tastenmechanik und -beschichtung bedingt ist, wird man aber erst kennen lernen können, wenn man selbst Gelegenheit hatte, das Modell anzuspielen. Übrigens hat meine Erfahrung gezeigt, dass man klanglich sehr viel bessere Ergebnisse mit teuren Kopfhörern als mit den integrierten Lautsprechern erzielen kann. Dabei sind Kopfhörer einer gehobeneren Preisklasse schon aufgrund des Tragekomforts günstigeren Modellen vorzuziehen. Ich habe mich aus diesen Gründen zum Kauf von Beyerdynamic DT-770 Pro (80 Ohm) [6] entschieden und kann diese Kopfhörer wärmstens weiterempfehlen.
Zwei wichtige Empfehlung an alle Klavierbegeisterten, die selbst den Kauf eines Digitalpianos planen: Zum einen sollte man sich nicht zu lange mit den Empfehlungen und Erfahrungsberichten in Internetforen und Testzeitschriften aufhalten. Eine Entscheidung, die wirklich glücklich macht, kann nur vor Ort in einem großen Musikgeschäft fallen, sobald man alle möglichen Modelle (mit guten Kopfhörern!) gründlich angespielt hat. Der zweite Tipp betrifft das Finanzielle: Weil die Preisschwankungen bei Digitalpianos recht moderat ausfallen, sind die Chancen auf ein Schnäppchen am höchsten, wenn man dem Musikgeschäft seines Vertrauens zusätzlich zum gewünschten Modell einiges Zubehör auflistet und um einen guten Preis für das Gesamtpaket bittet. Dabei kann man schon mal bis zu 150 Euro sparen, wenn man gute Kopfhörer, einen ordentlichen Ständer (bei Stagepianos) und eine passende Klavierbank auswählt.
Der statistische Rahmen dieser Reise wurde bereits in einem früheren Artikel zusammengefasst.
Angesichts der vielen
Ziele auf unserer Reiseroute werde ich es in diesem
Artikel bei einer Kompilation markanter Details und
Anekdoten aus den unterschiedlichen Städten und
Ländern belassen. Falls Interesse an näheren
Informationen zu anderen Einzelheiten besteht, kann ich
gerne auf Anfrage in einem Kommentar zu diesem Artikel
darauf eingehen.
Prag. Ich
erinnere mich an vier oder fünf junge Deutsche in
weißen Unterhemden und Ray-Ban-Sonnenbrillen, die uns
auf dem Weg vom Bahnhof zum Hostel entgegenkamen. Gut
gelaunt hielten sie sich an ihren Bierflaschen fest,
während sie auf dem Wenzelsplatz an den zahlreichen
Dönerläden vorbei in Richtung Nationalmuseum
schlenderten. Glücklicherweise konnte dieser
kulturelle Rückschlag ohne Weiteres durch zahlreiche
Schätze tschechischer Kultur wie das Café Louvre oder
das Haus zur Schwarzen Mutter Gottes, das neben dem
Museum über tschechischen Kubismus das Grand Café
Orient beherbergt, wieder gut gemacht werden.
Wer hätte das geahnt?
Bagels stammen aus Krakau. Und dort trafen wir
auch tatsächlich bereits morgens um 7 Uhr die ersten
Bagel-Verkäufer auf den Straßen. Außerdem hatten wir
die besondere Gelegenheit, das menschenleere und dabei
umso schönere Krakau, insbesondere seinen sonst so
überlaufenen Hauptmarkt zu bewundern. Das Weichselufer
und Schindlers Fabrik sowie das nahebei gelegene
nagelneue Museum für Moderne Kunst (MOCAK) rundeten
unseren positiven Eindruck von Polen ab.
Dass Taiwan so viel Geld in die Slovakei investiert, hätten wir wohl nie erfahren, wenn wir nicht auf den Bänken an der ansehnlichen Donau-Uferpromenade in Bratislava gelesen hätten, dass die öffentlichen Wifi-Hotspots vom Taipei Representative Office gesponsert wurden. Ebenso unvergesslich war allerdings der Skifahrer in der Fußgängerzone, der sich bei strahlendem Sonnenschein in voller Wintermontur über das schlechte Vorankommen mangels Schnee auf dem Pflaster ärgerte.
Für Budapest
hatten wir leider zu wenig Zeit veranschlagt. Hier
liefen wir so viel wie kaum irgendwo anders. Neben dem
Burgberg rentierte sich auch der mühsame Aufstieg zur
Zitadelle in Buda sowie der Besuch der Zentralen
Markthalle und des Ludwig Múzeums neben dem
Nationaltheater am Donauufer im Süden Pests. Unsere
wunden Füße konnten wir nach Einbruch der Dunkelheit
beim Verspeisen einer Banane am Heldenplatz entspannen.
Eine einsame Inline-Skaterin machte vor, was man an
diesem wunderbaren Ort zu später Stunde noch
Meditatives anfangen konnte.
Am
UNESCO-Weltkulturerbe Sighişoara (Schäßburg)
wird mir vielleicht der alte evangelische Friedhof am
besten in Erinnerung bleiben, der mit seiner
attraktiven Lage am Hang und der geheimnisvollen
Naturverwachsenheit einen recht
transilvanisch-schaurig-schönen Eindruck auf uns
machte. Die "wahrscheinlich beste Stadt der Welt"
Braşov (Kronstadt) konnte durch ein
bezauberndes Stadtbild, vorbildliche Gastfreundschaft
und verführerische Nähe zum "Drakulaschloss" Bran
überzeugen. Im wahrsten Sinne des Wortes herausragend
war auch der Kapellenberg, von dem wir fast senkrecht
aus 400 Metern Höhenunterschied auf die Stadt und das
gesamte Burgenland herabschauen konnten.
Für das berühmte Donau-Delta war auf unserem
Rumänienbesuch leider keine Zeit, womit wir den
wichtigsten Teil Rumäniens offenbar verpasst hatten,
wie eine Führerin im rumänischen Parlamentspalast,
der wichtigsten touristischen Attraktion in
Bukarest, beteuerte. Ein bisschen Natur bekommt
man aber auch im Norden der rumänischen Hauptstadt zu
sehen, wenn man auf der Kiseleff-Chaussee am
Triumphbogen vorbei zum Park Herăstrău läuft. Doch
Bukarest ist im Wandel - viele Baustellen ließen den
Eindruck entstehen, dass sich ein erneuter Besuch in
zehn, vielleicht auch schon in drei Jahren durchaus
lohnen könnte.
Hatte es in Siebenbürgen bereits an Postfilialen und
Briefkästen gemangelt, so wurde dieser Missstand in
Bukarest auf die Spitze getrieben - hier schien es
nämlich für die ganze Stadt nur ein einziges Postamt
und keinen einzigen Briefkasten zu geben. Doch
seltsamerweise sollte sich das auch in Bulgarien und
der Türkei nicht bessern.
Ob in Sofia wirklich keine einzige Touristeninformation existierte oder ob wir sie nur aufgrund der uns unbekannten kyrillischen Schrift nicht finden konnten, ist bisher ungeklärt. Das besonders anziehende Ambiente in den zahlreichen Cafés und Restaurants Sofias lud zum Entspannen ein. Die vielen beschaulichen Plätze und Gebäude Sofias standen allerdings im Kontrast dazu, dass dies die einzige Stadt war, in der man gleich mehrmals versuchte, uns Falschgeld anzudrehen.
Dass unsere Reiseziele
in der Türkei gerade die drei größten Städte mit
2,8 bis 13 Millionen Einwohnern waren, stellte sich
nicht als die schlauste Wahl heraus. Natürlich konnte
Istanbul trotz der überwältigenden Masse an
Touristen, die aus gigantischen Kreuzfahrtschiffen in
zahllose Reisebusse und aus Reisebussen in die Museen,
Moscheen, Basare und Straßen strömten, in nahezu
jeder Hinsicht überzeugen. Diese Metropole am Bosporus
scheint über jeden Zweifel erhaben.
Anstatt allerdings in Ankara das
größenwahnsinnige Mausoleum Atatürks (Anıtkabir) zu
besuchen, dass die vielleicht einzige nennenswerte
Attraktion der riesigen Hauptstadt darstellt, hätten
wir besser die Landschaft Kappadokiens, die
Kalksinterterassen Pamukkales, den Strand von Çeşme
oder die antiken Ausgrabungen in Pergamon und Ephesus
besucht.
Die zuletztgenannten vier Orte hätten großartige
Ziele für Tagesausflüge von Izmir aus
abgegeben. Da uns die Zeit dafür aber nicht reichte,
sahen wir uns in Izmir die schöne Uferpromenade, die
Bergung eines dort auf Grund gelaufenes Schiffs sowie
ein paar Kilometer der Autobahn zu Fuß an. Neben den
üblichen streunenden Hunden, die uns schon in den
anderen Städten unserer Reiseroute begegnet waren,
begegneten wir in Izmir auch erstmals einem streunenden
Pferd, das sich in einem Industrieviertel über einen
am Straßenrand lagernden Müllberg hermachte.
Da wir nun schonmal in Stuttgart gelandet waren, wollten wir uns wenigstens einen kurzen Einblick in die Hauptstadt der Schwaben nicht vorenthalten. Wir erlebten, wie sich zahllose Polizeiautos vor dem Württembergischen Staatstheater einfanden, um den Besuch des türkischen Staatspräsidenten Abdullah Gül vorzubereiten und abzusichern. Vor der Touristeninformation durfte ich mir das Bedauern einer älteren Dame darüber anhören, dass Stadtpläne nicht mehr kostenlos ausgegeben werden und Stuttgart sowieso und vollends aufgrund des regen Drogenhandels den Bach heruntergehe. Sie berichtete von den schlechten Erfahrungen ihrer vergangenen Rumänienreise und den wundervollen Eindrücken aus Prag. Ich verübelte den Stuttgartern ihre 50 Cent für den Stadtplan nicht und kam weder im Kunstmuseum, noch in der Staatsgalerie, noch in der Fußgängerzone oder im Schlosspark mit Drogen in Kontakt - vielleicht ist Stuttgart ja doch noch zu retten.
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